DDR-Bestseller Schriftsteller Dieter Noll ist tot

Sein autobiographisches Hauptwerk "Die Abenteuer des Werner Holt" wurde über zwei Millionen Mal verkauft: Dieter Noll gehörte zu den bekanntesten - und linientreuesten - Schriftstellern der DDR. Nun ist er im Alter von 80 Jahren gestorben.


Halle - Dieter Noll wurde am 31. Dezember 1927 als Sohn eines Apothekers in Riesa geboren. Kurz vor Kriegsende wurde er als Luftwaffenhelfer eingezogen und nahm als Soldat der Wehrmacht am Zweiten Weltkrieg teil. Anschließend geriet er in amerikanische Gefangenschaft. Von 1945 bis 1950 studierte Noll dann in Jena Germanistik, Kunstgeschichte und Philosophie.

In seinem zweiteiligen Hauptwerk "Die Abenteuer des Werner Holt" (1960 und 1963) schilderte der Schriftsteller die komplizierte Entwicklung eines einstigen Wehrmachtsoldaten zum Anhänger des Sozialismus. Der ganz offensichtlich autobiographische Roman über das Kriegs- und Nachkriegsschicksal des Helden wurde laut Angaben des Berliner Aufbau Verlags weltweit mehr als zwei Millionen Mal verkauft. Das Buch wurde von der Defa verfilmt und gehörte in der DDR zur Schullektüre. Viel Anerkennung fand auch sein Roman "Kippenberg" von 1979.

Noll galt als einer der staatsnahen Autoren der DDR. Er war Mitarbeiter der Zeitung "Neues Deutschland", ab 1956 freiberuflicher Schriftsteller und übte nebenbei als stellvertretender Vorsitzender des DDR-Schriftstellerverbands großen Einfluss auf die Literatenszene aus.

Ein Beispiel seiner Linientreue lieferte er im Mai 1979 mit seinem "offenen Brief" an den DDR-Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker, in dem er - als Reaktion auf die Proteste vieler Literaten gegen die Ausweisung Wolf Biermanns - seine Schriftstellerkollegen Stefan Heym, Joachim Seyppel und Rolf Schneider "kaputte Typen" nannte, die mit dem "Klassenfeind kooperieren, um sich eine billige Geltung zu verschaffen". Heym, Seyppel und Schneider wurden daraufhin aus dem Schriftstellerverband ausgeschlossen.

Dieter Noll starb in der Nacht zum Mittwoch in seinem Wohnort Zeuthen bei Berlin.

bor/AP



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