Wirbel um Kinderbuchheldin: Carlsen-Verlag streicht Amazon-Passage aus "Conni"-Buch

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"Conni"-Autorin Dagmar Hoßfeld: Geschenkgutschein aus Großbritannien Zur Großansicht
Dagmar Hoßfeld

"Conni"-Autorin Dagmar Hoßfeld: Geschenkgutschein aus Großbritannien

Weil Conni, Hauptfigur der erfolgreichen Kinderbuchreihe, im neuen Band einen Amazon-Gutschein geschenkt bekommt, laufen Buchhändler Sturm. Nun gibt der Carlsen Verlag nach und streicht den Namen des Online-Händlers. Es gibt allerdings noch bekanntere Bücher, in denen Amazon vorkommt.

Hamburg/Frankfurt am Main - Auch Conni, von so manchen Eltern gefürchtete Heldin der kleinformatigen Pixi-Kinderbücher, wird älter. Im neuen Band "Mein Leben, die Liebe und der ganze Rest" feiert sie den 15. Geburtstag - und bekommt von ihrer Freundin Mandy einen Gutschein für den Online-Händler Amazon geschenkt.

Damit nun hat sich der Hamburger Carlsen Verlag, bei dem die Reihe erscheint, den Ärger deutscher Buchhändler zugezogen. Das meldet das "Börsenblatt", Mitteilungsorgan der Branche, in seiner Online-Ausgabe. Stellvertretend für eine ungenannte Zahl von empörten Händlern zitiert das "Börsenblatt" die Inhaberinnen einer hessischen Buchhandlung: "Was hat sich das Carlsen-Lektorat dabei gedacht?" Sie und weitere Kollegen wollen diesen Band nun nicht mehr verkaufen. Hintergrund des Protests ist die zunehmende Marktmacht von Amazon, von der sich viele Buchhändler in ihrer Existenz bedroht fühlen.

Nun reagiert der Carlsen Verlag. Er lässt mitteilen, nach Rücksprache habe "Conni"-Autorin Dagmar Hoßfeld gebeten, bei der nächsten Auflage das Wörtchen Amazon zu streichen. Dann erhält Conni von ihrer in Großbritannien lebenden Freundin, die sie durch einen Schüleraustausch kennt, einen schlichten Geschenkgutschein zum Geburtstag.

Damit ist eine Schlacht geschlagen, der Krieg gegen Amazon aber noch lange nicht gewonnen. In dem wird es der Buchhandel mit noch stärkeren Gegnern als der kleinen Conni aufnehmen müssen. Denn Amazon spielt mittlerweile auch in anderen Büchern eine Rolle. Sogar in E. L. James Weltbestseller "Shades Of Grey". Darin bekommt die weibliche Hauptfigur Anastasia Steele ein Amazon-Päckchen zugestellt - mit einem Klassiker der Weltliteratur: Thomas Hardys "Tess von den d'Urbervilles". Für den allerdings ist Conni fast noch zu jung.

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insgesamt 40 Beiträge
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1. "Der verdiente Untergang der Buchhändler", nächstes Kapitel!!!
kannmanauchsosehen 25.04.2013
Zitat von sysopWeil Conni, Hauptfigur der erfolgreichen Kinderbuchreihe, im neuen Band einen Amazon-Gutschein geschenkt bekommt, laufen Buchhändler Sturm. Nun gibt der Carlsen Verlag nach und streicht den Namen des Online-Händlers. Es gibt allerdings noch bekanntere Bücher, in denen Amazon vorkommt. Carlsen streicht Amazon aus Conni-Buch - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/kultur/literatur/carlsen-streicht-amazon-aus-conni-buch-a-896592.html)
"Product Placement" könnte natürlich auch mal ein Problem für Bücher werden, aber die Sachlage liegt hier sicher anders. Amazon ist Teil unserer Alltagskultur, sie haben es geschafft, und sie haben es verdient. Wenn die Buchhändler ihren Untergang mit solchen Aktionen beschleunigen wollen, nur zu!!!
2.
max-mustermann 25.04.2013
Es gibt in Deutschland eine Buchpreisbindung dh. Amazon darf Bücher auch nicht billiger verkaufen als der Buchhändler um die Ecke, also was soll das Theater ?
3. Sommerloch...
stelzenlaeufer 25.04.2013
...oder was will uns diese Werbesendung sagen? Als wenn es nichts wichtigeres gibt...
4. Remittende
spon-facebook-1049022215 25.04.2013
Das Zauberwort heißt Remittende – wenn der Buchhandel den Murks gescchlossen zurücksendet, erlaubt sich der Verlag so etwas nicht mehr.
5. Zensur gegen einen Monopolisten
ubik_21 25.04.2013
"Eine üble Wendung ist der anderen wert", wie Saruman sagt. So unerträglich das Monopol von Amazon inzwischen ist (i.e. Abebooks, ZVAB, etc.), es rechtfertigt wohl kaum diese Art von Zensur. Wenn Literatur auf derlei Be- und Empfindlichkeiten Rücksicht nehmen soll, wird es seltsam. Dass Carlsen hier einknickt, ist kein gutes Signal!
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