Revolutionäre Cartoon-Serie: Burka kann Karate

Von , Islamabad

Zeichentrickserie in Pakistan: Verhüllte Superheldin Fotos
AP

Sie ist komplett verhüllt, hat Superkräfte und kämpft für den Erhalt einer Mädchenschule: Die "Burka-Rächerin" ist die Heldin einer neuen pakistanischen Cartoon-Serie. In der Geschichte siegt das Gute über das Böse. Die Realität sieht in Pakistan leider oft anders aus.

Man sieht nur ihre Augen und ihre Finger. Die "Burka-Rächerin" verhüllt sich, wie ihr Name sagt, mit jenem Kleidungsstück, das Frauen aus konservativen Familien in Afghanistan und Pakistan tragen und das Kritiker als Symbol der Unterdrückung von Frauen erachten.

Die Burka-Rächerin ist die Heldin einer neuen Zeichentrickserie, die der pakistanische Privatsender Geo TV ab Ende Juli zunächst auf Urdu, später auch auf Paschtu ausstrahlen wird. Die "Burka-Rächerin" (Originaltitel: "Burka Avenger") ist Lehrerin an einer Mädchenschule in der fiktiven Stadt Halwapur, irgendwo im bergigen Norden Pakistans. Atemberaubende Berge, schöne Landschaft, fröhliche Kinder - alles wäre so schön, wenn es nur die korrupten Politiker und radikalen Geistlichen nicht gäbe!

Da ist zum Beispiel ein glatzköpfiger alter Mann mit goldenem Dollarzeichen an der Halskette, ein lokaler Politiker, der die Schule schließen will, um sich das Geld dafür in die eigene Tasche zu stecken. Er heißt Vadero Pajero, eine Anspielung auf das Geländewagenmodell Pajero der Marke Mitsubishi, das reiche Leute in Pakistan gerne fahren, um ihren Wohlstand zur Schau zu stellen.

Natürlich kann Pajero nicht einfach so die Schule schließen und das Geld einstecken. Er braucht eine ideologische Untermauerung, um den Diebstahl zu vertuschen. Dafür hat er seinen Komplizen Baba Bandook, einen bösartigen Zauberer mit langem schwarzem Bart und erstaunlicher Ähnlichkeit mit einem Taliban-Kommandeur. Der stellt sich vor die Schule und brüllt: "Warum brauchen Mädchen Bildung? Sie sollten zu Hause bleiben, waschen, schrubben und säubern und in der Küche schuften!"

In jeder Folge, eine Moral

Doch die Bösen haben nicht mit den Kindern gerechnet, die sich gegen die Schulschließung auflehnen: Die kleine Ashu hält eine glühende Rede und fordert das Recht auf Bildung für Mädchen. "Die Mädchen von heute sind die Mütter von morgen!", ruft sie. "Wenn Mütter keine Bildung erhalten, bleiben künftige Generationen auf der Strecke!" Pajero und Bandook wollen den Kindern eine Abreibung verpassen, doch rechtzeitig eilt die Burka-Rächerin zur Rettung, die mit richtigem Namen Jiya heißt und außer in Heldenfunktion nie Burka trägt. Mit geheimen Kampfkünsten besiegt sie den Zauberer und bewahrt die Schule vor der Schließung. Und sie nutzt Bücher und Stifte, um ihre Gegner zu bekämpfen - aber nicht, wie man vermutet hätte, um sie mit brillanten Wörtern zu besiegen, sondern um die Bücher ihren Gegnern an den Kopf zu pfeffern und sie mit Stiften zu beschießen.

Es ist eine traurig-lustige Geschichte aus einem Land, in dem in den vergangenen Jahren Hunderte von Mädchenschulen von den Taliban gesprengt wurden, wo Politiker sich eigenmächtig die Taschen vollstopfen und wo ausländische Hilfsgelder für Bildungsprojekte in dunklen Kanälen verschwinden. Im Oktober 2012 versuchten Extremisten,die damals 15-jährige Schülerin Malala Yousafzai zu erschießen, weil die sich für das Recht auf Bildung eingesetzt und die Taliban kritisiert hatte.

