Dekorative Bestseller Die ungelesenen Geschichten

Literatur wird geschrieben, um gelesen zu werden. Aber sie sieht auch ungelesen toll im Regal aus. Eine britische Studie hat herausgefunden, welche Bücher am liebsten angefangen und nie zu Ende gelesen werden.


London - "Ulysses", "Krieg und Frieden" oder "Die satanischen Verse" sind unbestritten Klassiker der Literaturgeschichte. fragt man aber jemand, ob er eines der Werke gelesen hat, kommt meistens die Antwort: "Ich hab es mal angefangen".

Autor DBC Pierre mit seinem Buch "Vernon Good Little" (deutscher Titel: "Jesus von Texas") : Der Bestseller, den keiner las
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Autor DBC Pierre mit seinem Buch "Vernon Good Little" (deutscher Titel: "Jesus von Texas") : Der Bestseller, den keiner las

Eine heute veröffentlichte Studie von "Teletext Reading Report", für die 4000 Briten befragt wurden, kam zu dem Ergebnis, dass über die Hälfte der Engländer ihre Bücher ausschließlich zu Dekorationszwecken kaufen. Und wenn aber tatsächlich mal ein Buch aufgeschlagen würde, hielten die meisten die Lektüre nicht bis zum Ende durch fand die Untersuchung heraus.

Die höchste "Abbrecherquote" erreichte dabei das vielfach preisgekrönte Debüt "Vernon God Little" (deutsch: "Jesus von Texas") des amerikanischen Autors DBC Pierre, dicht gefolgt von "Harry Potter und der Feuerkelch" von Joanne K. Rowling. Fast jeder dritte Leser bleibe bei dem Bestseller auf der Strecke.

Im Bereich Sachbuch ist die Autobiografie des ehemaligen Innenministers David Blunkett, "The Blunkett Tapes", an vorderster Stelle der nicht gelesenen Bücher. Platz zwei geht an die mehr als tausendseitige Autobiografie "Mein Leben" von Bill Clinton. Auch die Lebensgeschichte von Fußballstar David Beckham wurde gerne von 27 Prozent der Leser aus der Hand gelegt. Damit landet die am schnellsten verkaufte Biografie des Königreichs auf Platz drei.

Mangelnde Literarität ist dabei, auch wenn man das vermuten könnte, gar nicht der ausschlaggebende Punkt für den Abbruch eines Buches. Das ungenügende Leseverhalten der Briten sei vielmehr ein Auswuchs des digitalen Zeitalters, vermutet die Studie. Die Aufmersamkeits-Spannen der Rezipienten werde immer kürzer, vier von zehn Befragten können sich nicht mehr auf lange Geschichten konzentrieren. Außerdem fänden die Meisten keine Zeit mehr, sich einem Buch zu widmen. 48 Prozent seien meist zu müde zum Lesen, 46 Prozent schauten lieber Fernsehen. Den Eskapismus via Computerspiel nutzen immerhin schon 26 Prozent der Briten. Immerhin lässt sich der Insulaner seine Dekoration etwas kosten: Durchschnittlich gibt er in seinem Leben rund 6000 Euro für Bücher aus.

Hier die Liste der von den Briten verschmähten Druckwerke:

Romane:

01. Jesus von Texas - DBC Pierre
02. Harry Potter und der Feuerkelch - JK Rowling
03. Ulysses - James Joyce
04. Corellis Mandoline - Louis De Bernieres
05. Der Wolkenatlas - David Mitchell
06. Die Satanischen Verse - Salman Rushdie
07. Der Alchemist - Paul Coelho
08. Krieg und Frieden - Leo Tolstoi
09. Der Gott der kleinen Dinge - Arundhati Roy
10. Schuld und Sühne - Fjodor Dostojewski

Sachbücher:

01. The Blunkett Tapes - David Blunkett
02. Mein Leben - Bill Clinton
03. Mein Leben - David Beckham
04. Hier steht was alle suchen - Eats, Shoots and Leaves - Bärenstark in Zeichensetzung. Englische & deutsche Interpunktion - Lynne Truss
05. Wilde Schwäne - Jung Chang
06. Endlich Nichtraucher - Allen Carr
07. Downing Street Nr.10 - Die Erinnerungen - Margaret Thatcher
08. Ich mach dich schlank - Paul McKenna
09. Jade: My Autobiography - Jade Goody
10. Why don't penguins' feet freeze? And 114 Other questions - Mick OHare

hae/AFP



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