Roman-Auszeichnung Robert Menasse erhält den Deutschen Buchpreis

"Die Hauptstadt" ist der deutschsprachige Roman des Jahres - zumindest nach Ansicht der Jury für den Deutschen Buchpreis, der im Vorfeld der Buchmesse im Frankfurter Römer an Robert Menasse verliehen wurde.

Preisträger Robert Menasse
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Preisträger Robert Menasse


Robert Menasse erhält den Deutschen Buchpreis für seinen EU-Roman "Die Hauptstadt" (Suhrkamp, 459 Seiten, 24 Euro. Lesen Sie hier eine Rezension). Der österreichische Autor, so verschnupft wie gerührt, dankte der Jury und nannte den Prozess der europäischen Einigung "den entscheidenden in unserer Lebenszeit".

Mit "Die Hauptstadt" sei der Anspruch verwirklicht, den Robert Menasse an sich selbst gestellt habe, so die Jury in ihrer Begründung: "Zeitgenossenschaft ist darin literarisch so realisiert, dass sich Zeitgenossen im Werk wiedererkennen und Nachgeborene diese Zeit besser verstehen werden."

In dem Roman steht eine hohe EU-Beamtin vor der Aufgabe, das Image der Kommission aufpolieren zu sollen. Dass dies ausgerechnet in Auschwitz gelingen soll, ist eine der zahlreichen kuriosen Wendungen in diesem Roman über die Brüsseler Bürokratie und ihre Auswüchse. Menasse nannte die europäischen Institutionen in seiner Dankesrede "manchmal sehr schrullig, aber manchmal auch sehr tapfer".

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Robert Menasse:
Die Hauptstadt

Suhrkamp; 459 Seiten; gebunden; 24,00 Euro

Robert Menasse wurde 1954 in Wien geboren, sein Vater war 1938 vor den Nationalsozialisten aus Österreich geflohen und erst nach Kriegsende zurückgekehrt. Der literarische Durchbruch gelang Robert Menasse 1995 mit dem Roman "Schubumkehr". Immer wieder äußert sich Menasse aber auch in Essays und Vorträgen zu politischen Fragen. Gemeinsam mit der Politologin Ulrike Guérot entwarf er 2013 ein "Manifest für die Begründung einer Europäischen Republik".

Mit "Die Hauptstadt" hat die Buchpreis-Jury einen Roman ausgewählt, der es bereits ohne den Rückenwind des Preises auf die Bestsellerliste geschafft hat. Zuletzt hatte die Piper-Verlegerin Felicitas von Lovenberg im "Handelsblatt" moniert, es würden beim Buchpreis "oft vor allem schwergängige Werke nominiert".

Der Deutsche Buchpreis, 2005 erstmals vergeben, gilt als wichtigste Auszeichnung der Branche. Er wird vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels vergeben. Der Sieger erhält 25.000 Euro, in der Regel ist dem ausgezeichneten Buch aber auch ein Platz auf den Bestsellerlisten sicher. Die übrigen fünf Autoren (Gerhard Falkner, Franzobel, Thomas Lehr, Marion Poschmann und Sasha Marianna Salzmann) bekommen jeweils 2500 Euro.

Die Jury hatte aus 200 Romanen zunächst 20 auf die Longlist gesetzt. Dann wurde die Liste auf eine sechs Titel umfassende Shortlist verkürzt. Im vergangenen Jahr hatte Bodo Kirchhoff mit seinem Roman "Widerfahrnis" den Preis gewonnen.

feb/dpa

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