Rassismus Das Ende des German Dream

Immer nur deutsche Berufstätige leiden an Burn-out - warum? Vielleicht ist der Erschöpfungszustand für viele Migranten so sehr Normalität, dass kaum Diagnosen erfolgen. Ein Auszug aus dem Sammelband "Eure Heimat ist unser Albtraum".

Autorin Fatma Aydemir
Valerie-Siba Rousparast

Autorin Fatma Aydemir

Von Fatma Aydemir


Zur Autorin
    Fatma Aydemir, Jahrgang 1986, ist Kolumnistin und Redakteurin bei der "taz". 2017 erschien ihr viel ausgezeichneter Debütroman "Ellbogen" (Hanser). Als freie Autorin schreibt sie unter anderem für das "Missy Magazine". 2019 ist sie Stipendiatin der Villa Aurora in Los Angeles.

Mit einem aufgesetzten Lächeln und wallenden Aladinhosen kommt sie auf mich zugesprungen und sagt, sie wisse nun, warum ich ein Vorstellungsgespräch bekommen hätte. "MIGRANTENBONUS!" Wie eine Backpfeife klatscht sie mir das Wort mitten ins Gesicht. Sie und ich sind Praktikant_innen bei einem großen deutschen Fernsehsender. Sechs Wochen lang versuchen wir, Eindruck auf die Redaktion zu machen, weil wir Journalist_innen werden wollen. Aber in Wahrheit kann sich hier niemand unsere Namen merken.

"Was hast DU denn für eine QUALIFIKATION??", hat sie mich zuvor schon in der Mittagspause gefragt, als ich nervös erzählte, dass ich ein Vorstellungsgespräch für ein Volontariat bei einer Tageszeitung hätte. Jetzt knabbert sie an ihrer Unterlippe herum. Es nagt an ihr. Obwohl eine Einladung noch lange kein Volontariat und ein Volontariat noch lange kein richtiger Job ist, sondern nur eine weitere prekäre Ausbildungssituation. Obwohl sie selbst doch lieber zu "National Geographic oder so" will. Sie hat nun aber wie verrückt gegoogelt und die Ausschreibung zum Volontariat gefunden: "Bewerber mit Migrationshintergrund bevorzugt! Das ist nicht gerade fair", sagt sie.

Arbeit in der Metallwerkstatt (Symbolbild)
DPA

Arbeit in der Metallwerkstatt (Symbolbild)

"Was ist schon fair?", hätte ich fragen und ihr eine zurückklatschen sollen. Stattdessen ging ich noch nervöser ins Gespräch. Die Stelle habe ich nicht bekommen. Egal. Ich fand die Ausschreibung trotzdem gut, weil sie implizierte, dass es ein Ungleichgewicht gibt, das der Branche schadet. Dass eine weitere weiße deutsche Volontärin nicht unbedingt einen Mehrwert bietet. Und vielleicht ist das Wort Migrantenbonus auch gar nicht so falsch. Nur dass es kein Bonus ist, den wir erhalten, sondern einer, den wir vergeben: Vielleicht wissen aufmerksame Arbeitgeber_innen inzwischen einfach, dass sie von uns für das gleiche Geld mehr bekommen.

Keine Ahnung, ob es so etwas gibt wie eine typisch deutsche Eigenschaft. Aber was mir auf Auslandsreisen immer wieder auffällt, ist, wie verquer das Bild ist, das man von den Deutschen hat: "Die Deutschen denken immer nur ans Arbeiten." Ja, mag sein, dass das Renteneintrittsalter hier höher liegt als in anderen Ländern. Und ja, auch hat Fleiß als preußische Tugend zumindest rhetorisch noch einen hohen Stellenwert in diesem reichen Exportweltmeisterland. Doch um ehrlich zu sein: Wenn ich mich umschaue, sehe ich in diesem Land niemanden, der so hart arbeitet wie Migrant_innen. Niemanden. An Burn-out aber leiden immer nur die Deutschen. Komisch.

