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Comicpreis Sondermann 2008: Auf den Strich stehen

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Buchhalter sind langweilig? Von wegen. Ab kommender Woche servieren Ihnen SPIEGEL ONLINE und ein gräulicher Zahlenmensch namens Sondermann die besten Comics des Jahres 2008.

Der Welt die Realität auszutreiben, war das Motto von Bernd Pfarr, dem 2004 verstorbenen Allround-Graphikgenie. Und er hat es unermüdlich getan, in unzähligen Bildwitzen, Comics und Illustrationen.

Stets vorne mit dabei: sein Sondermann.

Bernd Pfarrs Sondermann: Inbegriff deutscher Nüchternheit
Bernd Pfarr

Bernd Pfarrs Sondermann: Inbegriff deutscher Nüchternheit

Dabei schien Herr Sondermann so gar nicht dazu geschaffen, mit der Wirklichkeit Schindluder zu treiben - von Beruf Buchhalter, ein graues Männlein mit Hut, langweilig.

Es ist ein Scherz im Scherz, dass gerade Pfarrs 1987 für das Satireblatt "Titanic" ersonnene Figur, dieser Inbegriff deutscher Nüchternheit, in einer Welt voller Absurditäten lebte - jedoch ohne sich im geringsten darüber zu wundern.

Doch im Jahr 2004 riss es Herrn Sondermann zusammen mit seinem Schöpfer Bernd Pfarr heraus aus einer realitätsbefreiten Welt voller Negerradios, dynamitvernarrter Nachbarn und Treibsandsofas. Es war das Jahr, in dem die Frankfurter Buchmesse einen Namen - und ein Gesicht - für ihren neu auszulobenden Comicpreis suchte.

"Der Name für unseren Preis entstand während einer offenen Diskussionsrunde im Internet", erinnert sich Wolfgang Strzyz, einer der maßgeblich Verantwortlichen für den Comic-Bereich der Frankfurter Buchmesse. "Es gab vorher auch andere Vorschläge. Aber der Name Sondermann fand die größte Zustimmung."

Seitdem steckt ein wenig von beiden Seiten der Figur Sondermanns in dem Preis.

Zunächst das Buchhalterische: Der Preis orientiert sich an den Verkaufszahlen. Statt einer Jury entscheiden knapp 50 Buch- und Comicläden, indem sie ihre erfolgreichsten Comics des vergangenen Jahres angeben. Diese werden dann in einzelne Kategorien eingeteilt - und die jeweils drei Erfolgreichsten kommen in die Vorauswahl.

Deshalb passiert es, dass einzelne Titel Jahr für Jahr wieder in der Vorauswahl erscheinen. "Sondermann"-Mann Wolfgang Strzyz hält das für kein Problem: "Ich fände es falsch, jemanden für seinen Erfolg zu bestrafen. Der Sondermann ist ein Mainstream-Preis, kein Spezialisten-Preis".

Dann spiegelt der Preis aber auch das Bunte, Seltsame, Außergewöhnliche des Herrn Sondermann wider. Denn zur Wahl stehen jeweils drei Titel in fünf Kategorien: "Bester Comic International", "Beste Comic-Eigenpublikation (national)", "Bester Cartoon", "Bester Manga/ Manhwa International" und "Beste Manga-Eigenpublikation (national)".

Die einzige Bedingung für eine Teilnahme: Die Titel müssen zwischen dem 1. Juli des Vorjahres und dem 30. Juni des laufenden Jahres erschienen sein.

SPIEGEL ONLINE stellt in der kommenden Woche unter www.spiegel.de/sondermann2008 die nominierten Titel vor. Von Montag bis Freitag wird jeweils eine Kategorie ausführlich und mit Leseproben präsentiert. Die Nominierten finden sich auch bei allen anderen Medienpartnern: der Frankfurter Buchmesse, der "Frankfurter Rundschau" und dem Fanportal "Comicforum".

Die Wahl findet vom 8. bis 26. September 2008 statt. Teilnehmen kann man direkt auf der Frankfurter Buchmesse, mit dem Abstimmungsbogen in der "Frankfurter Rundschau" vom 10. September - und natürlich via Internet.

Dazu bietet SPIEGEL ONLINE eine eigene Online-Abstimmung an, die vom "Comicforum" entwickelt wurde. Die Wahl erfolgt anonym und erfordert keine Voranmeldung.

Zusätzlich zum Publikumspreis gibt es zwei weitere Preise, die nicht von den Lesern vergeben werden.

Der "Bernd-Pfarr-Sondermann für komische Kunst" soll das komische Erbe von Sondermann-Schöpfer Bernd Pfarr würdigen und geht an herausragende Cartoonisten. Und der "Sondermann Newcomer" soll auf ein besonderes frisches Talent in der deutschsprachigen Comicszene hinweisen.

Beide Preise vergibt eine Jury, der unter anderem Gabriele Roth-Pfarr, Bernd Pfarrs Witwe, angehört.

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