Eva Hermans neues Buch Rette sich, wer kann!

2. Teil: Denken in Schwarzweiß


Neben steilen Thesen und vielen wunderbaren "Fallbeispielen" aus dem echten Leben nutzt die Herman’sche Hermeneutik vor allem das Prinzip des Manichäismus, jenes Denken in Schwarz und Weiß, das jede Beobachtung ins vorgeformte Raster zwingt – leider bis zur unfreiwilligen Komik.

Zwar streut sie hier und da ein paar "Ja, ich weiß" und "Nein, dagegen habe ich ja nichts" ein, aber sonst gilt ausnahmslos: Hier das tägliche Grauen einer verwahrlosenden Gesellschaft, in der alles emanzipiert, rationalisiert und ökonomisiert wird, dort aber das wärmende Refugium der intakten Familie. Auf diesem "Weg der Liebe" kann, wie praktisch, gleich noch die "ganze Fülle weiblicher Gefühle" und die "Klugheit des Herzens" ausgelebt werden.

Kochen vor Liebe

"Ich mag es kaum zugeben, aber wenn es um Hajo geht, bin ich gern hundertprozentig Frau", berichtet eine "erfolgreiche Geschäftsfrau". Nachdem sie endlich ihren "Traummann" gefunden hatte, war "auf einmal alles anders": "Ich genoss es plötzlich, weiblich zu sein, kaufte mir Kleider und schöne Wäsche... Ich überraschte ihn mit einem Candle-Light-Dinner, obwohl ich mir geschworen hatte, niemals für einen Kerl am Herd zu stehen." Bei RTL II hätte man es nicht schöner sagen können.

Auch anders herum formuliert, in klassischer Eva-Rhetorik mit Augenaufschlag, wird ein Stöckelschuh daraus: "Ist es schon Unterdrückung, wenn eine Frau nach einem langen Arbeitstag dem Ehemann ein Spiegelei brät?" Nie und nimmer, und wir prophezeien jetzt schon, dass das nächste Buch von Eva Herman "Das Spiegelei-Prinzip" heißen wird.

Es kann aber auch nicht sein, dass weibliche Gleichberechtigung mit Vorherrschaft verwechselt wird und "einsame Königinnen" einer kalten Karrierewelt unter Verzicht auf "typisch weibliche Fähigkeiten" sich der Zubereitung einfachster Speisen verweigern und stattdessen ins Fitness-Studio gehen.

Mehr noch: Durch ständiges Problematisieren und Diskutieren, nicht zuletzt über bevorzugte Sexualpraktiken, wird der verunsicherte Mann wie scheues Damwild vollends vertrieben. "Wir selbst", bekennt Frau Herman im pluralis majestatis, "haben die Männer zu dem gemacht, was sie sicherlich nie werden wollten..." – müde, orientierungslose Gestalten, in Film, Funk und Fernsehen hämisch zu Trotteln herabgewürdigt.

Der Rest der Predigt ist schnell erledigt. "Wenn Männer ihre Rechte einfordern wollen, stürzt sich ein wütender Haufen kämpfender Frauen auf sie und verteidigt mit zusammengebissenen Zähnen das ständig größer werdende Land, das sie in den letzten Jahrzehnten einnahmen", schleudert Frau Herman der Gemeinde ins Gesicht. Nicht genug, dazu kommt noch sozialbiologische Uneinsichtigkeit: "Dass der Mann allein aufgrund seiner natürlichen Veranlagung viel zu wenig für Hausarbeit und Wickelvolontariate ausgestattet ist, interessiert einige Frauen nicht."

So kommt alles zusammen: Hilflose Männer, stolze, aber vereinsamte Frauen und eine "Feminisierung der Erziehung", die die Jungs benachteiligt und die Mädchen auch nicht glücklich macht.

Auch der Staat ist mit schuld daran. Und natürlich Familienministerin Ursula von der Leyen mit ihrem Programm der "Verherrlichung der berufstätigen Frau". Selbst Michail Gorbatschow wird gegen das Prinzip "Krippe" in Stellung gebracht. Originalton Eva Herman: "Um es ganz deutlich zu sagen: Nicht jedes Krippenkind wird zum Autisten." Da sind wir aber froh.

Zum guten Ende, nachdem auch die 68er noch mal für den Untergang von Lebensglück, Anstand und Sitte verantwortlich gemacht worden sind, schließt sich der Kreis. Aus der rasanten Kulturkritik in der Nachfolge von Oswald Spengler, Martin Heidegger, Theodor W. Adorno und Peter Hahne ("Schluss mit lustig!") wächst der tiefe Glaube an ein "neues Miteinander", an "Freude, Trost, Begeisterung und Hilfe": "Entdecken Sie Ihren Familiensinn, und erweitern Sie ihn, indem Sie ihn nicht an Ihrer Haustüre enden lassen", predigt Eva und erinnert uns alle noch einmal daran, dass Noah von Gott auserwählt wurde, weil er noch einen Funken in sich trug, den "Funken der Wahrheit".

Nun aber traget ihn hinaus in die Welt. Halleluja!



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