Panne beim Verkauf von "Der Papyrus des Cäsar" AsterixLeaks

Um einen PR-Krieg zwischen Römern und Galliern soll es gehen im neuesten "Asterix"-Band - mit einer Figur, die an Julian Assange erinnert. Passend zum Whistleblower hat jetzt ein Münchner Buchladen "Der Papyrus des Cäsar" schon vorab verkauft.

Cover von "Der Papyrus des Cäsar": Vorläufige Auflage von vier Millionen Stück
DPA/ Les Editions Albert René

Cover von "Der Papyrus des Cäsar": Vorläufige Auflage von vier Millionen Stück


Um einen gewissen Polemix soll es gehen im 36. Abenteuer von Asterix und Obelix, einen Journalisten, der dem politischen Aktivisten Julian Assange nachempfunden ist. Am kommenden Donnerstag sollte "Der Papyrus des Caesar" in den Buchläden liegen. Durch ein Versehen konnte man den Band allerdings in München schon vorher kaufen.

Dort erstand ein Journalist in einem Buchladen für zwölf Euro die Hardcover-Version der Ausgabe. Er verbreitete den seltenen Fang über seinen Twitter-Account, verbunden mit der Frage: "Erster?" Später folgten Details aus dem neuen Comic.

Wie es zu der Panne kommen konnte, war zunächst noch unklar. "Der Band darf nicht vor dem 22.10. im Handel stehen, jeder Buchhändler hat eine Geheimhaltungserklärung unterzeichnen müssen", erklärte dazu eine Sprecherin von Egmont Ehapa, der "Asterix" verlegt. "Es handelt sich hierbei aber um einen Einzelfall, den wir gerade prüfen."

Außer der an Julian Assange angelehnten Figur soll es in dem Band auch um Information als Waffe in Kriegszeiten gehen. Inspiriert von der Schrift "Der Gallische Krieg", die aus Cäsars Sicht dessen Feldzüge in Gallien beschreibt, schafft das Heft eine Art Spindoktor der Antike: Die Figur Syndicus (im französischen Original: Bonus Promoplus) hält als Kommunikationsberater des römischen Herrschers die Fäden in der Hand.

Die vorläufige Auflage des neuen Comic-Bandes, den der Autor Jean-Yves Ferri gemeinsam mit dem Zeichner Didier Conrad herausbringt, beträgt vier Millionen Stück - in 20 verschiedenen Sprachen und Dialekten. Die nach Angaben des Verlages mit insgesamt rund 365 Millionen Exemplaren meistverkaufte Comic-Reihe der Welt bemüht sich dabei, im 56. Jahr thematisch auf der Höhe der Zeit zu bleiben.

eth/dpa



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chrips 20.10.2015
1.
netter PR Gag :-)
janix_ 20.10.2015
2. Die spinnen, die ...
Journalisten, sich so vor den PR-Karren spannen zu lassen - und das schreibt ein Asterix-Fan.
Thomas Schnitzer 20.10.2015
3.
Wie praktisch, dass es ein Informationsleck bei einer Story gibt, die sich um Informationslecks dreht... nun ja. Aber schlimmer als der letzte Band kann es gar nicht werden. Ich werde den Band aber trotzdem kaufen, weil ich wie Cäsar "ganz Gallien" haben will...
Datenscheich 20.10.2015
4. Schon lange tot
Haben Sie nicht mitbekommen, daß Asterix & Obelix et al schon lange tot sind? Was da veröffenrlicht wird - mit dem Ansatz "thematisch auf der Höhe der Zeit zu bleiben" - ist reine Leichenfledderei... die von der hohen Drehzahl bestätigt wird, mit der sich René Goscinny seit 1977 in seinem Grab dreht.
münchen1975 20.10.2015
5. Wikilix
Zitat von Thomas SchnitzerWie praktisch, dass es ein Informationsleck bei einer Story gibt, die sich um Informationslecks dreht... nun ja. Aber schlimmer als der letzte Band kann es gar nicht werden. Ich werde den Band aber trotzdem kaufen, weil ich wie Cäsar "ganz Gallien" haben will...
Naja, die schlimmsten Bände sind doch wohl eher die drei letzten, die Uderzo im Alleingang verfaßt hat ("Obelix auf Kreuzfahrt", "Asterix und Latraviata" und ganz besonders "Gallien in Gefahr"). Von dem komischen Jubiläumsband "Asterix und Obelix feiern Geburtstag" ganz zu schweigen. Da las man "Asterix bei den Pikten" geradezu mit Erleichterung. Didier Conrad ist ein großartiger Zeichner, der sich geradezu chamäleonhaft an jeden Zeichenstil anpassen kann, was gerade beim Uderzo-Stil, der von Nachwuchszeichnern verhältnismäßig ungern zum Vorbild genommen wird, besonders wichtig ist. Szenarist Jean-Yves Ferri dagegen ist zwar mit dem unerreichbaren Goscinny leider nicht zu vergleichen, schlägt aber zumindest Uderzo in dieser Hinsicht um Längen. Was Conrad angeht, mach' ich mir daher keine Sorgen. Bzgl. Ferri bin ich bin allerdings gespannt, ob es ihm gelungen ist, sich erzählerisch weiterzuentwickeln, und über gute Ansätze und nette Wortspielereien hinauszukommen. :-) P.S.: In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung deutete Ferri an, vielleicht einmal einen Band mit Asterix in Germanien machen zu wollen. "Asterix und die Goten", in dem Goscinny und Uderzo 1963 das vom Kaiserreich und vom Dritten Reich geprägte Deutschenbild verwurstet hatten, werde nach über 50 Jahren dem heutigen Deutschland ja kaum mehr gerecht ...
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