Comic-Verfilmung "Watchmen" in Gefahr

Alan Moore wird es freuen. Der Comic-Autor hasst Hollywood-Adaptionen seiner Bücher. Das berühmteste, die Superhelden-Saga "Watchmen", sollte von Warner Bros. verfilmt werden. Dagegen hat nun jedoch die Konkurrenz von Fox geklagt. Ein neues Kapitel in einem absurden Rechtsstreit.

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Die Klage von 20th Century Fox gegen Warner Bros. wurde laut Branchenblatt "Hollywood Reporter" bereits am vergangenen Freitag eingereicht. Sie betrifft den gesamten Herstellungsprozeß, von der Planung bis zum Verleih des Films. Fox behauptet, ihnen gehörten sämtliche Filmrechte an "Watchmen".

Cover der deutschen "Watchmen"-Ausgabe: Höhepunkt des Mediums
Carlsen Comics

Cover der deutschen "Watchmen"-Ausgabe: Höhepunkt des Mediums

Das Studio ist reichlich spät dran mit seiner Beschwerde. Immerhin wird die Verfilmung des Comic-Überklassikers von Alan Moore bereits seit geraumer Zeit in Vancouver gedreht, unter der Regie von Zack Snyder ("300"). Als Starttermin ist der 6. März 2009 vorgesehen.

Scheinbar möchte Fox aber genau diesen Termin sabotieren. In der Klage heißt es, der Mediengigant wolle Warner Bros. "abhalten, irgendetwas zu unternehmen, das die Urheberrechte von Fox verletzt und dauerhaft für eine Beeinträchtigung der Rechte seitens Fox steht, Vertrieb und Entwicklung dieses einmaligen Projekts zu kontrollieren".

Damit kommt ein weiterer Stolperstein in die scheinbar unendliche Saga vom Versuch, diesen Meilenstein der Comic-Geschichte zu verfilmen. "Watchmen", gestaltet von Autor Alan Moore und Zeichner Dave Gibbons, gilt heute als einer der Höhepunkte des Mediums, eine intelligente und spannende Darlegung der Möglichkeiten und Grenzen von Superhelden-Comics.

Streit seit 1986

Die Verfilmungsgeschichte von "Watchmen" liest sich allerdings eher verwirrend als spannend. Bereits 1986, als "Watchmen" erstmals als zwölfteilige Graphic Novel bei DC Comics erschien, hatte Fox die Filmrechte an der Serie gekauft. Nachdem es allerdings zu keiner Einigung über das Drehbuch kam, legte Fox das Projekt auf Eis und verkaufte es später kurzzeitig zurück an Warner. Als Regisseur stand damals unter anderem Terry Gilliam ("12 Monkeys") im Gespräch, der das Projekt allerdings als "unverfilmbar" aufgab.

Später wanderten die Filmrechte in Hollywood umher wie Moby Dick - mal wurden sie bei diesem, mal bei jenem Studio gesichtet. Fox selbst hatte die Filmrechte zu jener Zeit an einen Produzenten abgegeben. Allerdings unter Bedingung einer Auslösesumme, die fällig würde, sollte der Film jemals ins reale Entwicklungsstadium kommen.

Laut Fox hat nun Warner Bros. diese Auslösesumme für die aktuelle Produktion nie gezahlt. Weshalb ihnen die Filmrechte nicht gehören würden. Warner Bros. selbst hat noch nicht Stellung bezogen.

Pikant an der Geschichte ist, dass die Firma Warner Bros. auch Eigentümer von DC Comics ist. Mithin hat Fox die Filmrechte 1986 letztlich genau von jener Firma gekauft, die sie nun für die unrechtmäßige Verwendung fremden Eigentums verklagen. Möglicherweise stimmt ja der Satz, dass die kreativsten Menschen in Hollywood die Anwälte sind.

Einer allerdings wird seinen Spaß an dieser Rechte-Charade haben. Alan Moore, Autor der Vorlage, lehnt nach unangenehmen Erfahrungen mit Hollywood Verfilmungen seiner Werke grundsätzlich ab. "Watchmen" ist (nach "From Hell", "The League Of Extraordinary Gentlemen" und "V for Vendetta") bereits die vierte Blockbuster-Verfilmung eines seiner Comics in den letzten Jahren. Bereits im Vorfeld hatte der Brite seinen Namen von der Verfilmung zurückgezogen.

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