Comic-Preis Sondermann 2010 Supermans digitale Erben

Comics sind längst im Internet angekommen, und der größte deutsche Publikumspreis trägt dem jetzt Rechnung - mit einer neuen Web-Kategorie. SPIEGEL ONLINE präsentiert den Sondermann, der auf der Frankfurter Buchmesse zum siebten Mal vergeben wird.

Titelbild der ersten Superman-Ausgabe: Seither ist das Comic weit gekommen
REUTERS / ComicConnect.com

Titelbild der ersten Superman-Ausgabe: Seither ist das Comic weit gekommen


Mit Comics ist das hierzulande so eine Sache. Einerseits heißt es oft, der Deutsche sei comicfeindlich. Belegt wird das mit geringen Auflagenzahlen. Ein aktuelles frankobelgisches Album muss sich in der Regel mit drei- bis fünftausend verkauften Exemplaren begnügen, Superhelden-Hefte häufig mit nicht viel mehr. Zum Vergleich: In den siebziger Jahren verkaufte "Superman" mitunter bis zu einer Million Exemplare pro Ausgabe. Nur den Mangas geht es noch halbwegs gut, obwohl auch hier Marktbeobachter seit Jahren einen leichten Abwärtstrend diagnostizieren.

Andererseits schaffen es immer wieder Phänomene wie "Asterix", scheinbar mühelos Millionenauflagen abzusetzen. "Micky Maus", obwohl ebenfalls von der Neuzeit gebeutelt, setzt weiterhin jede Woche 250.000 Hefte ab. Sogar das ostdeutsche Comic "Mosaik" verkauft im oberen fünftstelligen Bereich, dabei ist es mit seiner Konzentration auf die neuen Bundesländer in seiner Verbreitung sehr eingeschränkt.

Gleichzeitig war die Auswahl an Novitäten nie so hoch wie heute. Bis zu vier Dutzend Verlage publizieren über hundert Neuheiten pro Monat, von hochanspruchsvoll bis trivial. Fast alle finden ihre Käufer.

Sie geht also nicht ganz auf, die These vom deutschen Comic-Muffel. Neben den bereits Genannten zählen Ralf König, Brösel ("Werner") oder Walter Moers zu den Lieblingszeichnern der Nation. Nicht zu vergessen Cartoonisten wie Uli Stein oder Martin Perscheid, die mit ihren Bildwitzen Millionenverkäufe schaffen und zusätzlich in Zeitungen, Magazinen und Online-Portalen dauerpräsent sind.

Das Comic wandert ins Web

Zudem gewinnt der Online-Comic zunehmend an Bedeutung. In den USA hat es bereits eine ganze Reihe von Zeichnern geschafft, aus ihren Webcomics ein tragfähiges Geschäftsmodell zu basteln. In Deutschland ist es vor allem Joscha Sauer, der mit den Gags auf seiner Website www.nichtlustig.de zum Bestsellerautor wurde. Nicht nur Newcomer, sondern auch klassische Titel wie "Fix & Foxi" oder das bereits erwähnte "Mosaik" werden parallel gedruckt und als E-Comic zum Verkauf angeboten.

Neben Einzelkämpfern mit eigenen Websites und den Parallelausgaben von Print- und Online-Comics mehren sich entsprechend die Portale mit übergreifenden Angeboten digitaler Comics. Zu den größten und technisch ausgereiftesten im deutschen Sprachraum zählen Comicstars und Mycomics. Obwohl verlagsbetrieben - hinter Comicstars steckt Droemer Knaur, hinter Mycomics Panini -, sind beide Portale nicht auf Angebote aus den eigenen Häusern beschränkt. Nach dem YouTube-Prinzip laden Zeichner oder deren Verlage die eigenen Comics dort hoch. Die Bandbreite reicht vom ambitionierten Fancomic bis zur kritikergelobten Graphic-Novel.

Sondermann 2010 startet

Diesem Wandel der Comiclandschaft trägt der Sondermann-Preis im siebten Jahr seines Bestehens Rechnung. Zu den gewohnten Preiskategorien kommt eine neue: der Web-Sondermann, vergeben in Zusammenarbeit mit Mycomics.de. Auf dem Portal haben die Nutzer eine Vorauswahl getroffen, in den sonstigen Kategorien sind die meistverkauften Titel aus über 1000 Neuveröffentlichungen nominiert.

Benannt wurde der Preis nach dem Buchhalter-Männlein Sondermann, einer Cartoon-Figur des 2004 verstorbenen Künstlers Bernd Pfarr, die mehr als ein Jahrzehnt lang im Satiremagazin "Titanic" erschien. Pfarrs Bilder, vor allem die mit Sondermann, waren für ihre skurrilen Weltschöpfungen bekannt.

Die Verleihung findet am 9. Oktober auf der Frankfurter Buchmesse in Kooperation mit SPIEGEL ONLINE, dem Fanportal comicforum.de und der "Frankfurter Rundschau" statt. Dort vergibt eine Jury um Pfarr-Witwe Gabriele Roth-Pfarr auch zwei Sondermann-Sonderpreise: für den deutschsprachigen Newcomer des Jahres und den Bernd-Pfarr-Preis für komische Kunst. Zu den Gewinnern im vergangenen Jahr gehörten unter anderem Ralf Königs witzige Schöpfungsgeschichte "Prototyp" und die Comicversion von Stephen Kings "Der Dunkle Turm".

SPIEGEL ONLINE stellt ab Dienstag, 31. August, die nominierten Titel in den Publikumskategorien Bester Comic, Bester Cartoon, Bester Manga und Bester Web-Comic vor. Abstimmen können Sie bis zum 19. September (siehe linke Spalte).

Mehr zum Thema


insgesamt 1 Beitrag
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
avollmer 30.08.2010
1. Naja
Zitat von sysopComics sind längst im Internet angekommen, und der größte deutsche Publikumspreis trägt dem jetzt Rechnung - mit einer neuen Web-Kategorie. SPIEGEL ONLINE präsentiert den Sondermann, der auf der Frankfurter Buchmesse zum siebten Mal vergeben wird. http://www.spiegel.de/kultur/literatur/0,1518,714573,00.html
Aber nur für Comics, oder? Und wie alle Publikumspreise ist es kein Ausbund der Anerkennung für Innovation oder Tiefgang, eher für Gefälligkeit und Beliebtheit. Ralf König in allen Ehren, seine Comics sind gut, aber doch immer nur Ralf König wie eh und je. Und statt Stephen Kings Werk hätte man eher seinen Sohn berücksichtigt. Und dieses Jahr? Gibt es Chancen für Faust: Der Tragödie erster Teil von Flix, Tanatos oder Der Geschmack von Chlor von Bastien Vivès? Meine Beschneidung von Riad Sattouf kann leider erst nächstes Jahr dabei sein.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.