Macher der ersten in Pakistan produzierten computeranimierten Sendung ist der Popstar Aaron Haroon Rashid, bekannt als Haroon, der gemeinsam mit anderen Größen der pakistanischen Musikszene auch Musikvideos und ein Album zur Zeichentrickserie produziert hat. Die Produktionskosten hat er größtenteils selbst finanziert, es gab aber auch einen Spender, den er nicht nennen möchte. Haroon spricht lieber über die Sendung. "Jede Folge beinhaltet eine Moral", sagt er. Bislang sind 13 Folgen von je 22 Minuten Länge geplant, Sendungen, über die Kinder und Erwachsene gleichermaßen lachen können.

"Ein Katzenkostüm hätte wahrscheinlich nicht funktioniert"

Mal geht es um Umweltschutz, mal um die Rechte von Minderheiten. In einer Folge baut Zauberer Bandook einen Roboter, der die Weltherrschaft übernehmen soll. "In einer anderen beschreiben wir, wie jemand Strom stiehlt. Das ist in Pakistan ein großes Problem, ebenso die täglichen Stromausfälle", sagt Haroon. Die Serie beinhaltet eine Menge Kritik, verpackt in unterhaltsame, kindgerechte Form, "mit viel zum Lachen, Action und Abenteuer". Angst vor den Taliban, sagt Haroon, habe er nicht. "Sie kommen in der Serie ja überhaupt nicht vor."

Zu der Frage, warum seine Heldin ausgerechnet eine Burka trägt, sagt er: "Das ist kein Zeichen der Unterdrückung. Wie andere Helden auch trägt sie etwas, um ihre Identität zu verbergen." Man hätte ihr auch ein Katzenkostüm verpassen können. "Aber das hätte in Pakistan wahrscheinlich nicht funktioniert." Man habe der Heldin eine lokale Färbung geben wollen, damit die Menschen sich mit ihr identifizieren können.

Die Sendung ist eine Ausnahmeerscheinung im ansonsten furchtbaren pakistanischen Fernsehen. Derzeit erregt eine religiöse Talkshow die Gemüter, in der ein Fernsehgeistlicher vor laufender Kamera zwei Mädchen - beides Säuglinge, die die Eltern ausgesetzt hatten - an kinderlose Paare verschenkte. "Seht, wie hübsch und unschuldig sie ist", sagte er, während er eines der Kinder in die Kamera hielt und anschließend einem vor Freude weinenden Paar überreichte, das von seinen frustrierenden Versuchen berichtete, Kinder zu bekommen.

Die "Burka-Rächerin" würde solche Sendungen sicher nicht zulassen.

