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13. Dezember 2012, 10:58 Uhr

"Das Talglicht"

Ältestes Andersen-Märchen aufgetaucht

Ein vergilbtes Manuskript in einem dänischen Archiv hat sich als Sensationsfund entpuppt: "Das Talglicht" ist nach Einschätzung von Experten das früheste Märchen von Hans Christian Andersen. In dem Werk aus den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts erweckt der Dichter eine Kerze zum Leben.

Kopenhagen - 137 Jahre nach dem Tod des Dichters ist ein bisher unbekanntes Märchen von Hans Christian Andersen aufgetaucht. Nach Einschätzung des dänischen Historikers und Andersen-Experten Ejnar Stig Askgaard handelt es sich bei dem Werk mit dem Titel "Tællelyst", auf Deutsch "Das Talglicht", um das früheste bisher bekannte Märchen aus Andersens Feder.

Ein Wissenschaftler habe das Manuskript Anfang Oktober ganz unten in einer Kiste im Archiv der Insel Fünen in der Stadt Odense gefunden, sagte Askgaard der dänischen Zeitung "Politiken". Seither habe er die Arbeit zwei Monate lang ausgewertet und ist nun sicher: "Ich habe keinen Zweifel daran, dass es von Andersen geschrieben wurde." Zwei weitere Literaturwissenschaftler und Andersen-Kenner bestätigten die Einschätzung.

Askgaard spricht von einem "Sensationsfund": "Teils, weil es als Andersens erstes Märchen gesehen werden muss, teils weil es zeigt, dass er sich bereits als junger Mann für Märchen interessierte, bevor er den Schriftstellerberuf ergriff."

Bei dem Manuskript handelt es sich um eine auf vergilbtem Papier verfasste handschriftliche Kopie der Familie einer "Frau Bunkeflod", der das Märchen auch gewidmet ist. Die Vikarswitwe Bunkeflod war eine Vertraute des Autors in dessen Kindheit. Das Blatt wurde von der Vikarsfamilie an eine andere, mit den Andersens befreundete Familie geschickt. Im Nachlass dieser Familie Plum fand sich nun der im Vergleich zu Andersens späteren Märchen noch nicht sehr elegante Text.

Ungelenke Sprache

Die Experten, die sich bislang mit dem Manuskript beschäftigten, vermuten, dass der im Jahr 1805 geborene Schriftsteller das Märchen zum Ende seiner Schulzeit in der ersten Hälfte der zwanziger Jahre des 19. Jahrhunderts verfasste. Zu dieser Zeit besuchte Andersen die Lateinschule in der Provinzstadt Slagelse. Das bis dato älteste bekannte Werk des Autors stammt aus dem Jahr 1829.

Aus Sicht der Andersen-Experten sprechen nicht nur die Widmungen für die Echtheit des Werkes. Auch die ungelenke Sprache im "Talglicht" sei typisch für den jungen Andersen, ebenso wie die Tatsache, dass der Autor in seinem Märchen einen Gegenstand - in diesem Fall eine Kerze - zum Leben erweckt und die Themen Reichtum und Schönheit in den Mittelpunkt stellt.

Andersens bisher bekannte Märchen, Gedichte und Reiseberichte wurden in mehr als 120 Sprachen übersetzt, zu den berühmtesten zählen "Die Schneekönigin", "Das hässliche Entlein", "Des Kaisers neue Kleider", "Der standhafte Zinnsoldat" und "Die kleine Meerjungfrau" sowie "Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern".

syd/AFP

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