Roman "Das Ungeheuer" Terézia Mora erhält Deutschen Buchpreis

Die populärste Literaturauszeichnung des deutschsprachigen Raums geht an Terézia Mora. Die Schriftstellerin wird für den Roman "Das Ungeheuer" mit dem Deutschen Buchpreis 2013 geehrt.

DPA

Hamburg/Frankfurt am Main - Triumph für Terézia Mora: Sie erhält für ihren Roman "Das Ungeheuer" den Deutschen Buchpreis 2013. Das gab Gottfried Honnefelder, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, in Frankfurt am Main bekannt.

In der Begründung heißt es: "Als Schriftstellerin gelingt es Mora, zwei Charaktere, die sich im Leben verfehlten, und zwei Textformen miteinander in Verbindung zu setzen. Terézia Mora vereint hohes literarisches Formbewusstsein mit Einfühlungskraft. 'Das Ungeheuer' ist ein tief bewegender und zeitdiagnostischer Roman."

Mora erzählt in "Das Ungeheuer" die Geschichte des IT-Experten Darius Kopp, dem es nur langsam gelingt, den Selbstmord seiner Frau Flora zu verarbeiten. Formal ist der Roman in zwei Hälften getrennt: Auf jeder Buchseite teilt ein Strich die Geschichte Kopps und das, was an Tagebucheinträgen und Notizen an Flora erinnert.

"'Das Ungeheuer' ist ein stilistisch virtuoser, perspektivenreicher Nekrolog und eine lebendige Road-Novel aus dem heutigen Osteuropa", so die Buchpreis-Jury, "Terézia Mora findet eine radikale Form, der verstorbenen Flora und ihrem Leiden, das sie Darius nicht mitteilen konnte, eine Stimme zu geben. Ihre Tagebuchdatei ist parallel zur Reiseerzählung von Darius unter dem schwarzen Strich zu lesen, ein Mosaik autobiografischer und medizinischer Skizzen zur Depression."

Terézia Mora wurde 1971 in Ungarn geboren. Sie lebt seit 1990 in Berlin. Zu ihren Veröffentlichungen gehören weiterhin unter anderem die Romane "Alle Tage" und "Der einzige Mann auf dem Kontinent", erster Teil der Reihe um Darius Kopp, der Moras Lesern nun in "Das Ungeheuer" wiederbegegnet. Mora hat angekündigt, dem Buch einen dritten Band um Kopp folgen zu lassen.

Auf der sechs Titel umfassenden Shortlist standen außerdem Mirko Bonné mit "Nie mehr Nacht", dem Roman einer Familienkatastrophe, und Reinhard Jirgl mit dem avantgardistischen Science-Fiction-Kunstwerk "Nicht von euch auf Erden". Weiterhin nominiert waren Clemens Meyer mit "Im Stein",einem vielstimmigen Epos des Rotlichtgewerbes in Ostdeutschland, Marion Poschmann mit "Die Sonnenposition", einer lyrisch-kafkaesken Anstaltsphantasie sowie Monika Zeiner mit "Die Ordnung der Sterne über Como", einer Geschichte von Liebe, Freundschaft und Tod.

Der Preis für den besten deutschsprachigen Roman des Jahres ist mit insgesamt 37.500 Euro dotiert. Der Sieger erhält 25.000 Euro. Die siebenköpfige Jury aus Literaturkritikern hat insgesamt 201 neue Romane von Verlagen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz gesichtet. Eine erste Longlist aus 20 Titeln wurde im September auf sechs Titel reduziert. Die Vergabe des Preises findet seit 2005 am Vorabend der Eröffnung der Frankfurter Buchmesse statt.

2012 erhielt Ursula Krechel die Auszeichnung für ihren Nachkriegsroman "Landgericht".

sha

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insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
RobertFischer 07.10.2013
1. Gratulation
Herzlichen Glückwunsch –*das hat auf jeden Fall die richtige Autorin getroffen: eine, die seit Jahren konsequent Ihren Weg geht, ohne es sich und ihren LeserInnen zu leicht zu machen (und die zum Glück auch einen Verlag an ihrer Seite hat, der sie dabei unterstützt).
atzlan 07.10.2013
2. 1zigartige=Dystopie
Schade, ich hätte es Reinhard Jirgl mit „Nichts von Euch auf Erden“ gewünscht, den Preis zu bekommen. Aber ein derart anspruchsvoller, schwierig zu lesender, politischer und gesellschaftskritischer Roman war wohl aus Sicht der Jury dem deutschen Leser als Gewinner nicht zuzumuten…
tdizz 07.10.2013
3.
"Ihre Tagebuchdatei ist parallel zur Reiseerzählung von Darius unter dem schwarzen Strich zu lesen, ein Mosaik autobiografischer und medizinischer Skizzen zur Depression." Von genau diesem S*****ß braucht die deutsche Literatur noch mehr! Warum gibt es hier nur "Künstler" und Bastei-Lübbe, und alles dazwischen wird durch amerikanischen Import abgedeckt? Eine interessante Geschichte entwickeln, lebendige Charaktere, treffenden Dialog: das rechte Handwerk beherrscht in der deutschen Literatur keiner.
herr_wurst 07.10.2013
4. Da sagen Sie was
Zitat von tdizz"Ihre Tagebuchdatei ist parallel zur Reiseerzählung von Darius unter dem schwarzen Strich zu lesen, ein Mosaik autobiografischer und medizinischer Skizzen zur Depression." Von genau diesem S*****ß braucht die deutsche Literatur noch mehr! Warum gibt es hier nur "Künstler" und Bastei-Lübbe, und alles dazwischen wird durch amerikanischen Import abgedeckt? Eine interessante Geschichte entwickeln, lebendige Charaktere, treffenden Dialog: das rechte Handwerk beherrscht in der deutschen Literatur keiner.
Da sagen Sie was und haben durchaus Recht. So sehr ich Therezia Moras Sprachkunst schätze ist der von Ihnen geschuldete Missstand, meiner Meinung nach, der künstlichen Trennung von E- und U-Kultur geschuldet - ist es nicht schmerzfrei und anstrengend zu lesen, ist es Schund. Aber genau in der Mitte operieren die erfolgreichen amerikanischen Autoren. Um es mit Hugo von Hofmannsthal zu sagen: "Das Tiefe muss man verstecken - wo? An der Oberfläche!" Und das können die großen Amerikaner in ihrer lakonischen Sprachkunst meisterhaft (Raymond Carver, Alice Munro, James Salter...). Oder auch, die Kombination aus "E" und "U" ist EU, griechisch für "gut".
atzlan 07.10.2013
5. Empfehlung
Zitat von tdizz"Ihre Tagebuchdatei ist parallel zur Reiseerzählung von Darius unter dem schwarzen Strich zu lesen, ein Mosaik autobiografischer und medizinischer Skizzen zur Depression." Von genau diesem S*****ß braucht die deutsche Literatur noch mehr! Warum gibt es hier nur "Künstler" und Bastei-Lübbe, und alles dazwischen wird durch amerikanischen Import abgedeckt? Eine interessante Geschichte entwickeln, lebendige Charaktere, treffenden Dialog: das rechte Handwerk beherrscht in der deutschen Literatur keiner.
Lesen Sie mal Frank Schätzings "Limit" oder der "Schwarm"! Hochspannende und interessante Geschichten mit einer Vielzahl lebendiger Charaktere erwarten Sie und das alles weder künstlerisch verschwurbelt noch niveaulos im Bastei-Lübbe-Stil.
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