DDR-Aussteigerroman "Kruso" Lutz Seiler erhält Deutschen Buchpreis

Die populärste Literaturauszeichnung des deutschsprachigen Raums geht an Lutz Seiler. Der Schriftsteller wird für den Roman "Kruso" mit dem Deutschen Buchpreis 2014 geehrt.

Lutz Seiler in Frankfurt: "Ins Magische spielende Sprache"
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Lutz Seiler in Frankfurt: "Ins Magische spielende Sprache"


Hamburg/Frankfurt am Main - Man konnte es als Hinweis verstehen: Allein das sprachliche Vermögen habe bei der Entscheidung gezählt, sagte die Jury-Vorsitzende Wiebke Porombka beim Festakt zur Verleihung des Deutschen Buchpreises in Frankfurt am Main. Kurz darauf gab Heinrich Riethmüller, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, den Gewinner bekannt. Es war, wie nicht anders zu erwarten, Lutz Seiler. Er hat mit "Kruso" die atmosphärisch ungewöhnlich dichte Geschichte junger DDR-Aussteiger auf der Insel Hiddensee verfasst.

In der Begründung heißt es, Lutz Seiler beschreibe in einer lyrischen, sinnlichen, ins Magische spielenden Sprache den Sommer des Jahres 1989 auf der Insel Hiddensee. Man dürfe die packende Robinsonade um den titelgebenden Kruso und den jungen Abwäscher Edgar als wortgewaltige Geschichte eines persönlichen und historischen Schiffbruchs lesen - und als Entwicklungsroman eines Dichters. "Lutz Seilers erster Roman überzeugt durch seine vollkommen eigenständige poetische Sprache, seine sinnliche Intensität und Welthaltigkeit", so die Jury.

Lutz Seiler wurde 1963 im thüringischen Gera geboren. Er lebt in Wilhelmshorst bei Berlin und in Stockholm. Nach einer Lehre als Baufacharbeiter arbeitete er als Zimmermann und Maurer. 1990 schloß er ein Studium der Germanistik ab, seit 1997 leitet er das Literaturprogramm im Peter-Huchel-Haus. Für unter anderem den Ingeborg-Bachmann-Preis.

Auf der sechs Titel umfassenden Shortlist standen außerdem Angelika Klüssendorf mit "April", Gertrud Leutenegger mit "Panischer Frühling", Thomas Hettche mit "Pfaueninsel", Thomas Melle mit "3000 Euro" sowie Heinrich Steinfest mit "Der Allesforscher."

Der Preis für den besten deutschsprachigen Roman des Jahres ist mit insgesamt 37.500 Euro dotiert. Der Sieger erhält 25.000 Euro. Eine erste Longlist aus 20 Titeln wurde im September auf sechs Titel reduziert. Die Vergabe der Auszeichnung findet seit 2005 am Vorabend der Eröffnung der Frankfurter Buchmesse statt.

Im Jahr 2013 erhielt Terézia Mora den Preis für ihren Roman "Das Ungeheuer". 2012 wurde Ursula Krechel für den Nachkriegsroman "Landgericht" ausgezeichnet.

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sha

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Newspeak 07.10.2014
1. ...
Müssen (deutsche) Buchpreise eigentlich immer an Romane vergeben werden, die sich an irgendeinem politischen System abarbeiten, am Besten noch als großes Familienepos und über Jahrzehnte und Generationen? Gibt es keine preiswürdige Prosa, die nicht so schrecklich konventionell und politisch korrekt daherkommt? Die sich nicht darin erschöpft, Lebenslinien von prototypischen Figuren nachzuzeichnen, fast wie in einer Telenovela? Wieso gibt man dann den Preis nicht gleich an den Bundespräsidenten für sein Freiheitspamphlet? Deutschland ist ein Langweilerstaat jenseits aller Vorstellungen.
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