"Clever & Smart" sind zurück Umzingelt von Idioten

Sie war jahrzehntelang an jedem Kiosk zu finden: die Comicserie "Clever & Smart" um zwei vertrottelte Geheimagenten. Dann war sie weg. Jetzt gibt es eine Neuauflage - taugt sie für mehr als Kindheitsnostalgie?


Es war das traurige Ende eines Giganten: Als "Clever & Smart" ab 2012 nicht mehr auf Deutsch erschien, gab es keine Nachrufe, nicht mal in der Fachpresse, keine Onlinepetition, kein schon auf der Matte stehender Nachfolgeverlag. Es schien schlicht niemand Notiz zu nehmen. Dabei hatte die Serie über Jahrzehnte zu den erfolgreichsten Comics der Republik gehört, einzelne Bände sich teilweise über hunderttausendfach verkauft. Ab 1972 erschienen die Alben im Condor-Verlag, dominierten Drehständer und Comicauslagen der Kioske der Bundesrepublik. Weit über hundert Bände lagen am Ende vor, mehr als von "Asterix" und "Lucky Luke" zusammen, viele davon in immer neuen Auflagen und Sonderausgaben x-mal verwertet.

Das ist vorbei, das kommt - wie es das Gesetz der Nostalgie bestimmt - wieder: Seit Februar publiziert Carlsen Comics die Alben erneut auf Deutsch. Ähnlich wurde auch schon mit anderen Klassikern umgegangen: Das "Yps"-Magazin wurde 2000 eingestellt und erfuhr 2005 und 2012 eine Auferstehung. "Fix & Foxi" wurden auch schon zweimal neu gestartet. Die Kinder der Siebzigerjahre, sie sind nicht nur die Kunden, sondern auch die Verlagsleiter von heute.

Freilich ging der "Fix & Foxi"-Neuanlauf vor einigen Jahren deutlich baden, und auch "Yps" ist inzwischen schon wieder tot. Man muss sich also fragen: Kann man "Clever & Smart" heute noch bringen? Und: Bringen's "Clever & Smart" noch?

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Comicserie "Clever & Smart": Umzingelt von Idioten

In Spanien, dem Ursprungsland der Serie, ist der Fall klar. Dort erscheint "Mortadelo y Filemón", wie die Serie im Original heißt, ununterbrochen seit 1958. Anfangs Privatdetektive, agierten die beiden ab 1969 als Geheimagenten, die in endloser Repetition Schurken fingen und Waffen testeten.

Autor und Zeichner fast aller Episoden von damals bis heute ist Francisco Ibáñez, ein ehemaliger Bankangestellter, der auf Comic umgesattelt hatte. Er produzierte in der Hochphase der Serie bis zu zwölf, aktuell immerhin noch mindestens zwei neue Alben pro Jahr, daneben weitere Comicserien. Die Figuren waren Werbegesichter unter anderem für Pepsi und die Region La Mancha. Die 2003 erschienene Realverfilmung zählt zu den erfolgreichsten Filmen aller Zeiten in Spanien.

"Rums und Krach - und ab durchs Dach"

Anders in Deutschland, wo genau dieser Film 2005 grandios floppte. "Clever & Smart" sind hier eben keine nationalen Ikonen - es umwehte sie vielmehr der Ruch des Trash-Comics. Zu Recht, nicht zuletzt aufgrund der Textbearbeitung des ehemaligen deutschen Verlags. In Manier der Rainer-Brandt-Synchronisationen (Bud Spencer und Terence Hill, "Die Zwei") wurden die Sprechblasen mit Gags und Kalauern vollgequetscht. Dazu meist gereimte Titel wie "Rums und Krach - und ab durchs Dach" - ebenfalls eine rein deutsche Erfindung.

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Francisco Ibáñez:
Clever und Smart

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"Viele Sprechblasen haben mit dem Original einfach nichts zu tun", schildert Steffen Haubner, der die jüngst im Carlsen-Verlag begonnene Neuauflage textlich betreut. In zum Teil äußerst freier Manier wurde den Figuren einfach irgendwas in den Mund gelegt.

Haubners Bearbeitung der Texte von damals, die er explizit nicht als Neuübersetzung verstanden haben will, wagt einen Spagat. "Wir wollen so viel wie möglich von den alten Übersetzungen bewahren", erklärt Haubner. Das betrifft neben Teilen der Sprechblasen-Inhalte vor allem die Namen der Hauptfiguren. "Gleichzeitig soll es wieder näher am Original und textlich aktualisiert sein." Zu den von Haubner vorgenommenen Aktualisierungen zählt die Erwähnung Angelina Jolies oder der Ausruf "Fake-News!" ebenso wie eine Pointe auf Kosten gegenwärtiger Wutbürger.

Die größte Schwäche

Das sind sicherlich keine humoristischen Höhepunkte. Aber eben auch nicht total daneben, weil der Humor von Ibáñez sowieso nie feinsinnig war. Mit grobem Slapstick-Hammer schilderte Ibáñez eine Welt der umfassenden Idiotie, die zeit- und ortlos angelegt war. Was einem jetzt bei der genaueren Betrachtung der Zeichnungen aber auffällt: Vieles kennt man leider von anderswo her.

Gleich im dritten Abenteuer "Die Asphaltsafari" stammt die Eingangssequenz mit einem glücklosen Einbrecher aus einem "Gaston"-Comic von André Franquin. Ein Album zuvor, "Wir bringen Nachschub für den Knast", hat Ibáñez die Steineklopfer im Knast aus dem "Lucky Luke"-Abenteuer "Dalton City" ins "Clever & Smart"-Universum übertragen. Und die Soldaten im erwähnten ersten Band "El Sulfato Atomico" sind Asterix' römische Legionäre. Der Polizist in der Geschichte stammt dann wieder aus "Gaston".

