Kultur

Anzeige

Shortlist für Literaturauszeichnung

Für einen dieser sechs Romane gibt's den Deutschen Buchpreis

Welches ist der deutschsprachige Roman des Jahres? Sechs Bücher sind noch im Rennen um den Deutschen Buchpreis, darunter vier von Autorinnen geschriebene. Auch Maxim Biller ist noch in der Auswahl.

Marcus Höhn

Buchpreis-Kandidatin: Maria Cecilia Barbetta

Dienstag, 11.09.2018   10:08 Uhr

Anzeige

Die Jury des Deutschen Buchpreises hat in Frankfurt am Main ihre Shortlist bekannt gegeben. Die sechs nominierten Romane (in alphabetischer Reihenfolge):

Damit sind zum ersten Mal in der Geschichte des Deutschen Buchpreises, der 2005 eingeführt wurde, die Autorinnen auf der Shortlist in der Überzahl, nur zwei Schriftsteller männlichen Geschlechts haben es unter die letzten Sechs geschafft. Schon auf der Longlist hatten die Autorinnen überwogen.

Anzeige

Mit Inger-Maria Mahlke (2015 mit "Wie ihr wollt") und Stephan Thome (2009 mit "Grenzgang" und 2012 mit "Fliehkräfte") wissen zwei der Kandidaten, wie es sich anfühlt, im Frankfurter Römer darauf zu hoffen, als Preisträger ausgerufen zu werden. Nino Haratischwili stand 2010 mit "Juja" immerhin schon einmal auf der Longlist. Mit Arno Geiger hat es der einzige frühere Buchpreisträger der Longlist (er gewann 2005 mit "Es geht uns gut") nicht in die engere Auswahl geschafft.

Die Altersspanne reicht von der 35-jährigen Haratischwili bis zu der 65-jährigen Susanne Röckel, mit einer Ballung bei den in den Siebzigern Geborenen: María-Cecilia Barbetta und Thome sind Jahrgang 1972, Mahlke 1977. Maxim Biller ist mit 58 Jahren und nach zahlreichen, kontrovers diskutierten Veröffentlichungen Buchpreis-Debütant.

Anzeige

Auffällig ist ein thematischer Schwerpunkt von Geschichten, die außerhalb Deutschlands spielen. Mahlkes Roman erzählt die Geschichte Teneriffas, die in Buenos Aires geborene Barbetta hat den Vorabend der argentinischen Militärdiktatur zum Thema, bei der aus Georgien gebürtigen Haratischwili geht es um ein Ereignis im Tschetschenien-Krieg, Biller, in Prag geboren, breitet das Tableau einer russisch-jüdischen Familie aus, und Thomes Roman spielt 1860 in China. Schriftsteller aus Österreich und der Schweiz gehen diesmal leer aus.

Mit dem Deutschen Buchpreis zeichnet die Stiftung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels jährlich zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse (diesmal am 8. Oktober) den deutschsprachigen "Roman des Jahres" aus. Sieben von Jahr zu Jahr wechselnde Juroren wählen unter den von den Verlagen eingereichten - in diesem Jahr waren es 165 - und eventuell selbst nachgeforderten Büchern zunächst 20 für die Longlist aus, von denen sechs auf der Shortlist übrig bleiben. Der Preisträger erhält 25.000 Euro, die übrigen fünf Autoren der Shortlist erhalten jeweils 2500 Euro.

Zur Jury zählen 2018 Christoph Bartmann (Leiter des Goethe-Instituts Warschau), Luzia Braun (beim ZDF redaktionell zuständig für "Das literarische Quartett"), Tanja Graf (Leiterin des Literaturhauses München), Paul Jandl (Literaturkritiker der "Neuen Zürcher Zeitung"), Uwe Kalkowski (Betreiber des Literaturblogs "Kaffeehaussitzer"), Marianne Sax (Buchhändlerin in Frauenfeld, Schweiz) und als Jurysprecherin Christine Lötscher (freie Kritikerin und Kulturwissenschaftlerin, derzeit an der FU Berlin).

Lötscher zitierte zur Auswahl William Faulkner mit dem Satz "Das Vergangene ist nicht tot, es ist nicht einmal vergangen." Dies sei das unausgesprochene Motto der deutschsprachigen Literatur des Jahres. Die sechs nach Ansicht der Jury gelungensten und wichtigsten Romane folgten "Spuren in die Vergangenheit oder in mythische Schichten der Wirklichkeit". Sie lobte "vielstimmige Erzählkompositionen" und die "Sinnlichkeit einer anderen Zeit, die immer auf unsere verweist."

2017 wurde der Österreicher Robert Menasse für seinen EU-Institutionen-Roman "Die Hauptstadt" mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet.

feb

Weitere Artikel

Forum

Forumskommentare zu diesem Artikel lesen
Anzeige
© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH