Neuer Comic-Superheld "Captain China" rettet Obama

Die chinesische Antwort auf "Captain America" heißt: "Captain China". Ein neuer Comic über den "weltgrößten kommunistischen Superhelden" sorgt gerade in der Volksrepublik für Furore. Doch der rote Held muss nicht gegen böse Amerikaner kämpfen - sondern deren Präsidenten retten.

offbeatchina.com

Hamburg - Sein Outfit: Die chinesische Flagge. Seine Waffe: Eine Mauser aus dem Ersten Weltkrieg. In China ist ein neuer Comic erschienen, und die Zeichner Chi Wang und Jim Lai haben mit ihm den "weltgrößten kommunistischen Superhelden" geschaffen: "Captain China".

Die Zeichnungen - von denen derzeit einige im Internet kursieren - erinnern stark an die Propagandaplakate aus den Zeiten der chinesischen Kulturrevolution, doch ein schlichtes Staats-Comic der chinesischen Regierung scheint der erste Band -"The Return of Captain China" - nicht zu sein.

Der kommunistische Look des Superhelden hat nämlich einen Grund: Wie das Blog "Offbeat China" über den Plot berichtet, kommt Captain China aus einer längst vergangenen Zeit. Er ist der einzige Überlebende des großen Superhelden-Programms des "Großen Vorsitzenden" Mao Zedong Ende der fünfziger Jahre. Nach jahrzehntelangem Tiefkühlschlaf taut die chinesische Regierung ihn auf, um der Welt ihre Macht zu beweisen - und muss ihrem Helden erst mal erklären, dass die Welt sich ziemlich verändert hat und statt Kaltem Krieg nun Globalisierung herrscht.

Gesellschaftskritik plus explosive Action

Statt gegen das böse Amerika zu kämpfen, soll der rote Hüne nun US-Präsident Obama beim Staatsbesuch vor einem Anschlag schützen. Und sein eigentlicher Name "Der Befreier" ist irgendwie auch nicht mehr zeitgemäß. Deshalb also nun: "Captain China".

Die Geschichte erinnert tatsächlich an seinen amerikanischen Kollegen "Captain America". Auch der, stets gewandet in Stars and Stripes, wurde zu Beginn seiner Karriere zu Propagandazwecken eingesetzt. Auf dem Titel der ersten Ausgabe von 1941 verpasst er Adolf Hitler einen Kinnhaken, später kämpft er gegen Kommunisten. Doch nach und nach griffen die Autoren auch Themen wie den Vietnam-Krieg, die Watergate-Affäre oder den 11. September.

Die Propagandajahre hat "Captain China" ja nun verschlafen. Wie weit der neue chinesische Superheld bei seiner Sozialkritik gehen wird, muss sich noch zeigen. Laut Verlag - der übrigens in den USA beheimatet ist - wollen die beiden Macher mit ihrer Comic-Serie jedenfalls einen durchaus auch satirischen Einblick in die aktuellen Befindlichkeiten der chinesischen Gesellschaft bieten - und das Ganze natürlich mit einer Portion explosiver Action kombinieren.

seh

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