"Die neuen Leiden des jungen W.": Ulrich Plenzdorf ist tot

Sein Werther mischte - wie dereinst Goethes Sturm-und-Drang-Werk - die Literatur auf. Auch als Drehbuchschreiber schuf er mit Paul und Paula markante Filmfiguren. Jetzt ist Ulrich Plenzdorf im Alter von 72 Jahren gestorben.

Berlin - Der Schriftsteller Ulrich Plenzdorf starb in einer Klinik in der Nähe von Berlin. Das teilte die Berliner Akademie der Künste mit. Plenzdorf, einer der bekanntesten Autoren der früheren DDR, litt an einer schweren Krankheit und lebte schon seit Jahren zurückgezogen.

Autor Plenzdorf: Starb im Alter von 72 Jahren
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Autor Plenzdorf: Starb im Alter von 72 Jahren

Mit seinem Roman "Die neuen Leiden des jungen W." hatte er 1972 ein Stück Weltliteratur verfasst. Die tragische Geschichte des Lehrlings Edgar Wibeau machte ihn auf beiden Seiten der deutsch-deutschen Grenze berühmt. Er schrieb auch das Drehbuch für den DDR-Kultfilm "Die Legende von Paul und Paula" und erhielt als Autor der TV-Serie "Liebling Kreuzberg" 1995 den Adolf-Grimme-Preis. Außerdem schrieb er unter anderem Drehbücher für Manfred Krugs Autobiografie "Abgehauen" und Erwin Strittmatters autobiografischen Roman "Der Laden".

"Ulrich Plenzdorf war ein genauer Beobachter der sozialen Wirklichkeit und sensibel für die Lebensgefühle vor allem junger Menschen", schrieb die Akademie in ihrer Würdigung. Mit seiner Mischung aus Poesie und Sarkasmus sei er für viele Leser und Zuschauer ein unverwechselbarer Autor gewesen. Plenzdorf gehörte der Akademie der Künste seit 1992 an.

Der Schriftsteller wurde 1934 als Sohn eines Maschinenbauers in Berlin-Kreuzberg geboren. Nach seiner Ausbildung an der Filmhochschule Babelsberg arbeitete er zunächst als Szenarist und Filmdramaturg. Sein Gegenwartsstück "Die neuen Leiden des jungen W." hatte 1972 am Landestheater Halle Premiere und wurde im Jahr darauf auch als Roman veröffentlicht. 1976 wurde eine Filmfassung im westdeutschen Fernsehen gezeigt.

Nach der Wende gehörte Plenzdorf zu den Kritikern der deutschen Einheit, die für ihn eine neue Teilung der Gesellschaft schuf. In seinen letzten Lebensjahren zog er sich aus dem Filmgeschäft zurück und übersetzte Literatur aus dem Englischen.

Bundespräsident Horst Köhler würdigte Plenzdorf als "bedeutenden Schriftsteller und Drehbuchautor". In einem Kondolenzschreiben an die Witwe schreibt Köhler: "Mit seiner sensiblen Beobachtungsgabe und seinem feinen Gespür für sprachliche Nuancen verstand er es, das Lebensgefühl insbesondere junger Menschen authentisch zum Ausdruck zu bringen. Das hat ihm in Ost und West viel Bewunderung und ein treues Publikum eingebracht."

Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) nannte Plenzdorf einen "der bedeutendsten und meistgespielten Dramatiker der ehemaligen DDR, der sich zudem nicht vereinnahmen ließ". Gerade junge Menschen hätten leidenschaftlich seine Stücke geliebt. "Die neuen Leiden des jungen W." hätten das Lebensgefühl der damaligen Jugend präzise und meisterhaft beschrieben. "Mit Plenzdorf verlieren wir einen sprachgewandten Erzähler, dessen Werk die Leser in Ost und West einander näher gebracht hat."

Die Akademie der Künste, der Plenzdorf seit 1992 angehörte, schrieb in ihrer Würdigung: "Ulrich Plenzdorf war ein genauer Beobachter der sozialen Wirklichkeit und sensibel für die Lebensgefühle vor allem junger Menschen." Mit seiner Mischung aus Poesie und Sarkasmus sei er für viele Leser und Zuschauer ein unverwechselbarer Autor gewesen.

hoc/AFP/AP

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