Sie finden, das ist eine scheißignorante Bemerkung? Stimmt. Eine äußerst gefährliche Annahme? Stimmt auch. Aber wissen Sie, was mindestens genauso gefährlich ist? Sich aus Angst vor Arbeitslosigkeit selbst bei der schlimmsten Grippe nicht krankmelden zu können. Es gibt viele Statistiken zu Burn-out, nur leider keine, die die Zahlen von Betroffenen mit Migrationshintergrund erfasst. Das ist bemerkenswert, wo doch die "Volkskrankheit Burn-out" seit Jahren zu den populärsten Schlagzeilen der deutschen Medien gehört. In migrantischen Communitys ist die Krankheit seltsamerweise, verglichen mit der deutschen Dominanzkultur, kaum Thema - obwohl die Symptome unübersehbar präsent sind. Vielleicht ist der andauernde Erschöpfungszustand für viele einfach so sehr Normalität, auch generationenübergreifend, dass kaum Diagnosen erfolgen. Vielleicht gilt das Sprechen über mentale Krisen auch als Schwäche, gerade unter denjenigen, die lernen mussten, besonders stark zu sein, um in dieser Gesellschaft zu überleben. Was aus den oben genannten Statistiken nämlich hervorgeht: Mit geringerer Wertschätzung für die jeweilige Angestellte steigt das Burn-out-Risiko immens. Und wessen Arbeit wird in diesem Land weniger wertgeschätzt als die von Migrant_innen? Eben.

Ich bin im Deutschland der Neunzigerjahre aufgewachsen, in dem die widersprüchlichen Parolen "Ausländer sind faul" und "Ausländer nehmen uns die Arbeit weg" teilweise aus denselben Mündern miteinander konkurrierten. In meiner eigenen Familie, die über das Anwerbeabkommen zwischen der BRD und der Türkei in den frühen Siebzigerjahren eingewandert ist, konnte es sich weder jemand leisten, faul zu sein, noch, irgendwem die Arbeit wegzunehmen. Alle arbeiteten immer in den Jobs, die nicht für Deutsche, sondern für sie vorgesehen waren. Leute wie mein Großvater wurden angeworben, weil sie leichter ausgebeutet werden konnten als inländische Arbeiter_innen: gewerkschaftlich kaum organisiert, flexibel, dankbar um jede Sonntagszulage. Während also der überwiegende Teil der Wohlstandsgesellschaft ab den Sechzigern Minigolf spielte und schicke Autos fuhr, waren es die "Gäste" aus Südeuropa, Nordafrika und der Türkei, die unter unwürdigen Bedingungen in den Fabriken schufteten, um diesen Wohlstand zu generieren. Dass die Arbeitsmigrant_innen kein Deutsch sprachen und sich kaum "integrierten", war damals nicht von Interesse. Im Gegenteil: Besser, sie blieben unter sich, lebten in denselben Stadtvierteln und pflegten ihre "eigene" Kultur und Religion. So war es leichter, sie zu kontrollieren und bei Bedarfsende wieder zurückzuschicken.

55 türkische Gastarbeiter kommen am 27.11.1961 in Düsseldorf an
DPA

55 türkische Gastarbeiter kommen am 27.11.1961 in Düsseldorf an

Die "Gastfreundschaft", die den Arbeitsmigrant_innen in Deutschland zu jener Zeit entgegengebracht wurde, beschrieb die Dichterin und Gastarbeitertochter Semra Ertan sehr eindrucksvoll in ihrem Gedicht "Mein Name ist Ausländer". Während dieses Gedicht in der Türkei zeitweise in Schulbüchern abgedruckt wurde, sind Ertans Werk und ihr tragisches Schicksal in Deutschland bis heute leider kaum bekannt. Im Jahr 1982, als Rassismus in Deutschland einen neuen sichtbaren Höhepunkt erreicht hatte, rief die 25-jährige Ertan beim NDR-Hörfunk an, las das Gedicht vor und kündigte ihren wenige Tage später folgenden Suizid an, den sie als Protest gegen den Rassismus in Deutschland bezeichnete. Die Anfangszeilen gehen so:

Ich arbeite hier
Ich weiß, wie ich arbeite
Die Deutschen wissen es auch
Meine Arbeit ist schwer
Meine Arbeit ist schmutzig
Das gefällt mir nicht, sage ich
"Wenn dir die Arbeit nicht gefällt,
geh in deine Heimat", sagen sie

Ungefähr zur selben Zeit wurde auch meinem Großvater gesagt, er solle in seine Heimat zurückgehen. Wobei "gesagt" etwas untertrieben ist. Mit der sogenannten "Rückkehrprämie" lockte ihn die Bundesregierung regelrecht nach der zweiten Ölkrise Anfang der Achtzigerjahre. 10.500 D-Mark sollte er bekommen, wenn er willens war, Deutschland für immer zu verlassen. Zusätzlich wurden 1500 D-Mark extra angeboten für jedes Kind, das er mitnahm. Die BRD wollte ihn loswerden, nachdem er jahrelang Siebentagewochen in einer Stahlfabrik abgeleistet hatte, deren chemische Rückstände so unberechenbar giftig sind, dass das Areal heute, knapp dreißig Jahre nach Schließung der Fabrik, immer noch zubetoniert und umzäunt ist, wie ein Schandfleck mitten in der Stadt. Großvater ging, meine Eltern blieben (güle güle, 1500 D-Mark) - und schufteten weiter.

Ich konnte gerade mal meinen Namen schreiben, da machte meine Mutter schon drei Jobs gleichzeitig: morgens Bäckerei, mittags Kartonfabrik, nachts Wäscherei. Mein Vater arbeitete fast vierzig Jahre im grellen Halogenlicht von Fabriken und verfiel kürzlich in eine Krise, weil er zum ersten Mal in seinem Leben arbeitslos war. Sein Arbeitgeber hatte ihn im Zuge eines Stellenabbaus entlassen. Doch hielt mein Vater es keine drei Monate zu Hause aus. Dann ließ er sich von einer Zeitarbeitsfirma in eine andere Fabrik schicken, für den halben Lohn und weniger Urlaubsanspruch. Er ist trotzdem zufriedener. Denn er kann nicht mehr nicht arbeiten.

Ich erzähle das nicht, weil ich meine Eltern als "fleißige" Menschen loben will. "Fleiß" wird uns schon in der Grundschule als positive Eigenschaft gelehrt. Doch diese einseitige Konnotation verschleiert die häufigste Ursache, die aus Arbeiter_innen fleißige Arbeiter_innen macht: Existenzangst. Sie ist immer da, auch wenn sie irgendwann nicht mehr rational begründet ist. Alle Arbeiterfamilien kennen das, oder Leute, die in solchen aufgewachsen sind. Das süße Slackerleben, das aus Flanieren und Kaffeetrinken in hippen Großstadtkiezen besteht, kann sich nur gönnen, wer - im Zweifelsfall - weich fällt. Wir anderen nutzen jede freie Minute, um ein paar Euro extra auf die Seite zu packen, für schlechtere Zeiten. Doch womit deutsche Kolleg_innen nicht leben müssen, sind rassistische Anfeindungen, strukturelle Diskriminierungen und der Verlust des Aufenthaltsstatus beziehungsweise die permanente Angst davor. Deutsche werden nicht in weit entfernte Länder abgeschoben, weil sie nicht genug verdienen. Migrant_innen schon.

Lohnarbeit ist für viele Menschen die einzige Rechtfertigung dafür, dass sie in diesem Land leben dürfen. Der Aufenthaltsstatus hängt neben einem sauberen Führungszeugnis am stärksten vom Einkommensverhältnis ab. Und Sozialbezüge sind eine der größten Hürden für die Einbürgerung in die deutsche Staatsangehörigkeit. Ich habe mich vor ein paar Jahren als Erste (und bisher Einzige) in meiner Familie um die Einbürgerung beworben. Nach einem Jahr Papierkrieg war es endlich so weit. Doch noch am Tag der offiziellen Einbürgerung mit Urkunde und Tamtam im Rathaus Neukölln musste ich erneut meinen aktuellen Lohnnachweis vorzeigen - um zu beweisen, dass ich immer noch unbefristet angestellt war. Immer noch des deutschen Passes würdig.

