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Fantasy-Bücher: Irrsinn in der U-Bahn

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Die Damen Rowling und Funke bekommen literarischen Nachwuchs: Junge russische Autoren wie Sergej Lukianenko und Dmitry Glukhovsky sind die neuen Stars der Fantasy-Szene.

Ein Schriftsteller, der sich ein Mäusepaar hält, das er Mulder und Scully nennt, so wie die beiden Hauptakteure der US-TV-Serie "Akte X", ist wahrscheinlich ein Freund herrlich abstruser Geschichten und hat auch einen gewissen Sinn für Humor. Fest steht, dass Sergej Lukianenko, der Herr dieser Mäuse, der erfolgreichste Russe seiner Zunft ist. Seine "Wächter"-Romane waren in seiner Heimat gewaltige Bestseller, die Verfilmungen Kassenschlager. Selbst hierzulande gingen mehr als 700.000 seiner Bücher weg.

Lukianenkoenko-Buch: Rückkehr zur Erde

Lukianenkoenko-Buch: Rückkehr zur Erde

Kein Wunder, dass nun das nächste Werk des 40-jährigen Kasachen auf Deutsch erscheinen wird. "Die Ritter der vierzig Inseln" ist ein klassisches Fantasy-Abenteuer mit fremden Welten, Rittern und Außerirdischen.

In diesem Fall wird ein Knabe namens Dima von einer russischen Kleinstadt in ein geheimnisvolles Inselreich versetzt, von wo aus er zusehen muss, wie er zur Erde zurückkehrt. Das ist als Idee nur bedingt originell, aber sehr unterhaltsam aufgeschrieben für alle, die grundsätzlich Spaß an solchen Märchen haben.

Überhaupt scheinen die Zeiten für Fantasy-Literaten bestens. Genre-Bücher der Damen Rowling und Funke gehören zu den Super-Hits der Branche, auch Drachen-Romane sind bestens im Rennen. Und zunehmend glänzen junge Russen in der Szene und setzen ihre schöne alte Tradition wunderbarer Märchen, feiner Gespenstergeschichten und ausgeklügelter Science-Fiction-Abenteuer fort. So wie einst Puschkin, Gogol und die Gebrüder Strugatzki, die Lukianenko als seine wichtigsten Vorbilder feiert.

Auf Deutsch erschienen ist nun auch "Metro 2033", das exzellente Debüt seines jungen Genossen Dmitry Glukhovsky. Auch da muss ein Bürschchen eine Reise durchs Unbekannte meistern, muss wilde Abenteuer bestehen, bis er am Ziel ist.

Dabei hat der Autor mit dem Netz der Moskauer U-Bahn ein tolles und originelles Phantasie-Reich geschaffen. Denn nach einem schlimmen Krieg haben sich die letzten Stadtbewohner dort verschanzt und eingerichtet. Jede Station ist ein eigenes Reich, hier die Kommunisten, dort die Faschisten, ja selbst die Zeugen Jehovas haben ihr Revier. Dazwischen, in den Tunneln, lauern Dunkelheit und Horror.

Bei so viel Phantasie und auch Humor irritiert es nicht weiter, dass sich der Autor, der im März auf Lesereise nach Deutschland kommt, für Pressebilder angeblich mit einer Kalaschnikow vor der Brust ablichten ließ.


Bücher Sergej Lukianenko: "Die Ritter der vierzig Inseln". Aus dem Russischen von Matthias Dondel. Heyne Verlag, München; 400 Seiten; 16,95 Euro. Erscheint am 27.2.2009.