"Burka Avenger" im Internet: www.burkaavenger.com

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1. yo
Layer_8 27.07.2013
Zitat von sysopSie ist komplett verhüllt, hat Superkräfte und kämpft für den Erhalt einer Mädchenschule: Die "Burka-Rächerin" ist die Heldin einer neuen pakistanischen Cartoon-Serie. In der Geschichte siegt das Gute über das Böse. Die Realität sieht in Pakistan leider oft anders aus. Burka Avenger: Pakistanische Cartoon-Serie mit rächendem Mädchen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/kultur/literatur/burka-avenger-pakistanische-cartoon-serie-mit-raechendem-maedchen-a-913157.html)
Für mich immer wieder schön, hier aktuelle Nachrichten aus PAK zu lesen. Dieses Land hat bei mir, sagen wir schon, prägende Eindrücke hinterlassen, damals als Student. Menschen, Kultur und Landschaft, bin da zuerst hauptsächlich wegen den Bergen hin. Es könnte wirklich großartig sein. Und so war es ja anfänglich auch angedacht. Muhammad Ali Jinnah (http://de.wikipedia.org/wiki/Muhammad_Ali_Jinnah) wollte der Atatürk (http://de.wikipedia.org/wiki/Atat%C3%BCrk) Südasiens sein. Leider war zu der Zeit schon kalter Krieg und alle seine Pläne wurden deswegen ad absurdum geführt. Zum konkreten Artikel: Der Autor hätte vielleicht noch einen konkreten link angeben können: https://www.youtube.com/watch?v=Isd72k3XOFE nichts für ungut :-)
2.
jakam 27.07.2013
Werden sich die Macher der Serie auch demnächst vor den Vertretern der "friedlichen" Religion verstecken müssen? Mutig und wir drücken die Daumen, daß es dem gesellschaftlichen Fortschritt zuträglich sein wird und nicht wieder dem Fanatismus einiger verblendeter Islamisten zuträglich ist. Schlimm genug, daß man im 21. Jahrhundert überhaupt noch an diese "unsichtbaren Phantasie-Götter" aus irgendwelchen von Menschen verfassten Büchern glaubt.
3.
Atheist_Crusader 27.07.2013
Burka-Batman? Okay, nicht übermäßig innovativ, aber insgesamt eine nette Sache. Junge Geister sind der beste Nährboden für "neue" Ideen. Die Alten wollen in der Regel weder Gerechtigkeit noch Reformen noch sonst irgendwas, sondern lieber die Sicherheit des Status Quo. Aber Kindern kann man sowas noch vermitteln.
4. Auch dort ein Fünkchen Hoffnung
Schweigbrecher 27.07.2013
Zitat von jakamWerden sich die Macher der Serie auch demnächst vor den Vertretern der "friedlichen" Religion verstecken müssen? Mutig und wir drücken die Daumen, daß es dem gesellschaftlichen Fortschritt zuträglich sein wird und nicht wieder dem Fanatismus einiger verblendeter Islamisten zuträglich ist. Schlimm genug, daß man im 21. Jahrhundert überhaupt noch an diese "unsichtbaren Phantasie-Götter" aus irgendwelchen von Menschen verfassten Büchern glaubt.
Bei all der fanatischen Idiotie und korrupten Verschlagenheit in Ländern wie Pakistan bleibt nur zu hoffen, dass auch dort endlich eine erste Generation heranwächst, deren Geist nicht nur mit Religions- und/oder sonstigem anachronistischem Traditions-Schwachsinn und/oder krimineller/terroristischer Energie verblödet wird. Diese Cartoon-Serie könnte einen wichtigen Beitrag dazu leisten. Doch das werden auch die Religions-Faschisten wieder sehr schnell mitbekommen und es wird ihnen ganz und gar nicht gefallen - weil es natürlich "ALLAH" nicht gefällt ... Ich wünsche den Machern dieser Sendung sehr viel Glück, sehr viele weitere gute Einfälle, sehr viel kreatives und didaktisches Geschick und sehr viele sehr junge Zuschauer_innen.
5.
opag78 27.07.2013
Zitat von jakamWerden sich die Macher der Serie auch demnächst vor den Vertretern der "friedlichen" Religion verstecken müssen? Mutig und wir drücken die Daumen, daß es dem gesellschaftlichen Fortschritt zuträglich sein wird und nicht wieder dem Fanatismus einiger verblendeter Islamisten zuträglich ist.
Warum sollten sich die Macher vor Vertretern des Islam fürchten ? Die Frauen der Serie tragen korrekterweise den Schleier oder sogar die Burka und auch die normalen Musliminnen legen beides ab, wenn sie sich nicht in der Öffentlichkeit bewegen. Davon abgesehen sind gerade die Taliban am Anfang so stark gewachsen, weil sie sich gegen lokale Korruption teils sehr erfolgreich stark gemacht haben. Those were the days. Heute sind sie Teil des Systems und greifen daher nur noch leichte Ziele wie Frauen und Mädchen an. Macht korrumpiert. Der Islam ist zurzeit stark in Bewegung. Es ist gut möglich, dass die derzeitige teilweise Radikalisierung zum gleichen Effekt wie historische (ebenfalls hoch radikale) Reformation in Europa führt. Am Ende der Reformation (die allerdings ungefähr 200 Jahre dauerte) stand die Aufklärung ...
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Fakten über Pakistan
Staatsgründung
REUTERS
Pakistan entstand 1947 aus den überwiegend muslimischen Teilen von Britisch-Indien. Zunächst bestand es aus den beiden Landesteilen West- und Ostpakistan, zwischen denen mehr als 1500 Kilometer Entfernung lagen. Beiden Teilen mangelte es jedoch an einer gemeinsamen nationalen Identität. Nach einem Krieg, bei dem Indien dem Osten half, entstand 1971 als neuer Staat Bangladesch .
Kaschmir-Konflikt
REUTERS
Seit der Staatsgründung führte Pakistan zwei große Kriege mit dem Nachbarn Indien um die Grenzregion Kaschmir , 1947/48 und 1965. Der Fürstenstaat Kaschmir hatte sich zunächst zu Indien zugehörig erklärt. Der islamische Staat Pakistan beanspruchte das überwiegend von Muslimen bewohnte Kaschmir jedoch für sich und gewann die Herrschaft über den westlichen und nördlichen Teil der Region. Doch auch Indien betrachtete Kaschmir als sein Territorium. Die von der Uno 1948 vorgeschlagene und vom indischen Premierminister versprochene Volksabstimmung, in der die kaschmirische Bevölkerung selbst über ihre Zukunft entscheiden sollte, wurde nie durchgeführt.