Nicht nur rechtlich werden Hartz IV und Sozialleistungen schnell zum Problem, auch gesellschaftlich sind sie das ewige Stigma der anderen. "Masseneinwanderung ins deutsche Sozialsystem", "Wirtschaftsflüchtlinge", "Asyltourismus" - immer häufiger werden rechte Kampfbegriffe normalisiert. Inzwischen dominieren sie Politik und Medien. Damit wird Angst geschürt vor denen, die gekommen sind, um den Deutschen etwas wegzunehmen. Doch die einzige plausible Erklärung für diese Verlustangst ist Rassismus. Sonst nichts. Deutschland hat schon immer von Zuwanderung profitiert und tut es heute noch, ganz egal, was uns besorgte Bürger und Heimatminister weismachen wollen. Migration ist immer auch Arbeitsmigration. Niemand kommt hierher mit der Hoffnung, dass es in Deutschland gratis Hängematten gibt.

Kartoffeln (Symbolbild)
Getty Images

Kartoffeln (Symbolbild)

So war etwa ein Viertel der 2015 im Zuge des Syrienkriegs Zugewanderten bereits drei Jahre später sozialversicherungspflichtig angestellt. Die Dunkelziffer der informell Beschäftigten auf Baustellen, im Einzelhandel oder in der Gastronomie dürfte wesentlich höher liegen. "Aber die zahlen keine Steuern und kassieren Hartz IV!", mag sich nun eine_r empören. Stimmt. Das gilt sicherlich für einige. Nur frage ich mich, wieso gerade dieses Argument so inflationär gebraucht wird, während eine Partei wie die AfD 400 Millionen Euro Steuergelder lediglich dafür erhält, dass sie vier Jahre lang menschenfeindliche Politik im Bundestag betreibt. Ein nicht zu vernachlässigender Teil unseres Bruttogehalts fließt auf Konten von vorbestraften Rechtsextremen, damit sie als Mitarbeiter in AfD-Abgeordnetenbüros rumsitzen und uns unser Existenzrecht absprechen können. Aber klar, Hauptsache, man tritt nach unten. Plus: Wenn die Behörden tatsächlich ein Interesse daran hätten, unangemeldete Arbeit in den oben genannten Branchen zu regulieren, würden die Arbeiter_innen sicher nicht Nein sagen zu Arbeitsunfallversicherung und Mindestlohn.

Doch auch für hier geborene Migrant_innenkinder der zweiten oder dritten Generation wie mich sowie People of Color im Allgemeinen ist der deutsche Arbeitsmarkt ein kräftezehrender Hürdenlauf. Es ist schön, dass es immer mehr von uns gibt, die es durch das rassistische Schulsystem schaffen und das Privileg genießen, eine Uni schon mal von innen gesehen zu haben. Trotzdem gehen die begehrten Posten am Ende meistens an unsere weißen Kommiliton_innen. Oder ist es Zufall, dass das Personal etwa in öffentlichen Institutionen und in der Medienbranche bestenfalls so divers ist wie der Cast einer Lena-Dunham-Serie?

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Fatma Aydemir:
Eure Heimat ist unser Albtraum

Mit Beiträgen von Sasha Marianna Salzmann, Sharon Dodua Otoo, Max Czollek, Mithu Sanyal, Olga Grjasnowa, Margarete Stokowski uvm.

