Roman des Jahres Inger-Maria Mahlke gewinnt den Deutschen Buchpreis

"Archipel" ist der deutschsprachige Roman des Jahres. Das hat die Jury für den Deutschen Buchpreis in Frankfurt verkündet. Inger-Maria Mahlke erzählt darin eine Familiengeschichte aus Teneriffa.

Inger-Maria Mahlke
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Inger-Maria Mahlke


Kurz vor dem Auftakt der Buchmesse wurde im Frankfurter Römer der Deutsche Buchpreis verliehen: an Inger-Maria Mahlke für den Roman "Archipel". Die 1977 in Hamburg geborene Autorin erzählt darin Geschichten von der spanischen Insel Teneriffa. "Archipel" ist Mahlkes vierter Roman, 2015 hatte sie mit "Wie ihr wollt" schon einmal in der engeren Auswahl für den Buchpreis gestanden.

In "Archipel" lässt Inger-Maria Mahlke die Ereignisse auf der Kanareninsel Teneriffa bis zurück ins Jahr 1919 Revue passieren - die erzählerische Besonderheit dabei: Sie präsentiert sie rückwärts, also von der Gegenwart immer tiefer hinein in die Vergangenheit. (Lesen Sie hier eine Rezension des Romans.) Als Kind hat Inger-Maria Mahlke ihre Ferien oft bei ihrer Großmutter auf Teneriffa verbracht, eine andere Welt als das "Vorortdeutschland", in dem sie aufgewachsen sei.

Mit dem Deutschen Buchpreis zeichnet die Stiftung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels jährlich den deutschsprachigen "Roman des Jahres" aus. Sieben von Jahr zu Jahr wechselnde Juroren wählen unter den von den Verlagen eingereichten Büchern zunächst 20 für die Longlist aus, von denen sechs auf der Shortlist übrig bleiben. Der Preisträger erhält 25.000 Euro, die übrigen fünf Autoren der Shortlist erhalten jeweils 2500 Euro.

Der Unterschied zwischen Büchern und Joghurt

Der prämierte "Roman des Jahres" ist beim Rowohlt-Verlag erschienen, um den es in jüngerer Zeit Turbulenzen gab: Florian Illies wurde als künftiger Verleger bekanntgegeben, seine Vorgängerin Barbara Laugwitz unter unklaren Umständen geschasst. Mehrere Autorinnen und Autoren des Verlags hatten Laugwitz ihre Solidarität ausgesprochen. Daran schloss nun auch Mahlke in ihrer Dankesrede an.

Sie dankte ausdrücklich Barbara Laugwitz für ihren Einsatz und für ihr Wissen um die sehr fragilen Prozesse des Autorenlebens und der künstlerischen Produktion. (Erfahren Sie im Porträt mehr über Mahlkes Arbeitsweise) Es sei ein Unterschied, ob man Bücher oder Joghurt verkaufe, so Mahlke in ihrer kurzen Rede. Literatur biete "existenzielle Erfahrungen" - auch wenn inzwischen jeder zweite Joghurt so beworben werde, sei das doch eine Domäne der Kunst.

Auf der Shortlist von sechs Büchern waren erstmals in der Geschichte des Deutschen Buchpreises, der 2005 eingeführt wurde, die Autorinnen in der Überzahl, nur zwei Schriftsteller männlichen Geschlechts hatten es unter die letzten Sechs geschafft. Die unterlegenen Shortlist-Titel: María Cecilia Barbetta mit "Nachtleuchten" (hier eine Rezension), Maxim Biller mit "Sechs Koffer" (hier eine Rezension), Nino Haratischwili mit "Die Katze und der General" (hier ein Autorinneninterview), Susanne Röckel mit "Der Vogelgott" und Stephan Thome mit "Gott der Barbaren" (hier eine Rezension).

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Deutscher Buchpreis: Vier Autorinnen, zwei Autoren auf der Shortlist

Auf der Insel Teneriffa verdichte sich die Kolonialgeschichte und die Geschichte der europäischen Diktaturen im 20. Jahrhundert, begründete die Jury ihre Auswahl: "Inger-Maria Mahlke erzählt auf genaue und stimmige Weise von der Gegenwart bis zurück ins Jahr 1919. Im Zentrum stehen drei Familien aus unterschiedlichen sozialen Klassen, in denen die Geschichte Spaniens Brüche und Wunden hinterlässt."

Vor allem seien es die schillernden Details, die diesen Roman zu einem eindrücklichen Ereignis machten, so die Jury: "Das Alltagsleben, eine beschädigte Landschaft, aber auch das Licht werden in der Sprache sinnlich erfahrbar. Faszinierend ist der Blick der Autorin für die feinen Verästelungen in familiären und sozialen Beziehungen."

Zur Jury zählten 2018 Christoph Bartmann (Leiter des Goethe-Instituts Warschau), Luzia Braun (beim ZDF redaktionell zuständig für "Das literarische Quartett"), Tanja Graf (Leiterin des Literaturhauses München), Paul Jandl (Literaturkritiker der "Neuen Zürcher Zeitung"), Uwe Kalkowski (Betreiber des Literaturblogs "Kaffeehaussitzer"), Marianne Sax (Buchhändlerin in Frauenfeld, Schweiz) und als Jurysprecherin Christine Lötscher (freie Kritikerin und Kulturwissenschaftlerin, derzeit an der FU Berlin).

Im Video: Inger-Maria Mahlke über ihren Roman Archipel

DER SPIEGEL
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Zur Frankfurter Buchmesse: 30-mal Literatur im Herbst

Im Vorjahr wurde der Österreicher Robert Menasse für seinen EU-Institutionen-Roman "Die Hauptstadt" mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet.

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insgesamt 2 Beiträge
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sungawakan1969 08.10.2018
1. Mich
hat der Roman leider nicht gepackt. Ich habe mir das Buch gekauft, weil mich das Thema Teneriffa aus persönlichen Gründen interessiert. Allerdings komme ich nicht über die ersten dreißig Seiten hinaus, da die Geschichte total uninspiriert erzählt wird. Vielleicht nehme ich das Buch bei meinem nächsten Kanaren-Urlaub noch einmal in die Hand und gebe ihm dann noch eine zweite Chance.
guenter.pochylski 08.10.2018
2. Bravo
Ich habe das Buch noch nicht gelesen. Was mich so freut : Biller mit seinen Koffern kann nun reisen, weit, weit weg.
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