"Die offenen Adern Lateinamerikas" Autor Eduardo Galeano gestorben

Eduardo Galeanos politische Schriften prägten die Linksregierungen Lateinamerikas. Von Fußballstars wie Eusébio und Maradona schwärmte er. Nun ist der uruguayische Schriftsteller gestorben. Er wurde 74 Jahre alt.

Eduardo Galeano in seinem Lieblingscafé in Montevideo, 2002: Er war voller Leidenschaft
REUTERS

Eduardo Galeano in seinem Lieblingscafé in Montevideo, 2002: Er war voller Leidenschaft


Als der venezolanische Präsident Hugo Chávez 2009 seinem US-Amtskollegen Barack Obama ein Buch von Eduardo Galeano schenkte, wurde es zum Bestseller - obwohl es schon 1971 erschienen war.

"Die offenen Adern Lateinamerikas" wurde seinerzeit auch in Europa gefeiert: Das Buch thematisiert die Geschichte und insbesondere die Kolonialherrschaften in Lateinamerika. Während der Militärdiktatur in den Siebziger- und Achtzigerjahren wurde das Buch in seinem Heimatland Uruguay verboten. Galeano war gezwungen, im Exil in Argentinien und Spanien zu leben. Erst 1985 kehrte er zurück in das "graue Land von alten Leuten", wie er Uruguay einmal bezeichnete.

Galeano zählte zu den wichtigsten Publizisten Lateinamerikas, er war als linksgerichteter Gesellschafts- und Globalisierungskritiker bekannt. Er vertrat die Dependenztheorie, nach der es keine Chance für eine Besserung der Verhältnisse in den ehemaligen Kolonien gebe, solange die Staaten der "Ersten Welt" die Länder weiterhin ökonomisch ausbeuteten.

Sehr leidenschaftlich schrieb Galeano auch über Fußball, wahre Oden auf Spieler wie Eusébio oder Diego Maradona sind auch auf Deutsch erschienen in dem Band "Der Ball ist rund und Tore lauern überall". 2012 erschien sein letztes Werk "Kinder der Tage" (Peter Hammer Verlag).

Der Schriftsteller hatte sich aus gesundheitlichen Gründen in den letzten Monaten immer mehr aus dem öffentlichen Leben zurückgezogen. Nun ist Eduardo Galeano im Alter von 74 Jahren in einer Klinik in Montevideo gestorben.

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feb/dpa

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