In eigener Sache "Finis Germania" und die SPIEGEL-Bestsellerliste

Viele diskutieren, warum die Chefredaktion des SPIEGEL den Titel "Finis Germania" aus der SPIEGEL-Bestsellerliste genommen hat - hier erklärt die stellvertretende Chefredakteurin Susanne Beyer den Vorgang.

Die SPIEGEL Bestseller

Die SPIEGEL Bestseller


Die SPIEGEL-Chefredaktion hat sich entschieden, das Buch "Finis Germania" des Autors Rolf Peter Sieferle von der Bestsellerliste zu nehmen. Die SPIEGEL-Bestsellerliste stützt sich auf Verkaufszahlen, wird aber vielerorts als Empfehlungsliste verstanden. Eingriffe in die Bestsellerliste sind den Regularien zufolge möglich, allerdings selten.

Uns erreichen dazu Anfragen. Darum möchten wir erklären, warum wir uns in diesem Fall zu diesem Schritt entschlossen haben.

Unser Kollege Johannes Saltzwedel hatte das Buch "Finis Germania" für die "Sachbücher des Monats" empfohlen, diese Empfehlung wurde Anfang Juni veröffentlicht. Die Liste der "Sachbücher des Monats" wurde über 20 Jahre lang von NDR Kultur gemeinsam mit der "Süddeutschen Zeitung" und mit Unterstützung des Börsenblatts des Deutschen Buchhandels erstellt. Die Empfehlung des Kollegen hat innerhalb der Jury der Bestenliste erhebliche Verwerfungen ausgelöst. Johannes Saltzwedel trat daraufhin aus der Jury aus. SPIEGEL ONLINE veröffentlichte am 12. Juni 2017 einen Text in eigener Sache mit einem Zitat des SPIEGEL-Chefredakteurs Klaus Brinkbäumer: "Ich habe nach der Lektüre der wesentlichen Kapitel kein Verständnis dafür, dass der Kollege Saltzwedel dieses Buch empfohlen hat, und wegen des entstandenen Schadens begrüße ich seinen Rücktritt aus der Jury."

In der SPIEGEL-Ausgabe 25 hat Sebastian Hammelehle, stellvertretender Ressortleiter Kultur, eine Rezension von "Finis Germania" geschrieben und das Buch als "völkische Angstfantasie" bezeichnet. Ich habe in einem zweiten Text, wiederum in eigener Sache, aus Sicht der Chefredaktion die Vorgänge geschildert und das Buch als "rechtsradikal, antisemitisch und geschichtsrevisionistisch" bewertet. Der SPIEGEL, der sich auch bei historischen Themen als Medium der Aufklärung versteht, will den Verkauf eines solchen Buches nicht befördern.

Das Buch "Finis Germania" hat in der SPIEGEL-Bestsellerliste von Heft 29 Platz 6 erreicht. Ohne die Empfehlung unseres Kollegen hätte das Werk des im vergangenen Jahr verstorbenen Autors es unserer Einschätzung nach nicht in die Liste geschafft; das Buch ist in einem kleinen und durch rechtsextreme Publikationen geprägten Verlag erschienen. Insofern haben wir in diesem Fall eine besondere Verantwortung. Deswegen haben wir das Buch in Heft 30 von der Liste heruntergenommen.

Susanne Beyer ist stellvertretende Chefredakteurin des SPIEGEL und hat zuvor im SPIEGEL-Kulturressort gearbeitet.

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insgesamt 240 Beiträge
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Seite 1
rascher 25.07.2017
1. Armselig
Armselig, einfach nur armselig. Mehr ist dazu nicht zu sagen.
isi-dor 25.07.2017
2.
Ist absolut in Ordnung, diesen Quark von der Liste zu nehmen. Latein kann der Autor ja auch nicht, denn zweifellos muss man den Genitiv verwenden, also "Finis Germaniae", so wie auch Stresemanns Biographie nach dessen berühmten Ausspruch hieß. Finis Germania (Ende Deutschland), ist semantisch und inhaltlich Quark. Wer's kaufen will, kann es auch ohne Empfehlung tun.
olfreddy 25.07.2017
3. Zensur
Habe ich es richtig verstanden, dass ihr zukünftig eine Bestsellerliste, welche sich aus Verkaufszahlen zusammensetzt, manipulieren wollt. Damit stellt ihr klar, dass ihr eine Lügenpresse seit.
sozialismusfürreiche 25.07.2017
4. mir schon klar woher die Nachfragen kommen
Es ist mir völlig klar woher die Nachfragen zum Verbleib des Buches plötzlich kommen. In einem Hetzartikel auf pi-news wird das thematisiert. Hätte es eine unkommentierte Auflage von "Mein Kampf" auf die Bestsellerliste geschafft würden die gleichen Leute die Nachfrage starten, warum das Buch gestrichen wird. Ich finde diese nachfragenden Leute armselig, einfach nur armselig. Mehr ist zu diesen Leuten nichts zu sagen.
_Livia_ 25.07.2017
5.
Wird der SPIEGEL eigentlich inzwischen vom Antaios-Verlag für seine Werbemaßnahmen bezahlt? Das ist ja Gold wert, was Sie hier so treiben und wäre von einem Kleinverlag niemals zu leisten.
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