Douglas-Adams-Nachfolger Colfer Per Anhalter durchs Fegefeuer

"Geldschneiderei" und "Frevel" waren die harmloseren Schmähungen, die sich Eoin Colfer anhören musste, als er eine Fortsetzung des Science-Fiction-Klassikers "Per Anhalter durch die Galaxis" schrieb. Jetzt scheint sich zwar alles in Wohlgefallen aufzulösen, doch der Ire ist sich sicher: Nie wieder!

DEFD

Von Jörg Böckem


Der Himmel über London ist steingrau, Regen prasselt an das Fenster, der Gesichtsausdruck des irischen Bestsellerautors Eoin Colfer ist im Einklang mit dem englischen Wetter. Colfer, 44 Jahre alt, schmal, klein und grauhaarig, sieht sehr erschöpft aus und ziemlich verhangen. Es ist Mittwoch, und in ein paar Tagen ist es so weit, der große, der entscheidende Augenblick. Dann erscheint "And Another Thing ...", die englische Ausgabe des sechsten Teils der sogenannten Science-Fiction-Trilogie "Per Anhalter durch die Galaxis".

Ein Buch, das es nach Meinung zahlreicher Fans gar nicht geben dürfte. Eoin Colfer hat es geschrieben, acht Jahre nach dem frühen Tod des Autors und Erfinders des Hitchhiker-Universums Douglas Adams, der die geplante Fortsetzung selbst nicht mehr realisieren konnte und von seinen Anhängern bis heute mit beinahe religiöser Inbrunst als Genie verehrt wird. "Frevel!", ereiferten sich zahlreiche Fans schon bei der Ankündigung der Fortsetzung im vergangenen Jahr; "Blasphemie", "Ketzerei" und "Geldschneiderei" gehörten noch zu den harmlosesten Schmähungen.

"Als ich den Vertrag unterschrieb, wusste ich, es würde Ärger geben", sagt Colfer mit müder Stimme, gerade hat er zwei aufreibende Stunden lang im Internet mit den Fans gechattet. "Aber ich habe unterschätzt, wie groß die Belastung tatsächlich werden würde. Auch wenn es großen Spaß gemacht hat und das Buch eine Herzensangelegenheit für mich war - so ein Projekt werde ich mir nie wieder zumuten." Colfer muss sich mit einer besonders schwierigen Spezies auf diesem Planeten herumschlagen - dem harten Kern der Science-Fiction-Fans, leidenschaftlich, leicht erregbar, meist männlich, oft besserwisserisch, penibel, streng und ebenso gnadenlos im Urteil wie im Vorurteil.

Zu den Fans der Serie zählen die Band Coldplay und Stephen Fry

"Per Anhalter durch die Galaxis", 1978 von dem Briten Douglas Adams zunächst als Radioserie entwickelt und im Jahr darauf zu einem Roman umgearbeitet, erzählt die Abenteuer des Briten Arthur Dent, der vom außerirdischen Herumtreiber Ford Prefect vor der Zerstörung der Erde gerettet wird, und ist in den achtziger Jahren zu einem weltweiten Popkultur-Phänomen avanciert - die fünf von Adams geschriebenen Bücher wurden in 35 Sprachen übersetzt und verkauften sich rund 20 Millionen Mal, dazu kamen Hörspiele, Fernsehserien, ein Kinofilm, Comics, Computerspiele und Bühnenadaptionen. Zu den Fans der Serie zählen die britischen Autoren Stephen Fry, Neil Gaiman und Monty-Python-Mitglied Terry Jones; die britische Band Coldplay hat den Titel ihrer Single "Don't Panic" den Hitchhiker-Büchern entliehen. Adams' Romane bestechen durch eine einzigartige Mischung aus überbordendem Einfallsreichtum, abstrusem Witz und philosophischer Betrachtung des Menschen und der Absurditäten unserer Existenz. Sie sind, trotz aller merkwürdigen Lebensformen und Ausflüge auf fremde Planeten und in andere Dimensionen, sehr menschlich. Und zutiefst britisch.

"Wenige Autoren verfügen über so eine Fan-Armee wie Douglas Adams", sagt Colfer. "'Per Anhalter durch die Galaxis' ist eine Art heiliger Gral der englischen Popkultur. Wie Monty Python, Pink Floyd oder die Beatles. Damit sollte man besser kein Schindluder treiben." Colfer selbst ist großer Anhänger der Serie, seit er als 15-Jähriger den ersten Band las: "'Per Anhalter durch die Galaxis' war etwas ganz Besonderes - überraschend, unglaublich lustig und großartig geschrieben." Besonders Adams' Anti-Establishment-Haltung hat den jungen Eoin Colfer begeistert. "In den Büchern bekommen Staat, Bürokratie, Religion und Big Business ihr Fett weg, das hat mir gefallen. Außerdem ist die Hauptfigur Arthur Dent kein strahlender, ernster Held, sondern ein genervter Durchschnittstyp. Damit konnte ich mich damals wie heute hervorragend identifizieren."



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jayred 07.11.2009
1. so wie,,,
...ich die dynamik des anhalters kenne, wird es noch ein paar weitere teile geben. solange es gute autoren sind, die die sache weiterspinnen (!), auf jeden fall. ich tippe auf 42.
keyoz 07.11.2009
2. na endlich...
ja schön für die hartgesottene fangemeinde. bleibt abzuwarten, ob das fortsetzungsbuch den schlechten film (kann man das überhaupt verfilmen?) vergessen machen kann. auch auf die gefahr hin, dass ich enttäuscht werde: ich finde es schön, dass jemand den mut für weitere irrwitzige weltraumabenteuer jeneits der star-wars-imperium-idiotie hat.
jayred 07.11.2009
3. film
Zitat von keyozja schön für die hartgesottene fangemeinde. bleibt abzuwarten, ob das fortsetzungsbuch den schlechten film (kann man das überhaupt verfilmen?) vergessen machen kann. auch auf die gefahr hin, dass ich enttäuscht werde: ich finde es schön, dass jemand den mut für weitere irrwitzige weltraumabenteuer jeneits der star-wars-imperium-idiotie hat.
da kann ich nur beipflichten - der film war erbärmlich. wer die bbc-serie gesehen hat, die ja nun angestaubt, aber wenigstens dicht am original war, musste sich mit abscheu abwenden.
Patina, 07.11.2009
4. 42 forever
Wenn ich mir das Theater so anschaue, bechleicht mich das Gefühl, das neue Buch wird vor allem eins sein : Größtenteils harmlos...
AMcK 07.11.2009
5. Mal ein erster Augenzeugenbericht
Habe das Buch gerade bis zur Hälfte gelesen. Muss sagen, es ist im Stil wirklich gut getroffen. Auch wenn es, meiner Meinung nach, nicht so lustig ist, wie das "Original". Aber ich kann nur jedem wahren Fan raten, einen Blick hinein zu werfen und sich selbst ein Bild zu machen! Und bloß nicht hassen, bevor man kennt! Grüße
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