Horror-Hörspiel: Spaziergang durchs Spukhaus

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Wer den Gruselfilm "Blair Witch Project" mochte, wird dieses Hörspiel lieben: Kai Schwind hat "Das Lufer Haus" im dokumentarischen Stil geschrieben - ohne Erzähler, ohne Musik, ohne Soundeffekte. Der reinste Horror.

Horror-Hörspiel: Spaziergang durchs Spukhaus Fotos
Uve Teschner/ Lauscherlounge

"Fünf Freunde", "TKKG" und "Die drei ???", aber auch "Paul Temple" und "Gestatten, mein Name ist Cox": Viele Hörspiel-Klassiker kommen mit Entspannungs-Garantie daher, was sie zur idealen Einschlaf-Hilfe macht, für Kinder ebenso wie für kindheitsnostalgische Erwachsene. Dieses nicht. "Das Lufer Haus" kommt mit Grusel-Garantie - und hat das Zeug zum neuen Klassiker. Im Bett hingegen hat es nichts verloren.

Kai Schwind hat ein Hörspiel geschrieben und inszeniert, das an den Horrorfilm "Blair Witch Project erinnert" - eine Mockumentary zum Hören. Die Ausgangslage: Im Städtchen Langacher in der Schweiz steht ein uraltes Bauernhaus, in dem es spuken soll; immer wieder haben Bewohner und Nachbarn von unerklärlichen Phänomenen berichtet. Am 18. August 2008 macht sich daher ein Forscherteam der Parapsychologischen Ambulanz der Uni Freiburg auf den Weg zum sogenannten "Lufer Haus". Vier Tage später sind alle Mitglieder verschwunden. Die Ermittler der Kantonspolizei haben keine Spur. Bis auf die verstörenden Tonaufnahmen, die das Forscherteam vor Ort angefertigt hatte - und die nun erstmals an die Öffentlichkeit gelangen.

Endlich mal wieder Experimente

Bislang hat Autor und Regisseur Schwind sich in der Hörspielszene einen Namen mit locker-leichten Stoffen gemacht: mit der "Ferienbande", einer Parodie auf die Jugendhörspiele der Achtziger Jahre, mit Dialogbüchern für die Serien "Team X-treme", "Die Alster-Detektive" und "TKKG". Nun hat er sich erstmals eines gruselig-ernsten Stoffs angenommen - mit Erfolg. Das düstere Hörspiel "Das Lufer Haus" ist ein Lichtblick auf dem deutschen Hörbuchmarkt, der dominiert ist von Roman- und Film-Adaptionen und abseits der öffentlich-rechtlichen Sender wenig Raum bietet für Experimente.

Schwind experimentiert gleich dreifach: Er verzichtet auf jegliche Soundeffekte und Stimmungsmusiken. Er verzichtet auf einen Erzähler und auch auf hörspiel-typische Dialoge, die dem Hörer visuelle Informationen übermitteln wollen, so aber in der Realität nie gesprochen würden (in der Art wie: "Da kommt ein Mann auf uns zu, der Mann hat eine Pistole!"). Er hat die Szenen nicht in einer neutralen Studio-Atmosphäre aufgenommen, sondern bei düsterem Oktoberwetter auf dem alten Landgut St. Michael in Prädikow, etwa eine Stunde entfernt von Berlin. Das macht den Sound besonders. Ähnlich wie beim Theater oder beim Film hat das Ensemble die meisten Szenen auf dem Landgut zusammenhängend geprobt - und dann in einem Rutsch durchgespielt.

Als Hörer vermittelt einem der dokumentarische Stil das Gefühl, man spaziere mit dem Forscherteam durch das Spukhaus. Gleichzeitig verlangt er einem höchste Aufmerksamkeit ab: Nicht immer ist klar, was gerade zu hören ist, nirgendwo gibt es ein dramaturgisches Geländer, an dem man sich festhalten könnte.

Und so ist "Das Lufer Haus" unglaublich authentisch. Glaubwürdiger Grusel.

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