Hundertfach hat sich Ibáñez, der Vielzeichner, der zeitweise 20 Comicseiten pro Woche produzierte, bei Vorbildern bedient. Aus der Klasse hat er Masse gemacht. Das wusste man als Kind nicht. Als Erwachsener scheint es nun wie die größte Schwäche eines eigentlich gar nicht so schlechten, aber auch nicht sonderlich originellen Comics.



insgesamt 17 Beiträge
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emil_erpel8 17.02.2018
1.
"Das sind sicherlich keine humoristischen Höhepunkte. Aber eben auch nicht total daneben, weil der Humor von Ibáñez sowieso nie feinsinnig war." Sorry, das kann nur jemand schreiben, der von Mortadelo y Filemon keine Ahnung hat. Sicher, da ist jede Menge Slapstickhumor usw.. Aber als Leser seit bald vierzig Jahren kann ich bestätigen, daß die Alben von tiefsinnigem, versteckten, intelligenten, bissigen und feinsinnigen Humor voll sind. Man muß nur genau hingucken. Je älter man wird, desto mehr lernt man eben den intelligenten Humor jenseits der vordergründigen extrem überzeichneten Scherze zu schätzen.
reflexxion 17.02.2018
2. sorry, damit konnte ich noch nie was anfangen
Ich habe früher mal alle Asterix Bände gelesen - nicht gekauft sondern geschnorrt. OK, aber das Zeug war nie meine Welt. Genauso erging es mir mit Tim & Struppi. Jeder Jeck ist anders, ich mochte dann doch eher Lucky Luke und die Daltons (da hatte er noch Zigaretten) die alten Geschichten von Donald Duck, also die vor den sogenannten "lustigen Taschenbüchern"
der-junge-scharwenka 17.02.2018
3. Alles hat seine Zeit
Clever & Smart: Die Helden eines vorpubertären Jungen-Daseins in einer Speckgürtel-Gemeinde einer westdeutschen Millionenstadt. Meine Helden. Vor 40 Jahren. Man kann aus heutiger Sicht ganz viel gegen Clever & Smart sagen: Nicht originell, gewaltorientiert, schlecht gezeichnet, plump getextet. Aber das ist die Überheblichkeit des Rückblicks. Wir sollten die Serie mit damaligen Augen sehen - und dabei das Umfeld berücksichtigen, in dem wir die Comics damals lasen. Fred Clever, Jeff Smart, Mr. L., Dr. Bakterius, Fräulein Ophelia - das war eine total verrückte Welt für einen 10-Jährigen, dessen Umgebung im Übrigen aus Hans Rosenthal, Rudi Carrell und vielleicht noch den Teens bestand. Zumindest die letztgenannten kennt heute niemand mehr. Dass Francisco Ibánez viele Gags geklaut hat - geschenkt. Nicht selten habe ich es nicht einmal gemerkt. Und meine Kumpels auch nicht. Ich habe sie noch, die Hefte 1 bis 85. Im Original. Ungefähr alle 5 Jahre hole ich sie hervor und lese sie quer. Bei mir lösen sie inzwischen Sentimentalität aus. Dazu hat man mit 50 jedes Recht. Im Übrigen funktionieren sie bei den heute 10-Jährigen nicht mehr. Meine Söhne können mit diesem Humor schlicht und einfach gar nichts anfangen. Alles hat seine Zeit.
atesche 17.02.2018
4.
Ich war in meiner Jugend begeisteter Leser und Käufer der Erstauflagen. Kannte die Comics schon durch meinen älteren Bruder, bin aber erst anfang der Neunziger dazu gekommen mir sie dann selbst regelmäßig zuzulegen. Das war so ab Heft 108, irgendwo in der Zeit zwischen den Heften 100 bis 110 änderten sich die C&S Comics, wie ich finde, ziemlich. Die Zeichnungen wirkten moderner und die Gags waren richtig gut, ältere Ausgaben fand ich dagegen ziemlich langweilig und absolut Gagfrei. Die Cover der jetzt neu erschienenen Bänder, sowie die Bilder der Fotostrecke sehen aus wie alte Ausgaben aus den 70/80ern, also für mich dann vollkommen uninteressant. Was ich damals ziemlich merkwürdig fand: während ich in Berlin z.b. Als Erstauflage Heft 110 im Handel vorfand, gabs in Schleswig-Holstein schon Heft Nr.120, und dieses Heft kam dann tatsächlich erst ein,zwei Jahre später in Berlin in die Kioske. Habe mir dabei gedacht das der damalige Verlag wohl etwas sparen wollte und die unverkauften Exemplare aus dem „ersten Gebiet“ dann im „zweiten Gebiet“ verkaufen kann. Oder sind damals doch nur erst später mit Ausgabe 1 in Berlin in den verkauf gegangen und haben diesen Rückstand nie aufgeholt?
monoman 17.02.2018
5.
Ich hatte zufällig vor ein paar Wochen ein paar Hefte aus den 80ern in die Finger bekommen und eins davon durchgelesen. War total enttäuschend, ich hatte die weit besser in Erinnerung. Dagegen haben sich Asterix. Lucky Luke etc. doch deutlich besser gehalten. Den erwähnten Film hab ich mir im Darknet angesehen, der ist bei uns vollkommen zu Unrecht durchgefallen .
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