Göttliche Eingebungen Richter sprechen Jesus das Urheberrecht ab

In einem Buch will eine Frau Botschaften von Jesus festgehalten haben. Andere kupferten den angeblich göttlichen Text ab. Daraus entstand ein skurriler Rechtsstreit, den ein deutsches Gericht jetzt entschieden hat: Wer irre ist, kann trotzdem Urheber sein.

Jesus-Darstellung: Eingebungen vom Religionsgründer?
Corbis

Jesus-Darstellung: Eingebungen vom Religionsgründer?


Frankfurt/Main - Wer besitzt eigentlich das Copyright auf Einflüsterungen von Jesus? Jedenfalls nicht der gekreuzigte Religionsbegründer, wie das Oberlandesgericht in Frankfurt in einem skurrilen Urheberrechtsstreit jetzt entschieden hat - sondern der irdische Empfänger der göttlichen Botschaften.

Im konkreten Fall ging es um das Buch "A Course of Miracles" (Ein Kurs in Wundern) der US-amerikanischen Psychiatrie-Professorin Helen Schucman, das sie bereits 1975 veröffentlicht hatte. Die inzwischen verstorbene Frau hatte zu Lebzeiten behauptet, in "aktiven Wachträumen" Botschaften von Jesus erhalten und diese in dem Werk niedergeschrieben zu haben.

Das machte sich ein deutscher Verein zunutze: Er übernahm Passagen aus dem Buch mit der Begründung, dass Schucman ja selbst angegeben habe, nicht die Urheberin zu sein - sondern eben der Heiland. Der Verein argumentierte laut dem jetzt ergangenen Urteil, dass der Psychiaterin "bei der Entstehung der Schrift lediglich die Rolle einer Gehilfin oder Schreibkraft ohne jeden individuellen persönlichen Gestaltungsspielraum" zugekommen sei.

Dagegen wehrte sich jedoch die US-amerikanische "Foundation for Inner Peace", auf die die Rechte des fraglichen Buches mittlerweile übergegangen sind. Die Frankfurter Richter gaben der Stiftung nun Recht und bestätigten damit eine vorherige Entscheidung des Landgerichts: Jenseitige Inspirationen seien uneingeschränkt ihrem menschlichen Empfänger zuzurechnen, argumentierte das Oberlandesgericht. Für den Urheberschutz komme es demnach nur auf den tatsächlichen Schaffensvorgang an - somit könnten auch Geistesgestörte und Hypnotisierte also Urheber sein.

mxw/dpa



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insgesamt 68 Beiträge
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mr.feelgood 14.05.2014
1.
Das Urteil ist humorvoll. Seit wann aber werden literarische Erzeugnisse NICHT als geistiges Eigentum bzw. der Urheberschaft des Autoren zugemessen?
Anay2 14.05.2014
2. Witzig
Zitat von sysopCorbisIn einem Buch will eine Frau Botschaften von Jesus festgehalten haben. Andere kupferten den angeblich göttlichen Text ab. Daraus entstand ein skurriler Rechtsstreit, den ein deutsches Gericht jetzt entschieden hat: Wer irre ist, kann trotzdem Urheber sein. http://www.spiegel.de/kultur/literatur/copyright-jesus-nicht-der-urheber-in-a-course-of-miracles-a-969379.html
Witzig… mal schnell eine nicht ganz ernstgemeinte Antwort: Wie kann man denn argumentieren, dass, wenn "Gott" (hier: Christus) tatsächlich der Urheber sein sollte, das Werk keinen urheberrechtlichen Schutz genießt? Als Mensch mag Christus vielleicht einmal gelebt haben und gestorben sein, aber als Gott lebt er ja bekanntlich ewig – er schickt ja munter weiter Botschaften –, und das Copyright erlischt nun mal 70 Jahre nach dem Tod des Autors, im Falle Gottes also nie. ;)
Velociped 14.05.2014
3. Das Urteil ist falsch
Das Urteil ist falsch und Ausdruck einer zu weitgehenden Interpretation des Urheberrechts. Dabei braucht man gar nicht der Argumentation des jenseitigen Urhebers zu folgen. Die Frau hat das Buch verfasst und hat - obwohl Urheberin - klar gestellt, dass sie nicht als Urheberin auftreten möchte und daher auch keinen Anspruch stellt auf Rechte, die sich aus der Urheberschaft ergeben. Es kann niemand behaupten, die Texte seien nicht von einem selbst sondern von einer schon lange verstorbenen Person und dann Tantiemen beanspruchen. Mit der Angabe, der Text sei von einer lange verstorbenen Person wird konkludent auf alle Ansprüche aus dem Urheberrecht verzichtet.
middleline 14.05.2014
4.
Wie könnte jemand der nicht existiert das Urheberrecht an etwas haben ? Alternativ für diejenigen die noch keine Atheisten sind: Der Urknall müßte doch eigentlich das Urheberrecht an allem haben? Wenn der mal anfängt Tandiemen zu fordern....
hman2 14.05.2014
5. Vorsicht Falle!
Zitat von mr.feelgoodDas Urteil ist humorvoll. Seit wann aber werden literarische Erzeugnisse NICHT als geistiges Eigentum bzw. der Urheberschaft des Autoren zugemessen?
Als deutsches Gericht wird es wohl nach dem Urheberrecht geurteilt haben. So etwas gibt es in den USA aber gar nicht, dort hat man ein Copyright, und das ist nicht dasselbe. Urheberrechte kann man zum Beispiel nicht verkaufen, nicht aufgeben, überhaupt: nicht übertragen. Einzig nach dem Tod des Urhebers gehen sie vorübergehend (!) auf die Erben über. Ein Verein, eine Stiftung oder eine Firma kann niemals Urheber sein, das ist ausschließlich natürlichen Personen vergönnt. Das alles ist bei Copyright anders.
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