Feuilleton-Institution "Kursbuch" wird eingestellt

Jahrzehntelang galt es als das gedruckte Leitmedium der undogmatischen deutschen Linken in der Bundesrepublik – nun wird das legendäre "Kursbuch" eingestellt.


Hamburg - Wie Herausgeber Tilman Spengler SPIEGEL ONLINE mitteilte, hat der Holtzbrinck-Verlag ("Die Zeit", "Handelsblatt") mit dem Erscheinen der Nummer 169 – "Der gläserne Mensch" – die Finanzierung des einst viermal im Jahr erscheinenden Periodikums beendet. Um eine riesige Summe dürfte es sich kaum gehandelt haben. Die letzten fünf Ausgaben, so Spengler, habe er "bis zum Kleben der letzten Briefmarke" komplett alleine bewerkstelligt.

"Kursbuch"-Cover: Ende einer Institution

"Kursbuch"-Cover: Ende einer Institution

Sarkastisch fügt Spengler hinzu: Arbeitsplätze seien also nicht gefährdet, allenfalls das Fortbestehen einer Zeitschrift, die, 1965 von Hans Magnus Enzensberger begründet, einige Jahrzehnte lang das Denken über die Bundesrepublik kommentiert habe.

Trotzdem will die "Zeit" - mit der das "Kursbuch" zuletzt kooperierte - das Magazin aus Kostengründen einstellen. "Es ist ein renommierter Titel, aber in den letzten Jahren haben sich immer weniger Menschen dafür interessiert und es gekauft", sagte Verlagssprecherin Silvie Rundel SPIEGEL ONLINE, "wir sehen keine wirtschaftliche Basis für die Fortführung des Titels."

Ironie der Geschichte: Am kommenden Montag erhält Spengler den "Großen Münchner Literaturpreis" – nicht zuletzt wegen seiner jahrzehntelangen Verdienste um das "Kursbuch".

rm



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