Seit den achtziger Jahren kämpfen im indischen Teil Kaschmirs muslimische Rebellen für die Unabhängigkeit der Region oder einen Anschluss an Pakistan. 1999 kam es wieder zu größeren militärischen Auseinandersetzungen mit mehreren hundert Toten, und 2001 standen die Atommächte Indien und Pakistan erneut am Rande eines Krieges. 2004 wurde ein Friedensprozess zwischen Neu-Delhi und Islamabad eingeleitet.

Der pakistanische Geheimdienst ISI steht im Verdacht, Kontakte zu islamistischen Terroristen zu pflegen. Indien wirft Pakistan die Unterstützung muslimischer Terroristen vor. Auch hinter der Anschlagserie in Mumbai 2008 vermutet Neu-Delhi islamistische Terroristen aus Pakistan.

Islam
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Mit der Verfassung von 1956 wurde Pakistan die erste islamische Republik der Welt. Der Islam ist Staatsreligion, gleichzeitig garantiert die Verfassung jedoch Religionsfreiheit. 96 Prozent der Pakistaner sind Muslime, der Präsident muss ebenfalls Muslim sein. Seit der Staatsgründung haben Spannungen zwischen verschiedenen Gruppen über die Rolle des Islam im Staatsverständnis die Innenpolitik beherrscht.

Immer wieder gab es auch islamistische Tendenzen. So führte Diktator Zia ul-Haq die Scharia , die islamische Rechtsprechung, ein. 1997 erkannte Pakistan als erster Staat das extremistische Taliban -Regime in Afghanistan an und unterstützte es bis zu den Anschlägen vom 11. September 2001 . Während die Zentralregierung in Islamabad zu einem der wichtigsten Verbündeten der USA im Anti-Terror-Krieg avancierte, erstarkte die islamistische Opposition im Land.

Macht der Taliban
REUTERS
In den Stammesgebieten in der nordwestlichen Provinz an der Grenze zu Afghanistan hat die pakistanische Zentralregierung nur begrenzten Einfluss. Dort herrschen islamistische Extremisten und pakistanische Taliban , die sich teilweise auf die Hilfe der regionalen Stammesführer stützen. Die Enttäuschung über die korrupte staatliche Justiz und Verwaltung erhöhte die Attraktivität des Islamismus in der Bevölkerung.

Verstärkung erhielten die radikalen Islamisten von afghanischen Taliban aus den Reihen von Mullah Omar sowie Qaida -Kämpfern, die aus Afghanistan geflohen sind. Militante betreiben hier in Waziristan auch Ausbildungslager für international operierende Dschihadisten.

