Comicsatiren über Donald Trump Wie lächerlich ist der Typ eigentlich?

Witze über den Körperklops und Mentalfladen - ist Donald Trump mit Satire beizukommen? Zwei Comicbände nehmen den Kampf auf. Und zeigen das ganze Ausmaß der Katastrophe.

Matthias Kringe/ Panini

Zum Autor
    Timur Vermes wurde 1967 in Nürnberg als Sohn einer Deutschen und eines 1956 geflohenen Ungarn geboren. Er studierte Geschichte und Politik und wurde dann Journalist. 2012 veröffentlichte er den satirischen Roman "Er ist wieder da", von dem mehr als eine Million Exemplare verkauft wurden.
  • Für SPIEGEL ONLINE schreibt er über Comics und Graphic Novels.

Gern wird ja darüber diskutiert, was Satire darf. Wesentlich sinnvoller könnte jedoch die Antwort auf die Frage sein, was Satire überhaupt kann, also: bewirken kann, und ob angesichts dessen die Diskussion über ihre Befugnisse überhaupt den Aufwand wert ist. Zum Beispiel: Trump.

Zwei Beispiele dafür sind jetzt im Comicbereich auf dem Markt, beide auf ihre Weise renommiert. Sie geben unterschiedliche Antworten, aber richtig Zuversicht können sie beide nicht verbreiten, leider.

Das erste Beispiel ist eine schöne Gelegenheit, mal wieder bei einem alten Bekannten vorbeizugucken: MAD hat ein Trump-Special herausgegeben, inklusive Mini-Cartoons am Seitenrand, "nur noch"-Preis und Faltblatt ganz hinten. Trump ist eine umfangreiche Aufgabe und gerade für "MAD" eine harte Nuss. "MAD" hat ein junges Publikum, die Standardzielscheiben sind neben Popstars und Konsumwelt vor allem Eltern und Lehrer, Politiker sind es allenfalls als Eltern-Lehrer-Verlängerung. Helmut Kohl etwa war in diesem Raster der alte Doofe, Strauß der alte Nazi und Schmidt der alte Spießer.

Bibelzitate vs. Trumpzitate

Da liegt denn auch die Haupthürde für "MAD": Mehr aus Trump zu machen als 50 Seiten Donald-ist-doof - für Leser, bei denen man ein breites Wissen aus dem US-Politikbetrieb nicht voraussetzen kann. Das gelingt gelegentlich gut, wie auf drei Seiten Bibelzitaten vs. Trumpzitaten: Da entlarvt ein ziemlich anständiges altes Buch einen abgrundtief unanständigen Menschen. Oder wie Trump sämtliche vier Präsidentenköpfe des Mount Rushmore gegen vier Versionen seines eigenen austauscht.

Meist geht's allerdings in die Hose: Trump steht zwar als Rüpel da, der jedoch - was besonders kontraproduktiv ist - gerade dadurch Erfolg hat. Besonders ärgerlich: ein deutscher Beitrag, bei dem Medien, Trump, AfD, CSU und SPD letztlich alle gleich unzumutbar wirken. Genau dieser Anstrich der Normalität (und damit Wählbarkeit) würde Trump, AfD & Co. so passen. Umgekehrt fehlen viele ergiebige Ansatzpunkte: Die kurzsichtige Gefälligkeitspolitik. Die Umweltpolitik, die zu Industrieprodukten führt, die international noch weniger gefragt sind. Die Idee, reaktionäre Trump-Wähler mit freiwerdenden Immigrantenjobs zu beglücken: als Bulettenbrater (ächz), Erntehelfer (stöhn) und Tellerwäscher (kotz). Chance verpasst, könnte man sagen - falls es sie je gab.

ANZEIGE
MAD:
Trump Special

Panini Verlag; nur noch 3,99 Euro

Der zweite Satireband vom Splitter-Verlag heißt "Trump!". Er beinhaltet sämtliche Strips, die der vielfach preisgekrönte Cartoonist Garry Trudeau in seiner Serie "Doonesbury" über Donald Trump gezeichnet hat - bestürzend viele. "Doonesbury" erscheint seit 1970 täglich in vielen US-Tageszeitungen, auch in der "Washington Post". Vier Panels als fortlaufende Erzählung, mit einer Vielzahl unterschiedlicher Charaktere.

Vergoldeter Wasserhahn mit Brüsten

Das erste Mal taucht Trump 1987 im Strip des Pulitzer-Preisträgers auf. Und tatsächlich ist schon damals der komplette Irrsinn dieser Präsident gewordenen Dreckschleuder vorhanden. Es beginnt mit Trumps Manie, Reichtum vorzuzeigen, was daran liegt, dass er "gut" und "teuer" gleichsetzt. Schon 1988 lässt Trump Wohnungen zwangsräumen, bedient sich schmierigster Charaktere, verachtet Menschen ohne Geld und Macht.

