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Eva Hermans neues Buch: Rette sich, wer kann!

Sie hat das "Eva-Prinzip" abgewickelt - mit ihrem neuen Buch rettet sich Familienstrategin Eva Herman nun auf die Arche Noah. Mit dabei: ein eiserner Rest echter Männer und wahrer Frauen. Ihr Kurs ist klar - und mal wieder komplett daneben, findet Reinhard Mohr.

Jede Zeit hat ihre Wahrsager und Propheten. In den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts etwa, während der krisengeschüttelten Weimarer Republik, gab es zuhauf fahrende Propagandisten der Weltrettung. Inmitten irrwitziger Inflation und schrecklicher Massenarbeitslosigkeit predigten sie den einzig möglichen Ausweg aus der Katastrophe. Selbstverständlich kannte jeder einen anderen einzig möglichen Ausweg.


Während der eine dringend dazu aufrief, jeden Tag Rhabarber zu essen, forderte der andere: Schafft das Geld ab! Ein nächster sah in der sexuellen Ausschweifung den Grund allen Übels und verlangte völlige Enthaltsamkeit. Wieder andere wollten gerade das Gegenteil und empfahlen den täglichen Orgasmus zur Befreiung der Menschheit. So wetteiferten Atheisten, Gottesfürchtige, Sektenprediger und andere Scharlatane um die endgültige Lösung aller Menschheitsfragen.

In unserer Zeit ist es die Fernsehmoderatorin und Ex-"Miss Tagesschau", Eva Herman, die die Lösung aller Probleme kennt. "Das Prinzip Arche Noah" heißt ihr neuestes Rezept. Untertitel: "Warum wir die Familie retten müssen". Warum? Weil die Familie unsere Rettung ist. Also retten wir uns selbst. In der Arche Noah. Das klingt genial einfach. Und so ist es auch gemeint.

Fast 250 Buchseiten braucht die Autorin allerdings, um die dringliche Notwendigkeit einer "neuen Familienkultur" als einziges Überlebensprinzip der Gattung Mensch gedanklich und empirisch vor uns auszubreiten. Dabei konnte die selbst ernannte Tabubrecherin immerhin aus dem geräumigen geistigen Fundus ihres letzten Megabestsellers "Das Eva-Prinzip" (2006) schöpfen, das da und dort allerdings nicht ganz so freundlich aufgenommen wurde wie erhofft.

Von der "schöpfungsgewollten Aufteilung" zwischen Mann und Frau war die Rede gewesen. Und vom Feminismus, der aus den Frauen bloß "bessere" Karrieremänner gemacht habe und aus den Männern völlig verunsicherte Weicheier. Das aber, so Eva Herman, führe geradewegs in die Katastrophe. So gebe es inzwischen weder richtige Frauen noch richtige Männer. Kein Wunder, dass es auch kaum noch Kinder gebe, wenigstens keine richtigen.

Hier nun knüpft "Das Prinzip Arche Noah" nahtlos an. "Alles bröckelt", "Zersetzungsprozesse", wohin man blickt. Eine wahre Litanei des Schreckens überfällt den Leser und die Leserin. Schulgewalt, Verwahrlosung von Kindern, Gangbang-Vergewaltigung, Vergreisung, Drogen, Alkohol, Single-Einsamkeit und Killerspiele – schier endlos ist die Liste gesellschaftlicher Auflösungserscheinungen. Es ist, wie so oft in der Geschichte, wieder mal "fünf vor zwölf", und eine muss, na klar, den "Finger in die Wunde" legen. Weil sonst ja niemand drüber spricht.

Noah, dringend gesucht

Denn es geht um nichts weniger als um "unser Überleben". Um die Wiedergewinnung von "Nächstenliebe" und "Mitmenschlichkeit", "Einfühlungsvermögen" und "Verantwortung". Eva Herman prophezeit: "Die Arche Noah kann überall gebaut werden." Die bange Frage ist nur: Findet man dafür überhaupt noch genug starke Männer, die mit Werkzeug umgehen können? Aber um die geht es ja kaum noch.

"Frauen – was sie tun können." Schon die Platzierung des Eröffnungskapitels zeigt in gebotener Klarheit die Hierarchie der Verantwortung für den großen Schlamassel: Die Frauen sind schuld. Jedenfalls jene Feministinnen und Emanzipationskriegerinnen, die den Männern eingeredet haben, "Frauen seien im Grunde wie Männer".

So hat es Frau Herman eine jener unzähligen Geschlechtsgenossinnen erzählt, die sie auf Lesungen, im Supermarkt, im Café und auf der Straße getroffen hat. Auffallend jedoch, wie punktgenau diese "Originaltöne" jeweils zu den steilen Thesen der Hobbysoziologin passen. Da klagen coole Karrierefrauen absatzweise über ihre unnatürliche "Verbiegung" zum Mann, über Einsamkeit, Essstörungen, Nägelkauen und Heulkrämpfe.

Wie anders dagegen jene Frauen mit glücklicher Familie, die ihre Kinder zu Hause erziehen und sich jeden Morgen darauf freuen, beim Frühstück in Ruhe die Zeitung lesen zu können, wenn der Mann im Büro und die Kleinen in der Schule sind.

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Neues Herman-Werk: "Das Prinzip Arche Noah"

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