Kampf gegen die Extremisten
dpa
Die pakistanische Armee führte ab 2003 wiederholt Militäraktionen im Nordwesten gegen die Taliban - und Quaida -Terroristen durch. Als Reaktion verübten Terroristen verheerende Anschläge in pakistanischen Städten.

Die Amerikaner versuchen, die islamistischen Extremisten in ihren pakistanischen Verstecken mit ferngesteuerten Präzisionsraketen zu treffen. Doch diese Drohnen -Angriffe sind bei der Bevölkerung äußerst unpopulär und treiben die Menschen in die Arme der militanten Islamisten.

Das pakistanische Militär scheute zunächst die ernsthafte Konfrontation mit den Extremisten. Die Armee und der pakistanische Geheimdienst ISI haben diese Gruppierungen zum Teil Anfang der achtziger Jahre selbst aufgebaut, um im Kampf gegen die Sowjets in Afghanistan mitzumischen, und haben sie später im Kaschmir-Konflikt eingesetzt. Und noch immer betrachten viele Offiziere die Taliban nicht als ihren eigentlichen Gegner – der wahre Feind sei Indien .

Um die Aufständischen in den Stammesgebieten ruhigzustellen, versuchte schon Präsident Pervez Musharraf , Abkommen mit ihnen zu schließen, und versagte. Im April 2009 scheiterte ein Friedensabkommen, das sein Nachfolger, Staatschef Asif Ali Zardari , ausgehandelt hatte: Die Taliban sollten die Waffen niederlegen und im Gegenzug in der Region Malakand, zu der das Swat-Tal und fünf weitere Distrikte gehören, die Scharia anwenden dürfen. Mit Hilfe des islamischen Rechts können sich die Taliban die Bevölkerung legal gefügig machen - wer sich gegen ihre Herrschaft auflehnt, wird geköpft. Statt einer Feuerpause brachten sie vom Swat-Tal aus mehrere Distrikte unter ihre Kontrolle und rückten bedrohlich nahe an die Hauptstadt Islamabad heran, bis die Armee im Frühjahr 2009 eingriff und die Gebiete zurückeroberte. Im Oktober 2009 begann das Militär außerdem einen Krieg gegen die Taliban in der Region Südwaziristan.

Atomwaffen
REUTERS
1985 wurde in Pakistan erstmals Uran angereichert, seit 1998 besitzt das Land nachweislich Atomwaffen : Nur Tage nach indischen Atomtests zündete Pakistan im Mai 1998 in der Nähe der unbewohnten Chagai-Berge erfolgreich Kernwaffen. Die genaue Zahl der atomaren Sprengköpfe ist nicht bekannt, aber es sollen 60 bis 100 sein, die an verschiedenen Stellen im Land gelagert und von rund 10.000 Soldaten bewacht werden.

Damit gehört Pakistan neben den fünf offiziellen Atommächten USA, Russland, Großbritannien, Frankreich und China sowie Indien, Israel und Nordkorea zum Kreis der neun Nuklearmächte, was die Bedeutung des verarmten Landes stark erhöht.

Militärbeobachter befürchten, Nuklearwaffen aus dem pakistanischen Waffenarsenal könnten aufgrund der Instabilität des Landes in die Hände von Extremisten fallen. Diese hätten damit ein Mittel in der Hand, dem Westen ihre Bedingungen zu diktieren. Geschürt wird die Angst vor diesem Horrorszenario dadurch, dass die Taliban in den vergangenen Monaten ihre Basis in den Stammesgebieten an der Grenze zu Afghanistan ausgebaut haben. Im April 2010 rückten sie bis auf 100 Kilometer Entfernung auf die Hauptstadt Islamabad vor, bevor sie vom pakistanischen Militär zurückgedrängt wurden.


SPIEGEL ONLINE

Fläche: 796.000 km²

Bevölkerung: 184,753 Mio. Einwohner

Hauptstadt: Islamabad

Staatsoberhaupt:
Mamnoon Hussain

Regierungschef: Nawaz Sharif

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