Kinderbuch über Camping Saure Milch und Mückenstiche

Eine ewige Autofahrt, viel zu viel Gepäck, schlechtes Wetter und ein altes Zelt: In "Endlich wieder zelten!" beschreibt Philip Waechter den perfekt unperfekten Sommerurlaub für Kinder.

Philip Waechter/ Beltz & Gelberg

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Endlich Ferien! "Vor mir lagen sechs Wochen ohne Klassenarbeiten und Hausaufgaben." Tim wirft seinen Ranzen in die Luft und kauft sich bei Luigi erst einmal ein Eis mit Vanille und Schokolade.

Zu Hause packen die Eltern schon für den gemeinsamen Zelturlaub. Es müssen mit: Sonnenschirm, Klapptisch, Lichterkette, Solarzelle, Klopapier, Isomatten, ziemlich viel Haushaltskram und dazu noch "Papas Uralt-Zelt" mit Heringen, Stangen und Leinen. Das alles passt mühsam in den Kastenwagen, und nachdem noch einmal umgedreht wurde, weil Mama vergessen hat, Frau Klee den Schlüssel zum Blumengießen zu geben, geht es auf die Autobahn und ab nach Frankreich.

"Endlich wieder zelten!" heißt das gut gelaunte Bilderbuch des Frankfurter Illustrators Philip Waechter, eine tolle Einstimmung auf den Sommerurlaub. Tim fährt mit seinen Eltern und dem kleinen Bruder nicht in den All-inclusive-Luxusurlaub, sondern in den All-exclusive-Basic-Urlaub auf einem Zeltplatz am Meer. Klar, da gibt es auch Glamper mit Wohnmobil, Vorzelt und Kaffeeautomat, aber Tim wohnt mit seinen Eltern in einem Modell, das auch Pfadfinder als simpel bezeichnen würden.

Für Besserwisser und Superorganisierte

Wetterfest ist das Zelt im Übrigen auch nicht, denn nach zwei Tagen Regen bläst es der Wind davon. Und trotzdem wird die Reise ein super Urlaub, mit Surfen, Sandburgen und vielen neuen Freunden. Naja, und mit Monstermückenstichen und ganz schön lauten Nachbarn.

Mit seiner quirligen und liebenswerten Mischung aus Bildern, Sprechblasen und Erzähltext, mit seinem Mix aus Ironie und Fantasie ist "Endlich wieder zelten!" ein typisches Werk von Philip Waechter, dem Sohn des vor zehn Jahren verstorbenen Cartoonisten F. K. Waechter. Während der Vater Spezialist für die 68er war, ist der Sohn ein Kinderversteher. Und das im besten Sinne.

In "Kuchen bei mir", das im vergangenen Jahr erschien und für kleinere Kinder gedacht ist, erzählt Philip Waechter die Geschichte einer Fernbeziehung zwischen zwei Schweinen, die nicht per Handy kommunizieren, sondern mit Flaschenpost. An Kinder, die Albträume haben und schlecht schlafen, richtet sich das Pappbilderbuch "Rosi in der Geisterbahn": Ein kleiner Hase zähmt die Monster in der Geisterbahn und damit die eigenen Ängste. Waechter gehört auch zur Ateliergemeinschaft Labor, die vor einigen Jahren die wunderschöne und erfolgreiche Kinder-Künstler-Buch-Reihe erfunden hat - mit Büchern, in denen man Bilder weiterkritzeln kann.

In seinen Schlussworten zu "Endlich wieder zelten!" schreibt Waechter, wem er das Bilderbuch widmet: "Für alle Besserwisser und Superorganisierten, für die Schnarcher und die Vergesslichen, ohne die unsere Urlaube nur halb so schön gewesen wären." Und nicht nur diese Zeilen belegen, dass Waechter ein mit allen Regenwassern gewaschener Camper ist. Auch seine Verweise auf ständig saure Milch und Abwaschberge lassen auf langjährige Erfahrung schließen.

"Endlich wieder zelten!" könnte auch überzeugte Nicht-Camper ins Grübeln bringen. Auf jeden Fall ist dieses vergnügliche Buch die perfekte Lektüre für eine lange Autofahrt in den Sommerurlaub. Am besten, man hört dazu noch das Lied "Wann sind wir da?" von Deine Freunde: "Mir ist heiß! Ich hab Hunger! Die Anderen ärgern! Ich muss mal!"

Ja, so ist das. Und so muss es auch sein.

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insgesamt 1 Beitrag
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leser008 20.05.2015
1. Zelten früher
Also wir waren beim Zelten immer total froh. Haben uns sogar immer unser eigenes kleines Zelt mitgebracht, weil wir keine Lust auf den Wohnwagen hatten. Das beste waren natürlich immer die vielen anderen Kinder zum Spielen auf den Campingplätzen.
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