Dichter und Drehbuchautor: Heinz Kahlau ist tot

Er zählte zu den bekanntesten Lyrikern der DDR: Heinz Kahlau ist im Alter von 81 Jahren an Herzschwäche gestorben. Berühmt wurde der Autor unter anderem durch seine Liebesgedichte - doch er verfasste auch kritische Verse.

Heinz Kahlau (Archivbild von 2001): Der Dichter war auch politisch aktiv Zur Großansicht
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Heinz Kahlau (Archivbild von 2001): Der Dichter war auch politisch aktiv

Leipzig/Stolpe - Der Lyriker und Drehbuchautor Heinz Kahlau ist tot. Seine Witwe bestätigte, dass der Künstler bereits am Karfreitag im Alter von 81 Jahren verstorben war. "Es war ein langsamer Abschied", sagte Cordula Kahlau. Ihr Mann sei an Herzschwäche gestorben. Einen Termin für die Beisetzung gebe es noch nicht. Kahlau soll auf dem Friedhof von Stolpe auf der Insel Usedom seine letzte Ruhe finden. Dort hatte die Familie seit 2006 gelebt.

Heinz Kahlau gehörte zu den bekanntesten Lyrikern der DDR; wie die "Leipziger Volkszeitung" berichtet, beläuft sich die Gesamtauflage seiner Gedichtbände auf rund vier Millionen Exemplare.

Kahlau wurde am 6. Februar 1931 in Drewitz bei Potsdam geboren und schrieb mit 19 Jahren sein erstes Gedicht. Später wurde er Meisterschüler von Bertolt Brecht an der Akademie der Künste in Berlin und veröffentlichte 1954 seinen ersten Gedichtband "Hoffnung lebt in den Zweigen des Caiba".

Kahlau verfasste Lyrik, Dramen, Prosa und Lieder, außerdem arbeitete er als Funk- und Filmautor. Sein bekanntestes Werk ist der Band "Du", eine Sammlung von Liebesgedichten, der mehrmals wieder aufgelegt wurde.Als ihm 1957 wegen kritischer Verse zum Ungarn-Aufstand Haft angedroht wurde, unterschrieb er nach eigenem Bekunden eine Verpflichtungserklärung als Inoffizieller Mitarbeiter (IM) der Stasi. 1964 ließ er sich auf eigenen Wunsch davon entbinden. Kahlau legte seine Verstrickung 1990 selbst offen.

Von 1970 bis 1980 leitete er als Präsident die PEN-Sektion der DDR. Weiterhin engagierte er sich im Schriftstellerverband der DDR und arbeitete mit der Rockgruppe Karat zusammen. Kahlau war Mitglied der SED und zuletzt auch Mitglied der Partei Die Linke. Von 1990 bis 1992 war er Bezirksverordneter der PDS in Berlin-Pankow. Zuletzt erschien von Kahlau 2005 der Band "Sämtliche Gedichte und andere Werke (1950-2005)" im Aufbau Verlag Berlin

