Cormac McCarthy "All die schönen Pferde"


John Grady Cole ist der letzte Spross einer texanischen Rancherfamilie. Als sein Großvater stirbt und die Ehe der Eltern in die Brüche geht, hält es den jungen Burschen nicht länger zu Hause. Mit seinem Freund Lacey Rawlins reitet er nach Mexiko. Jenseits des Rio Grande betreten die einsamen Cowboys ein Land von atemraubender Schönheit und einsamer Größe.

Es scheint das Land ihrer Träume zu sein, bevölkert von harten Männern, glutäugigen Frauen und rassigen Pferden. Tatsächlich aber handelt es sich um eine gottverlassene Gegend, in deren ernüchternder Realität die wilden Phantasien der Jugend auch schon einmal mit dem Leben bezahlt werden müssen.

Auf der Suche nach einer radikal freien Existenz wird die Geschichte von Cormac McCarthys Helden zum klassischen Abenteuer, das die beiden aus den Vorstellungen der Kindheit in die Brutalität des Erwachsenseins stößt.

"All die schönen Pferde", nach dem Roman "Verlorene" das zweite auf deutsch erschienene Werk des 1933 in Rhode Island geborenen McCarthy, ist zugleich eine wunderbare Liebesgeschichte, die sich noch einmal, ohne jede Peinlichkeit, die ganz großen Gesten der Leidenschaft und Entsagung erlaubt. Zugleich ist es ein Buch über den Verlust von Kindheit und Unschuld, den Verlust auch des großen, amerikanischen Traums der grenzenlosen Freiheit.

Eine ganz und gar zeitlose Westernballade, eine kunstvolle Parabel, geschrieben in einer außergewöhnlichen Mischung aus hartem Alltags-Slang (die ansonsten gelungene Übersetzung wirkt dabei gelegentlich etwas manieriert) und einem hymnisch-halluzinatorischen Stil - Sätze, die Leben geben und zugleich vom Tod handeln, so urteilte Saul Bellow über das Werk seines Kollegen.

McCarthy, der lange als Geheimtipp galt, hat mit diesem Roman in den USA einen Bestseller landen können. Die spannende Erzählung und der raffinierte Umgang mit Sentiment reißen auch jene Leser mit, die - welch Frevel - einfach nur eine gute Geschichte lesen wollen.

DER SPIEGEL Nr. 50/1993, 13.12.1993, Seite 183



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