Einzelgänger aus Österreich Walter Kappacher bekommt Büchner-Preis

Felix Austria! Mit dem 70-jährigen Schriftsteller Walter Kappacher erhält erneut ein Österreicher den Georg-Büchner-Preis, der als bedeutendste Literatur-Auszeichnung in Deutschland gilt.


Darmstadt/Hamburg - Walter Kappacher habe über Jahrzehnte hinweg ein höchst beachtliches, lange viel zu wenig beachtetes Œuvre geschaffen, wie die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung am Dienstag mitteilte. Erst seit dem Roman "Selina oder das andere Leben" (2005) werde er allerdings wirklich wahrgenommen, urteilte die Jury. "Seine leise, musikalische Prosa voll melancholischer Unerbittlichkeit - stets traurig, nie trostlos - klärt uns über uns selbst auf", hieß es weiter. Der Preis wird auf der Herbsttagung der Akademie am 31. Oktober in Darmstadt verliehen.

"Selina" spielt in den Achtzigern und erzählt die Geschichte eines jungen Lehrers, der sich ein Jahr Auszeit in der Toskana nimmt, um dort einen alten Bauernhof zu renovieren - und dabei über sein Leben zu sinnieren. Der Roman wurde in den Feuilletons überwiegend sehr positiv besprochen, die "Süddeutsche Zeitung" etwa verglich den Stil des Autors mit dem eines anderen großen Österreichers: Adalbert Stifter.

Gerade erst erschienen ist Kappachers "Der Fliegenpalast", der, so jubelte "Die Zeit", die "Lebenskrise Hugo von Hofmannsthals in einen zauberhaften kleinen Roman verwandelt". Die Künstlernovelle erzählt von dem 50-jährigen Dichter Hofmannsthal, wie er sich, seine Tage als Junggenie liegen lange hinter ihm, im August 1924 nach Bad Fusch zurückzieht. "Der Fliegenpalast" war auch andernorts hymnisch besprochen worden.

Der als Einzelgänger geltende Walter Kappacher wurde am 24. Oktober 1938 in Salzburg geboren. Er absolvierte eine Lehre als Motorradmechaniker und begann 1960 nach dem Militärdienst ein Schauspielstudium. 1961 wechselte er erneut die Branche und ließ sich zum Reiseverkehrskaufmann ausbilden. Der Beruf diente ihm aber nur zum Geldverdienen, sein Interesse galt dem Schreiben. Zu seinen früheren Werken zählen die Romane "Morgen" (1975) und "Der lange Brief" (1982), er tat sich jedoch auch als Hörspielautor hervor. Kappacher lebt in Obertrum bei Salzburg.

Der Büchner-Preis gilt als die bedeutendste deutsche Auszeichnung für Literatur und ist mit 40.000 Euro dotiert. Er wurde erstmals 1923 verliehen, damals noch als Auszeichnung für Vertreter aller Kunstformen. Erste Preisträger waren der Komponist Arnold Mendelssohn und der Schriftsteller Adam Karillon.

Seit 1951 werden ausschließlich Autoren ausgezeichnet, die "durch ihre Arbeiten und Werke in besonderem Maße hervortreten und die an der Gestaltung des gegenwärtigen deutschen Kulturlebens wesentlichen Anteil haben", wie es in der Satzung des Büchner-Preises heißt. Zu den bisherigen Preisträgern gehören unter anderen Erich Kästner, Max Frisch, Günter Grass, Heinrich Böll und Elfriede Jelinek.

Im vergangenen Jahr hatte die Akademie den Georg-Büchner-Preis dem österreichischen Schriftsteller Josef Winkler zuerkannt.

tdo/dpa



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