wbr/dpa/dapd

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1. Rip
EspritCritiqueM 09.04.2012
Zitat von sysopDPAEr zählte zu den bekanntesten Lyrikern der DDR: Heinz Kahlau ist im Alter von 81 Jahren an Herzschwäche gestorben. Berühmt wurde der Autor unter anderem durch seine Liebesgedichte - doch er verfasste auch kritische Verse. http://www.spiegel.de/kultur/literatur/0,1518,826435,00.html
Ich habe von diesem Autor nie etwas gehört oder gelesen; das ist aber vermutlich nicht seine Schuld. Seine Verstrickung in das DDR-Unrechtsregime sehe ich allerdings kritisch, zumal er auch nach der Wende sich durch Unterstützung der SED-Nachfolgeparteien PDS und Linke weiterhin zu den alten Ideen bekannt hat. Man möge mich bitte nicht für herzlos halten, wenn ich freilich seinen Namen für seinen Beruf für bestens geeignet halte. Wie heißt ein Gedicht von Ka(h)lau? Weiteres erspare ich mir, aber bis heute kannte ich ihn eben nicht. Und ein gesegnetes Alter hat er ja auch erreicht.
2. Das ist aber großzügig von Ihnen,
Xircusmaximus 09.04.2012
Zitat von EspritCritiqueMIch habe von diesem Autor nie etwas gehört oder gelesen; das ist aber vermutlich nicht seine Schuld. Seine Verstrickung in das DDR-Unrechtsregime sehe ich allerdings kritisch, zumal er auch nach der Wende sich durch Unterstützung der SED-Nachfolgeparteien PDS und Linke weiterhin zu den alten Ideen bekannt hat. Man möge mich bitte nicht für herzlos halten, wenn ich freilich seinen Namen für seinen Beruf für bestens geeignet halte. Wie heißt ein Gedicht von Ka(h)lau? Weiteres erspare ich mir, aber bis heute kannte ich ihn eben nicht. Und ein gesegnetes Alter hat er ja auch erreicht.
. dass Sie Ihre, neben der bereits offenbarten produktiven, nun auch offen gelegte literarische Ahnungslosigkeit, nicht dem Verstorbenen anlasten. Wenn er das noch hätte erleben dürfen, hätte er sich ganz sicher mit einem Kalauer bei Ihnen bedankt.
3. doch, den kenne ich...
hla63 09.04.2012
... besonders seine Liebesgedichte waren in der DDR Kult, den Gedichtband "Du" hatte ich auch. Dass er was mit der Stasi hatte, nun ja, sollen nur die Künstler gut sein, die gegen das Regime Widerstand geleistet haben? Und dass er auch nach der Wende seine Überzeugung behalten hat (wie fragwürdig sie auch war), ist für mich mehr Rückgrat als alle die, die nur als Jasager in der SED waren und nach der Wende ganz schnell ihr Parteibuch in die Ecke geschmissen haben.
4. Einmal Un-Mut gegen 4 x Mut
scilt 09.04.2012
Zitat von EspritCritiqueMIch habe von diesem Autor nie etwas gehört oder gelesen; das ist aber vermutlich nicht seine Schuld. Seine Verstrickung in das DDR-Unrechtsregime sehe ich allerdings kritisch, zumal er auch nach der Wende sich durch Unterstützung der SED-Nachfolgeparteien PDS und Linke weiterhin zu den alten Ideen bekannt hat. Man möge mich bitte nicht für herzlos halten, wenn ich freilich seinen Namen für seinen Beruf für bestens geeignet halte. Wie heißt ein Gedicht von Ka(h)lau? Weiteres erspare ich mir, aber bis heute kannte ich ihn eben nicht. Und ein gesegnetes Alter hat er ja auch erreicht.
Aber das hält einen Menschen von Charakter nicht davon ab, kurz nochmal nachzutreten. Dafür muss man weder etwas gehört und/oder gelesen haben. Und es bringt sicher Punkte. Kalauer zeichnen sich durch eine gewisse Niveaulosigkeit aus. Es ist sicher gut für uns alle, dass uns hier noch Weiteres erspart wurde. Zu einer Meinung gegen den Strom 1957 gehört Mut. Zu einem Rückzug von der Stasi ebenso. Und schließlich auch zu seinem offenen Bekennen seines Fehlers 1990. Übrigens auch zu seinem Beitritt zur Linken in einer Demokratie... Wir, die wir ihn gelesen und im Kopf bewahrt haben, sollten ihm ein ehrendes Gedenken bewahren!
5. Humor und Ahnung
EspritCritiqueM 10.04.2012
Zitat von Xircusmaximus. dass Sie Ihre, neben der bereits offenbarten produktiven, nun auch offen gelegte literarische Ahnungslosigkeit, nicht dem Verstorbenen anlasten. Wenn er das noch hätte erleben dürfen, hätte er sich ganz sicher mit einem Kalauer bei Ihnen bedankt.
Ich glaube nicht, dass man literarisch ahnungslos ist, weil man irgend einen Autor im Osten wie im Westen, im Norden oder im Süden nicht kennt. Wenn ich Ihrer Einschätzung glauben darf, war er aber wohl weniger verbiestert als Sie. Warum sollte man mit Nomen est omen nicht scherzen dürfen?
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