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Trotz Rechtestreits: "Tagebuch der Anne Frank" frei abrufbar im Netz

Eines undatiertes Foto von Anne Frank: Jetzt steht ihr Tagebuch im Netz Zur Großansicht
AP

Eines undatiertes Foto von Anne Frank: Jetzt steht ihr Tagebuch im Netz

Zeugnis des Holocaust: Trotz eines Rechtestreits haben ein Universitätsdozent und eine Abgeordnete aus Frankreich das "Tagebuch der Anne Frank" frei im Internet veröffentlicht.

Der Informationswissenschaftler Olivier Ertzscheid von der Universität Nantes und die französische Grünen-Abgeordnete Isabelle Attard haben das "Tagebuch der Anne Frank" über ihre Internetseiten abrufbar gemacht. Sie stellten das Werk am Freitag im niederländischen Original ins Netz. Dabei verwiesen sie darauf, dass die Schutzfrist 70 Jahre nach dem Tod von Anne Frank im NS-Konzentrationslager Bergen-Belsen ausgelaufen sei.

"Bei diesem Text, diesem Zeugnis und was es darstellt (...) habe ich weiter die Überzeugung, dass es keinen anderen Kampf zu führen gilt als den seiner Befreiung", rechtfertigte der Dozent Ertzscheid in einem Vorwort die Publikation in seinem Blog. Es sei eine Würdigung dieses wichtigen Werkes, es ohne Beschränkungen zugänglich zu machen. Die Abgeordnete Attard erklärte: "Es lebe das 'Tagebuch der Anne Frank', es lebe die Urheberrechtsfreiheit", schrieb sie dazu.

Nach EU-Recht läuft die Schutzfrist beim Urheberrecht jeweils am 1. Januar nach dem 70. Todestag eines Autors aus. Der Anne Frank Fonds im schweizerischen Basel, der die Rechte an dem "Tagebuch" hält, hatte allerdings vorab im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP mit rechtlichen Schritten gedroht, sollte das "Tagebuch der Anne Frank" ohne Erlaubnis veröffentlicht werden.

Nach Ansicht des Fonds, der von Annes Vater Otto Frank gegründet wurde, handelt es sich bei dem "Tagebuch" um ein posthum veröffentlichtes Werk, bei dem eine 50-jährige Schutzfrist vom Zeitpunkt der Veröffentlichung an gelte. Da der vollständige Text erst 1986 veröffentlicht worden sei, sei er noch bis 2037 urheberrechtlich geschützt.

Die von Deutschland in die Niederlande ausgewanderte jüdische Familie Frank hatte sich seit 1942 in Amsterdam in einem Versteck aufgehalten, um den deutschen Besatzern zu entkommen. Während dieser Zeit bis zu ihrer Deportation schrieb die jugendliche Anne ihr Tagebuch, das nach dem Krieg entdeckt wurde. Ihr Vater Otto Frank, der Auschwitz überlebte und 1980 starb, veröffentlichte 1947 die Aufzeichnungen seiner Tochter, von denen er allerdings einige Seiten zerstörte.

Das "Tagebuch der Anne Frank" wurde inzwischen in 70 Sprachen übersetzt und mehr als 30 Millionen Mal verkauft.

cbu/AFP

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