Ullstein fünf Verlag; 208 Seiten; 20 Euro

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Jene von uns wiederum, die es dennoch irgendwie in einen "weltoffenen", wenn auch weiß dominierten Betrieb geschafft haben, erleben leider zu oft den Effekt des Tokenism: "Natürlich sind wir divers. Wir haben doch Fatma!" Ja, aber jede vierte Person in Deutschland hat eine Migrationsgeschichte. Sofern dieser fiktive Betrieb also nicht nur aus vier Personen besteht, hält Fatma nur als Token hin - als Stellvertreterin einer Minderheit, die Chancengleichheit simulieren und über Strategien zur Erhaltung von Machtstrukturen hinwegtäuschen soll. Die Frage, ob Fatma wenigstens das Gleiche verdient wie ihre Kolleg_innen, muss oftmals unbeantwortet bleiben, weil Geld nach Rassismus das zweitgrößte Tabuthema der Deutschen ist. Gleichzeitig darf Fatma neben ihrer Lohnarbeit höchstwahrscheinlich noch unbezahlte Aufklärungsarbeit leisten, wenn in der Kaffeeküche wieder mal eine Integrationsdebatte entflammt. Danke für nichts.

"Du musst immer doppelt so hart arbeiten wie die Deutschen, wenn du was schaffen willst." Wir alle kennen diesen Satz. Wir haben ihn verinnerlicht und werden ihn so schwer wieder los wie den Ohrwurm eines Ariana-Grande-Songs. Einerseits ist das gut so, denn unsere Eltern haben sich etwas dabei gedacht, als sie ihn rauf- und runtergebetet haben. Andererseits fügt sich der Satz leider wunderbar in die neoliberale Erzählung ein, der zufolge wir alles schaffen können, wenn wir uns nur genug anstrengen. Als gäbe es keine rassistischen und patriarchalen Strukturen. Kein Vitamin B.

Stellenausschreibungen, in denen explizit "Menschen mit Diskriminierungserfahrung" oder "Migrationshintergrund" zur Bewerbung aufgefordert werden, waren mal ein guter Anfang. Aber sie lösen das Problem nicht. Zwar wird hier immerhin eine Ungerechtigkeit festgestellt, der es entgegenzuwirken gilt. Doch ohne festgeschriebene Regeln wie etwa Quoten versanden solche Ausschreibungen letztlich als symbolische Geste. Am Ende zählt nicht die gut gemeinte Formulierung, sondern wer eingestellt wird. Und wer nicht.

Migration ist immer ein Versprechen auf ein besseres Leben, einen German Dream. Der German Dream meiner Großeltern war, etwas Geld zur Seite zu legen und damit in der Türkei ein Stück Land zu kaufen. Der German Dream meiner Eltern war, ihren Kindern ein Studium zu ermöglichen und ein großes deutsches Auto zu fahren. Und was ist meiner? Ganz einfach: Ich will den Deutschen ihre Arbeit wegnehmen. Ich will nicht die Jobs, die für mich vorgesehen sind, sondern die, die sie für sich reservieren wollen - mit der gleichen Bezahlung, den gleichen Konditionen und den gleichen Aufstiegschancen. Mein German Dream ist, dass wir uns alle endlich das nehmen können, was uns zusteht - und zwar ohne dass wir daran zugrunde gehen. Rest in Power, Semra Ertan.


Offenlegung: Enrico Ippolito, Leiter des Kulturressorts von SPIEGEL ONLINE, hat für den Sammelband "Eure Heimat ist Unser Albtraum" ein Kapitel verfasst.



