E-Book-Bestseller Verleg' dich selbst - und mach' Millionen!

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2. Teil: Besser ohne Verlag - als "Indie" verdienen Autoren mehr


Inzwischen bewegen sich seine E-Books in der gleichen Preiskategorie wie Amanda Hockings Werke. Nach eigener Aussage verdient er mit den Kindle-Verkäufen bis zu 11.000 britische Pfund im Monat - und zwar mit Büchern, die sein eigentlicher Verlag Hodder & Stoughton nicht haben wollte.

Das ist schön für umtriebige Autoren wie Leather, aber eine Hiobsbotschaft für klassische Verlage. Autoren wie Leather oder der US-Amerikaner Joe A. Konrath zeigen, dass es für Autoren weitaus profitabler sein kann, ganz bewusst auf einen Verlag zu verzichten. Beide haben ihre ersten Bücher bei klassischen Verlagen veröffentlicht, Leather erfüllt seinen Vertrag noch, Konrath hat sich von seinem getrennt.

Topseller unter den Indie-Autoren im Kindle-Shop (Dez. 2010)

Autor Verkäufe im Dez. 2010 Verfügbare Titel im Kindle-Store
Amanda Hocking > 100.000 12
Stephen Leather > 40.000 29
Victorine Lieske > 20.000 1
H.P.Mallory > 20.000 3
Michael Sullivan > 10.000 5
L.J. Sellers > 10.000 6
J.A.Konrath > 10.000 19
Beth Orsoff > 10.000 3
Bella Andre > 10.000 6
Tina Folsom > 5.000 12

Daten: Robin Sullivan und Derek J. Canyon

Konrath veröffentlicht auch den Szene-Blog " A Newbie's Guide to Publishing", auf dem er mit sensationeller Offenheit über seine Strategien und Umsatzzahlen schreibt und dazu noch Gastschreibern eine Plattform bietet. Diese totale Transparenz ist szenetypisch: Herausragend ist hier auch Derek J. Canyons Blog "Adventures in ePublishing", das sich zu einem Seismografen für die Bewegungen des Indie-Marktes entwickelt.

Ein Verlag ist nicht mehr als ein Label

Konrath schreibt in der gleichen Liga wie Michael Sullivan, dessen Frau Robin in der Indie-Szene einige Prominenz genießt. Sie promotet nicht nur ihren Mann, sondern auch fünf weitere Autoren unter dem Dach eines schrillen Kleinverlags, der eigentlich als Scheinfirma begann: Gegründet haben ihn die Sullivans nur, um ihren E-Books ein nach Verlag aussehendes Label geben zu können. Mit Erfolg, offenbarte Robin Sullivan in einem Gastbeitrag des Konrath-Blogs. Nicht nur stiegen Sullivans Umsätze Ende 2010 in den fünfstelligen Bereich (53.880 Dollar in den letzten zwei Monaten des Jahres), das Label hat den Autor zudem in den Kontext regulärer Veröffentlichungen gehoben.

Inzwischen aber hat Sullivan ein Imageproblem: Gegenüber seinen erbosten Fans ist er in Rechtfertigungsnöten, warum er seine Bücher nun für eine reguläre Printausgabe an einen US-Verlag lizenziert hat. Sullivan versichert, er habe das nicht wegen des Geldes getan, denn mit den E-Books verdiene er deutlich mehr - er habe nur endlich auch den noch immer großen Kreis der Digital-Ablehner erreichen wollen. Verkehrte Welt: In dieser Leselandschaft gilt offenbar der reguläre Buchvertrag als Makel.

Gerade deutsche Verlage dürfte all das in den nächsten Monaten gehörig unter Druck setzen. Noch immer bremsen sie kräftig, wenn es um E-Books geht, die hierzulande meist teurer als international üblich angeboten werden. Zudem ist das Angebot vergleichsweise dünn - auch wenn sich jetzt zunehmend deutsche E-Books im Kindle-Shop finden, der in deutscher Version eigentlich noch gar nicht angeboten wird.

