"Adrian Mole"-Schöpferin Bestseller-Autorin Sue Townsend ist tot

Die fiktiven Tagebücher eines Teenagers in den Thatcher-Jahren machten sie berühmt: Mit den Romanen über Adrian Mole feierte Sue Townsend weit über ihre Heimat Großbritannien hinaus große Erfolge. Jetzt ist sie im Alter von 68 Jahren gestorben.

Sue Townsend: "Eine der witzigsten Frauen, die je gelebt haben"
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Sue Townsend: "Eine der witzigsten Frauen, die je gelebt haben"


London - Die britische Autorin Sue Townsend, die mit ihren Romanen über den Teenager Adrian Mole berühmt wurde, ist tot. Wie ihr Sohn in der Nacht zum Freitag der BBC bestätigte, starb Townsend nach kurzer Krankheit am Donnerstag im Alter von 68 Jahren.

Townsend, die 1946 in Leicester geboren wurde, fing mit 14 Jahren an zu schreiben. Ihr Debüt gab sie mit hochgelobten Theaterstücken, der Durchbruch gelang ihr 1982 mit "The Secret Diary of Adrian Mole aged 13 three quarters" ("Das Intimleben des Adrian Mole, 13 3/4 Jahre alt").

Der Auftakt der Buchserie verkaufte sich binnen drei Jahren fast zwei Millionen Mal und machte Mole zur erfolgreichsten britischen Schriftstellerin der achtziger Jahre. Sie erzählt darin den stumpfsinnigen Alltag des ungelenken Teenagers Adrian Mole - und porträtiert zugleich die Jahre unter Premierministerin Margaret Thatcher. Der letzte und achte Teil der Serie erschien 2009. Auf Grundlage der Bücher wurden drei TV-Serien gedreht.

Townsend wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf und heiratete mit 18 Jahren einen Metallarbeiter, mit dem sie innerhalb von vier Jahren drei Kinder bekam. Die Ehe endete nach sieben Jahren, als Alleinerziehende musste sich Townsend mit Aushilfsjobs, unter anderem als Tankwart, durchschlagen. Zudem war ihr Leben von vielen gesundheitlichen Problemen geprägt. Mit 23 Jahren hatte sie eine Bauchfellentzündung, in ihren Dreißigern einen Herzinfarkt, wegen schwerer Arthritis saß sie früh im Rollstuhl und wegen Diabetes schwand seit den achtziger Jahren ihr Augenlicht. 2009 überstand sie eine Nierentransplantation und 2012 einen Schlaganfall.

Durch den Erfolg der Adrian-Mole-Romane wurde Townsend später reich. Sie selber sagte jedoch, dass sie nie vergessen würde, wie es war, arm zu sein - und daran würden auch keine Massen an "Balsamico-Essig oder Prada-Handtaschen" etwas ändern können.

Weggefährten beschrieben sie als große und warmherzige Inspirationsquelle. "Sie war eine der witzigsten Frauen, die je gelebt haben", kommentierte die Autorin Caitlin Moran auf Twitter. Der Schauspieler Stephen Mangan, der Adrian Mole in einer der Fernsehadaptionen spielte, twitterte: "Sehr bestürzt über den Tod von Sue Townsend. Einer der warmherzigsten, lustigsten und weisesten Menschen, die ich je getroffen habe."

hpi/afp



insgesamt 4 Beiträge
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bambini 11.04.2014
1. Schade....
.... Man hätte sich von ihr noch mehr gewünscht. Adrian Mole ist immer noch eine völlig aktuelle Darstellung de Verhältnisse. Träume und Wirklichkeit.
pekanut 11.04.2014
2. Gerecht/Ungerecht
Der frühe Tod trifft immer die Falschen. Und ich finde es immer wieder tolll, dass es Leute schaffen, sich aus der Misere zu schreiben, wie diese Dame oder JK Rowling. Das ist nur gerecht
zursachet 11.04.2014
3. Tolle Schriftstellerin
Ruhe in Frieden, Sue! Was habe ich teilweise Tränen über Deinen Adrian gelacht. Und manchmal blieb mir dann das Lachen im Hals stecken. Grosse Kunst und viel Einfühlung.
judas-adolf 11.04.2014
4. Danke
God bless you, Sue. Danke für viele wundervolle Stunden und Tränen in den Augen vor Lachen.
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