Comic-Legende: Muss Batman sterben?

Von Stefan Pannor

Im Superhelden-Gewerbe ist Sterben oft tragisch für die Fans, aber gut fürs Geschäft: Der US-Verlag DC Comics will jetzt einen seiner berühmtesten Heroen umbringen, um den Umsatz anzukurbeln: Batman. Das Timing ist tödlich.

Es steht nicht gut um DC Comics. Die Heimat von Ikonen wie Superman, Batman oder Wonder Woman verliert seit langem an Marktanteil im US-Comicheft-Markt. 2007 stammten nur noch 34 Prozent aller verkauften Comichefte in den USA von DC, 44 Prozent dagegen vom ewigen Konkurrenten Marvel Comics.

Um diesen Abstand zu verringern, geht man notfalls auch über Leichen. Die Ampel steht auf grün - Batman soll über die Klinge springen. Bereits seit November kursieren entsprechende Gerüchte auf US-News-Seiten. Jetzt ist es offiziell. "Batman R.I.P." heißt das Comic-Event, das in Amerika im April beginnen soll, sich über mehrere Hefte ziehen wird und an dessen Ende möglicherweise der Tod des dunklen Ritters steht. "Wer wird leben? Wer wird sterben? Wer wird Batman sein?", heißt es provokativ in der Verlagsankündigung dazu.

Ein April-Scherz? Vermutlich nicht. Denn Sterben ist gut fürs Comicgeschäft. Als im März vergangenen Jahres Captain America starb, die Ikone von Marvel Comics und älteste noch veröffentlichte Figur des Verlages, wurde die entsprechende Heftausgabe zum bestverkauften amerikanischen Comic der vergangenen zehn Jahre. 325.000 Stück waren innerhalb kurzer Zeit ausverkauft - Auslandsausgaben und Zweitverwertungen der Episode in Buchform nicht eingerechnet.

Gute Erfahrungen mit dem Figurenmord

Auch DC hat bereits gute Erfahrungen mit dem Figurenmord gemacht. 1992 war Superman in einem großangelegten Prügel-Event dem Erzschurken Doomsday unterlegen. Die Sterbeausgabe, "Superman #75", verkaufte sich millionenfach. Batman selbst sprang nur ein Jahr später dem Tod nur knapp von der Schippe. "Knightfall" hieß die über ein Jahr in allen damaligen Batman-Comics laufende Erzählung, in der Bruce Waynes Rückgrat gebrochen wurde. Auch dieses Event begann im April - allerdings 1993.

Das Timing der aktuellen Ankündigung allerdings verwundert. Schließlich soll im Juli 2008 "The Dark Knight" ins Kino kommen, die Fortsetzung des Blockbusters "Batman Begins" von 2005. Darin spielt der jüngst verstorbene Heath Ledger die Rolle von Batmans Erzfeind Joker, Christian Bale ist zum zweiten Mal in der Titelrolle zu sehen. DC beraubt sich also möglicherweise gerade dann seiner Hauptfigur, wenn dank des Films mit erhöhter Aufmerksamkeit für die Comics zu rechnen ist. Ein gewagtes Spiel, über dem zu allem Unglück nun auch noch der Schatten von Ledgers Tod hängt.

Superman kehrte übrigens schon 1993 von den Toten zurück Auch Batmans Rückgrat heilte seinerzeit, und für Februar 2008 ist bei Marvel ein neuer Captain America angekündigt.

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