Lyrikerin Elisabeth Borchers ist tot

Abschied von einer wichtigen Lyrikerin der Gegenwart: Im Alter von 87 Jahren ist die Dichterin Elisabeth Borchers in Frankfurt am Main gestorben.

Elisabeth Borchers (hier 1983): "Und oben schwimmt die Sonne davon"
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Elisabeth Borchers (hier 1983): "Und oben schwimmt die Sonne davon"


Hamburg/Frankfurt am Main - Ihr Gedicht "eia wasser regnet schlaf" löste, als es 1960 in der "FAZ" vorabgedruckt wurde, wütende Leserreaktionen aus - offenbar war dem Publikum damals moderne Lyrik sogar noch fremder als heute.

Als aggressive Avantgardistin allerdings kann man Elisabeth Borchers kaum bezeichnen. In ihren Gedichten mischte sie Märchenhaftes mit bildhaften Beobachtungen. Das war, wie im Bilderbuch "Und oben schwimmt die Sonne davon", zu dem sie Mitte der Sechziger die Verse beisteuerte, eigentlich sogar für Kinder geeignet.

Als Lektorin arbeitete Borchers über Jahrzehnte für den Suhrkamp-Verlag. Hier betreute sie unter anderem das lyrische Werk der Nobelpreisträgerin Wislawa Szymborska - und hier erschienen schließlich auch ihre eigenen Gedichtbände, in denen sich beobachten ließ, wie die 1926 in Homburg am Niederrhein geborene Autorin ihren Blick schärfte und im Ton zunehmend souveräner, eigenständiger wurde.

Ein großes Publikum wie in Zeiten ihrer ersten "FAZ"-Veröffentlichung erreichte sie damit nicht - wer aber ihre Gedichte las, konnte sich schnell von ihrer Klarheit und emotionalen Wärme einnehmen lassen.

Im Alter von 87 Jahren ist Borchers am Dienstag in Frankfurt am Main gestorben. Das teilte der Suhrkamp Verlag mit.

sha



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