Duck Dich, Buchbranche: Die Welle rollt an

Das aber dürfte sich bald ändern. Zumal sich abzeichnet, dass ausgerechnet die Zielgruppe, die deutsche Verleger für ihre treueste halten, das elektronische Buch besonders begeistert umarmt: Noch vor Twens stellen Menschen ab 55 Jahre die fleißigste Käufergruppe von E-Readern dar, behauptet das britische Marktforschungsunternehmen Silver Poll in einer am Dienstag veröffentlichten Studie. Rund sechs Prozent aller älteren Briten sollen schon einen Reader oder einen Tablet PC besitzen. Die Marktanalysten rechnen mit einer "Explosion der Nachfrage" auch in Europa. Wenn der Trend also nun über den Atlantik schwappt, was werden die Reader-Besitzer hier zu lesen bekommen?

Unter anderem Amanda Hocking. Mehrere Übersetzungen, sagt sie, seien bereits in Vorbereitung, auch in Deutschland. Hier hat ein bisher nicht genannter herkömmlicher Verlag zugeschlagen - der grenz- und sprachübergreifende Selbstverlag ist dann doch nicht so einfach. Trotzdem ist es wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis der erste Indie-Bestseller die deutsche Verlagsszene erschüttern wird. Vielleicht begreift die Branche dann, dass digitale Raubkopien nicht ihr größtes Problem sein werden auf der neuen Verkaufsplattform: Bei Geschwindigkeit, Preisflexibilität und Community schlagen die Indies jeden Verlag.

Bisher schaffen sie das nur im Bereich des Easy Reading - die erfolgreichsten Indie-E-Book-Genres sind Liebesromane, Vampir-Schmonzetten, Thriller, Mystery, Fantasy und Science Fiction. Nicht der Stoff, mit dem man normalerweise Literaturpreise gewinnt - aber genau die Massenware, mit der auch Verlage das Gros ihrer Profite machen. Und Massen davon sind zu erwarten. Einer der ersten Nebeneffekte des E-Book-Booms ist in den USA das Austrocknen der Web-Fiction-Szene: Immer mehr Autoren nehmen ihre kostenlosen Veröffentlichungen aus dem Netz - und bieten sie als E-Books zum Kauf an.