Dmitry Glukhovsky: "Metro 2033". Aus dem Russischen von David Drevs. Heyne Verlag, München; 784 Seiten; 14 Euro; Lesereise: 10.3. Hamburg, 11.3. Berlin, 12.3. Leipzig. Den deutschen Text liest Robert Stadlober.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 27 Beiträge
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1. Nachwuchs
xabuu 19.01.2009
Den Herrn Lukjanenko als Nachwuchs zu bezeichnen ist schon interessant. Aber es lohnt sich seine Bücher zu lesen. Er schreibt ja nicht nur Fantasy sondern auch SF. Nun gut beides ist halt was fantastisches.
2. Funke und Rowling?
azaar 19.01.2009
Lukianenko ist wohl kaum mit Rowling den Damen Rowling und Funke zu vergleichen. Er hat eine andere Leser-Zielgruppe, nämlich Erwachsene, und nicht Kinder und/oder Jugendliche. Seine Geschichten sind düster und mitunter auch ohne Happy End. Es gibt keine klare Abgrenzung zwischen "Gut" und "Böse", Charaktere entwickeln sich im Laufe der Handlung und wechseln auch mal die Seiten, während Harry Potter bzw. Meggie und Mo von Anfang an eindeutig die Helden ohne Furcht und Tadel und Voldemort bzw. Capricorn und der Natternkopf die zu bekämpfenden Bösen sind. Ich kenne so manche leute, die zwar gerne Harry Potter und die Tintenwelt-Trilogie gelesen haben, denen Lukianenko aber zu düster und hart ist. Zudem ist "Die Ritter der vierzig Inseln" mitnichten das erste Buch von Lukianenko, das nach den Wächter-Romanen veröffentlicht wurde. Aber immerhin wurde in diesem Artikel auf den Vergleich mit Tolkien verzichtet, der ja im Bezug auf die Wächter-Romane gerne getätigt wurde. Und der ist nun wirklich hanebüchen. Schliesslich ist nicht alle Fantasy auf Tolkiens Mist gewachsen. Besser könnte man hier mit China Mieville vergleichen, aber den kennt ja leider kaum jemand...
3. "Speculative fiction"
filker 19.01.2009
Das Problem ist, das das Bildungsbürgertum sich generell in Deutschland mit Genre-Literatur schwer tut. Deshalb kommen - wenn überhaupt - Nachrichten oder Kommentare über Autoren in diesem Bereich Jahre zu spät (die Bücher von Lukanienko gibt's schon ein paar Jahre) und dann versucht man sie in irgendein Schubfach zu zwängen, von dem man glaubt, es würde passen, und das nicht allzu seltsam und anders klingt. Leider ist es immer verkehrt, weil sich die Leute, die die Schubfächer aussuchen, mit dem Genre gar nicht befassen. Das schließt traurigerweise selbst zum Teil die Verlage ein, die in der Phantastik aktiv sind. Nur ganz langsam dämmert es denen, das die Hälfte der "Fantasy"-Leser Erwachsene sind und dass die übersetzten Lizenzausgaben, die man billigbillig von ausländischen Titeln auf den Markt geschmissen hat, auch zu einem großen Teil für Erwachsene gedacht waren. Und seit etwa zwei bis drei Jahren hat man sogar gemerkt, dass es deutsche Autoren der "speculative fiction" gibt, die man die letzten Jahrzehnte völlig ignoriert hat. Da gibt es einen Oliver Plaschka, einen Christoph Hardebusch, und viele andere mehr. Auch mich. Und die Geschichten müssen nicht in Mittelerde spielen oder im andauernd und viel zu viel bemühten London. Moskau ist da schon mal was anderes. Oder München 1865 (Das Obsidianherz).
4. Nicht nachvollziehbar
Motorpsycho 19.01.2009
Wenn ich lese, welchen Erfolg derartige Bücher haben, kann ich mich immer nur sehr wundern. Es müssen wohl die gleichen Leute sein, die auch Pur hören, die so etwas lesen. Für mich alles nicht nachvollziehbar.
5. .
sinta, 19.01.2009
Zitat von azaarLukianenko ist wohl kaum mit Rowling den Damen Rowling und Funke zu vergleichen. Er hat eine andere Leser-Zielgruppe, nämlich Erwachsene, und nicht Kinder und/oder Jugendliche. Seine Geschichten sind düster und mitunter auch ohne Happy End. Es gibt keine klare Abgrenzung zwischen "Gut" und "Böse", Charaktere entwickeln sich im Laufe der Handlung und wechseln auch mal die Seiten, während Harry Potter bzw. Meggie und Mo von Anfang an eindeutig die Helden ohne Furcht und Tadel und Voldemort bzw. Capricorn und der Natternkopf die zu bekämpfenden Bösen sind. Ich kenne so manche leute, die zwar gerne Harry Potter und die Tintenwelt-Trilogie gelesen haben, denen Lukianenko aber zu düster und hart ist. Zudem ist "Die Ritter der vierzig Inseln" mitnichten das erste Buch von Lukianenko, das nach den Wächter-Romanen veröffentlicht wurde. Aber immerhin wurde in diesem Artikel auf den Vergleich mit Tolkien verzichtet, der ja im Bezug auf die Wächter-Romane gerne getätigt wurde. Und der ist nun wirklich hanebüchen. Schliesslich ist nicht alle Fantasy auf Tolkiens Mist gewachsen. Besser könnte man hier mit China Mieville vergleichen, aber den kennt ja leider kaum jemand...
Kann man doch eigentlich gar nicht miteinander vergleichen. Es sei denn, ich habe immer den Anspruch, das alles Friede, Freude, Eierkuchen endet. Ich habe Potter ausgesprochen gerne gelesen. Lukianenko ebenso. Tintenwelt habe ich immer noch nicht gelesen. Stimmt, da waren noch die Weltengänger (wurde danach noch mehr veröffentlicht?), wobei mich da das letzte Buch etwas enttäuscht hat. Das wirkte auf mich so, als ob er unbedingt fertig werden wollte und keine Lust mehr hatte. Ist aber nur meine Meinung. Stimmt, ich kenne den auch nicht. Welches Buch sollte man denn als Einsteiger nehmen?
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