insgesamt 135 Beiträge
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Seite 1
whitewisent 17.02.2019
1.
"Migration ist immer ein Versprechen auf ein besseres Leben, einen German Dream." " In meiner eigenen Familie, die über das Anwerbeabkommen zwischen der BRD und der Türkei in den frühen Siebzigerjahren eingewandert ist ... Der German Dream meiner Großeltern war, etwas Geld zur Seite zu legen und damit in der Türkei ein Stück Land zu kaufen." Es gibt wohl wenig Sätze, welche das grundlegende Mißverständnis der gegenwärtigen Gesellschaft so gut nachvollziehbar machen. Wer sowas schreibt, will nicht verstehen, daß es dieses Versprechen nie gab. Einwanderung ist eine Hoffnung, ein Traum auf ein besseres Leben, aber kein Versprechen, dessen Erfüllung man einfordern kann. "Framing" - wir nennen es nicht mehr Einwanderung und Ausländer, sondern Migration und Refugees, weil das ja so schön modern klingt. Nur sind die wenigsten Gesellschaften modern. Wer einwandern will, kauft sich kann Land in der Heimat, sondern hat vor, dorthin zurückzukehren. Es ist also nicht nur ein Mißverständnis der Deutschen gewesen, die Arbeitnehmer als solche anzusehen, verklärt "Gastarbeiter" genannt, da diese eben gerade nicht hierbleiben wollten und sollten. Solange jeden Tag Flugzeuge mit Zinksärgen in die Türkei fliegen, weil auch die dritte und vierte Generation nicht ihre Toten in Deutschland bestattet, sollte man mit den Vorurteilen zurückhaltend sein, denn dieses Leben zwischen den Welten führt zum Stress, nie fertig zu sein, immer noch mehr haben zu müssen, weil es vieleicht für eine Heimat reicht, aber nicht für zwei! Burn-Out ist kein Luxus, sondern eine Krankheit, an der auch türkische Arbeitnehmer leiden. Nur aus Scham gegenüber ihrer Familie und Umfeld nicht zugeben. Eine Haltung, die in Deutschland auch noch teilweise besteht, weil man als Eltern/Großeltern ja immer der Fels sein will, auf dem Alles aufbaut. Und teilweise ist es so, wenn man an die unselbstständigen Vertreter der 3. und 4. Generation denkt, die wie selbstverständlich mit 30 immer noch das Kinderzimmer bei den Eltern in Beschlag nehmen, wenn ihre erste Ehe gescheitert ist, oder sie gar nicht für sowas vor die Tür gegangen sind.
Marino123 17.02.2019
2. Neuer Versuch
Hier wird wieder versucht, bei den autochthonen Deutschen ein schlechtes Gewissen zu erzeugen. Es gibt so etwas wie einen kulturellen Egoismus, ähnlich dem individuellen Egoismus. Den gibt es auf der ganzen Welt bei allen Kulturen. Das ist bei der türkischen Kultur nicht anders.
japhet 17.02.2019
3. Bitte bei der Wahrheit bleiben
Der Großvater habe jahrelang Siebentagewochen gearbeitet, in der Fabrik - in Deutschland. Geht es noch drastischer?
Outdated 17.02.2019
4. Ich gehöre auch zur angeblich benachteiligten Gruppe
daher kann ich mal eines ganz klar sagen: Der Satz "du musst doppelt so hart arbeiten" ist genau der Fehler in den ich früher auch getappt bin. Bei der vielen Arbeit verpasst man nämlich das entscheidende, das sich einfügen in die Gesellschaft, den feinen Tanz, des sozialen lernen der eben jede Gesellschaft aus macht und den man als Migranten Kind nicht von Haus aus mitbekommt. Das Problem also ist hausgemacht und nicht einer Mythischen Verschwörung angelastet, wer dem entgehen will befolge folgende Regeln: 1: gebe allen deinen Kindern deutsche Namen und stelle von anfang an klar das sie Deutsch sind. Keine verwirrende Doppelidentitäten erlaubt. 2: sei freundlich und entgegenkommend. 3: schau alte deutsche filme, ja ist etwas altbacken aber da bekommt man eher zu sehen wie es "richtig" geht. 4: lass dich, und das ist besonders wichtig, nicht von sonderrollen verführen. gerade in einem gewissen politischen spektrum werden die einem gerne angeboten. Vorsicht falle! Bist du einmal in der Sonderecke steckst du fest. garantiert das erfolg? nein, es gibt kein Anrecht auf erfolg.
spon_7972154 17.02.2019
5. Aber Menschen sind gekommen....
Der passende Song zum Artikel: https://youtu.be/o2QITWrBkFE ("Arbeitskräfte wurden gerufen .... aber Menschen sind gekommen..."). Auch wenn ich nicht alles exakt so nachvollziehen bzw. aus eigener Erfahrung bestätigen kann (nein, ich heisse im realen Leben nicht P. M.); aber allein für den letzten Absatz hat sich das Lesen gelohnt: Ja, ich will die gleichen Jobs wie meine Kommillition_innen! :-)
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