insgesamt 36 Beiträge
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hdudeck 03.03.2011
1. Warum immer nur Kindle und Amazon..
..es gibt auch andere E-Book Verlage, die Buecher im offenen!! epub Format in deutscher Sprache anbieten . Wer zum Beispiel bei Barnes and Noble (BN.com) mit dem Suchwort "deutsch" sucht, finded tausende Treffer. Verfuegbar sind Werke von Kafka, Karl May, Mark Twain und viele andere. Wer auch noch weiss, wie er per Proxi Server die Standortbestimmung umgehen kann, kann sich ohne viel Muehe diese Buecher auf sein Tablet laden. Mit Pubit(.com) hat Barnes and Noble ebenfalls einen Selbsverlag, in dem schon zehntausende Autoren ihre Werke anbieten. Falls BN.com und andere Verlage/Haendler auf die Idee kommen sollte, international zu gehen, haben die deutschen Verlage mal wieder einen Trent und damit ein Geschaeft verpasst. Die guten Claims werden jetzt abgesteckt, Brotkrummen fuer die, die zu Spaet kommen.
Thomas Ebflachner-Trum 03.03.2011
2. Herausstechende Beispiele...
Es gibt auch in Deutschland Beispiele für Autoren, die via Book on Demand oder E-Books bekannt geworden sind, man denken nur an "Meconomy" oder "Natural Dog Food". Aber das sind die Ausnahmen. Das Gros solcher Veröffentlichungen zeichnet sich durch eine ganz spezielle Richtung aus. Hier eine Top-5 der Bestseller von "Books on Demand" 10/2010: 1. Kurz und schmerzvoll 2. Schamlos und sexbesessen 3. Feuchte Höhepunkte 4. Komme nicht zum Termin 5. Lust auf ihn aus: "Gutenberg-Galaxis Reloaded?" (http://tinyurl.com/6ynbhk6)
ecolina, 03.03.2011
3. Buchmesse im Anmarsch
Zitat von sysopSie kennen Amanda Hocking nicht? Die*Ex-Altenpflegerin ist Amerikas neue Bestseller-Autorin.*Einen Verlag braucht*sie*nicht, um*ihre Vampir-Romanzen*zu veröffentlichen,*die Auflagen-Millionärin*veröffentlicht direkt und digital per E-Book - und lässt den klassischen Buchmarkt ziemlich alt aussehen. http://www.spiegel.de/kultur/literatur/0,1518,748220,00.html
Ah, es ist mal wieder eine Buchmesse im Anmarsch. Da redet man ja seit Jahren gern davon, dass der Durchbruch des E-Books unmittelbar bevorsteht. Na dann.
Hercules Rockefeller, 03.03.2011
4. Nicht in Deutschland
In Deutschland wird es das so leider nicht geben. Mangels bezahlbarer E-Reader und mangels professioneller E-Book-Läden kann man hier einfach nicht zum Leser durchdringen. Wenn ein einfacher e-ink Reader für 20-40€ zu erhalten ist, dann werden e-books das klassische Buch wahrscheinlich verdrängen und auf lange Sicht auch die Verlage. Denn die Leser können schon selbst entscheiden, ob ein Buch gut ist, oder eben nicht und Marketing brauchts dann eigentlich auch keines mehr, wenn standardmäßig bspw. die ersten 20 Seiten kostenlos lesbar sind (im Store, auch ohne Reader, eben online), dann kann man wie im klassischen Laden ein bischen schmöckern und was einem zusagt, wird dann gekauft. Die geringen Preise machen es auch lukrativer, viel zu lesen. Wer heute in die Buchhandlung geht, muss selbst für Taschenbücher um die 12€ hinlegen, bei Preisen zwischen 1-5€ konsumiert man automatisch mehr und probiert auch mal einen unbekannteren Autoren aus. Und Übersetzer gibts ja auch genügend. Kann mir gut vorstellen, dass sich da auch neue Perspektiven eröffnen, bspw. das die Ebookläden internationale Dependancen unterhalten und dort festangestellte Übersetzer mit der Übersetzung des eigenen Bestands beschäftigen-faires Preismodell inklusive, bspw. die erste Auflage kriegt der Autor nur einen geringeren Erlös, die Übersetzungskosten werden geteilt. Das wird funktionieren, da der Autor ja mit der Originalssprache bereits den Höchstsatz verdient und zudem auch damit werben kann, in der Heimat schon X mal gelesen worden zu sein.
the_big_easy 03.03.2011
5. Preise
Kurzer Hinweis bezüglich der Preise. Das teuerste Ebook von Amanda Hocking ist nicht 5,74$ sondern nur 2,99$ ... Zumindest für US Bürger. Die 5,74$ kommen zustande weil Amazon da mal eben VAT, also Mehrwertsteuer und "internationale Liefergebühren" draufschlägt, in Höhe von 2,75$. Aber das gilt nur für internationale Käufer. US Bürger zahlen nicht mehr als 2,99$. Ich warte bereits darauf, dass Amazon auch hier in Deutschland endlich seinen Kindle Store eröffnet und vorallem auch die Selbstveröffentlichungsplattform für Deutsche einfacher zugänglich macht bzw. einfach einen deutschen Ableger startet. Dann muss nur noch die lästige Buchpreisbindung für Ebooks gekippt werden und wir haben bald auch im deutschen Markt derartige Erfolgsgeschichten.
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