Fotostrecke

8  Bilder
Fotostrecke: Zwei Bände Comicsatire über Donald Trump

Der Band lässt 30 Jahre Trump im Zeitraffer aufblitzen, seine Pleiten, seine vorgebliche Universität, seine schaufensterpuppenartigen Vorzeigefrauen vom Typ "vergoldeter Wasserhahn mit Brüsten". Wer Doonesbury verfolgt hat, kann von dem Wahlkampfskandal unter vielen ("Grab them by the pussy") nicht überrascht gewesen sein, es ist alles da, wirklich alles. Trudeau hat sein Bestes getan, um Trump als das zu präsentieren, was er ist, inklusive des bizarren Konstrukts, mit dem er vollen Haarwuchs nachzuweisen versucht, weil ihm der wichtiger ist als die Fähigkeit zu einer Gesundheitsreform.

ANZEIGE
Garry Trudeau:
Trump!

Splitter; 18,80 Euro

Trudeau hat es versucht, indem er Trump zitierte und dabei wenig bis gar nicht übertrieb. Trumps winziger Wortschatz, die Wiederholungen von "sehr" , "großartig", "unglaublich", man mag es einfach nicht fassen, wie lange ausgerechnet dieser Körperklops und Mentalfladen schon Gegenspieler wie normale Menschen diskreditiert, indem er behauptet, sie würden schwitzen, stinken, wären krank oder zu dick. Geholfen hat es nicht. Der Verlag Cross-Cult wird Ende August sein Glück mit gesammelten Original-Tweets versuchen, tapfer angereichert mit Cartoons, aber es gibt einfach nichts zu entdecken.

Dieser Mann, der sich bei nüchterner Betrachtung zu nichts weiter eignet als zum Teeren und Federn, ist heute US-Präsident. Und er ist noch nicht mal das Hauptproblem: In den USA (und offenbar auch in Polen, Ungarn oder der Türkei) gibt es inzwischen eine mehrheitsfähige Wählerschaft für rücksichtsloses Gesindel.

ANZEIGE
Shannon Wheeler:
Trump twittert

Cross-Cult, 15,00 Euro

Ob Satire dagegen die wirksamste Waffe ist? Man darf das bezweifeln. In letzter Zeit ertappe ich mich jedenfalls öfter beim Wunsch nach schlichten Signalen, sagen wir: Die Waltons haben Donald Trump zu Gast. Bis die Oma sagt: "Mr. Trump, wenn Sie Ihren Teller Suppe gegessen haben, verlassen Sie bitte unser Haus." Wer sich bis dahin über das Ausmaß der Katastrophe informieren möchte: beide Bände zeigen auf ihre Weise ein durchaus zutreffendes Bild davon.



insgesamt 11 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Argi 20.08.2017
1. Alte Überlieferung...
...von Dilbert zu Trump: http://dilbert.com/strip/1990-02-14
großwolke 21.08.2017
2. Über die Wirkmechanismen von Kommunikation in Zeiten des Internet
So oder ähnlich könnte eine wissenschaftliche Arbeit tituliert sein, die sich damit befasst, warum einer wie Trump als erfolgreicher Medienstar und Wahlkämpfer reüssieren konnte. Kraftausdrücke wie "Mentalfladen" ignorieren einfach völlig, dass es sich bei all dem Getöse, dem Twitter-Dauerfeuer, um ein über lange Zeit erlerntes, durch Erfolgserlebnisse verstärktes Verhalten handelt, das weit weniger erratisch ist, als es im Vergleich mit dem bisherigen Modell des Politikers anmutet. Bei den bereits jetzt erkennbaren politischen Erfolgen Trumps (Einwanderungspolitik wirkt, Dollar-Schwäche behebt Bilanz-Defizite, China setzt Nordkorea-Sanktioneen um) ist die Frage, die sich stellt, eher eine moralische: können wir uns darauf einigen, bestimmte Methoden in der Öffentlichkeitsarbeit von vornherein zu ächten, damit sie hier bei uns in Europa nicht zur Anwendung kommen? Denn Trumps Erfolg wird Nachahmer auf den Plan rufen, hat das möglicherweise schon getan (Boris Johnson). Und auch wenn ich anerkenne, dass dieses Spiel funktioniert, möchte ich einfach nicht in einem Land, in einer EU leben, wo gegenseitiges mediales Verunglimpfen zur bevorzugten politischen Kommunikationsform wird.
arch.aisch 21.08.2017
3. Danke an #großwolke !
Vielen Dank für Ihren knappen, treffenden Kommentar, der unter zahllosen Artikeln zum Thema Trump stehen könnte und sollte. Gute Analyse; gute Schlussfolgerung!
foomen 21.08.2017
4. So beautiful!
Donald Trump, he ist so beautiful, really beautiful, so beautiful. His little hands and his so well groomed hair! And these beautiful almond-shaped eyes! He is such a good person. So beautiful!
gekreuzigt 21.08.2017
5. "Körperklops und Mentalfladen"
sind für mich so ungefähr das Äquivalent zu "selber doof". Es zeigt nicht unbedingt die geistige Überlegenheit, die der Autor wohl für sich in Anspruch nimmt.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.