Auf der Messe Im Fahrstuhl mit Jojo Moyes

Durch und durch patent: Jojo Moyes
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Durch und durch patent: Jojo Moyes


Lesen und gelesen werden - auf der Frankfurter Buchmesse treffen sich Autoren, Fans und Fachpublikum. Wer enttäuschte, wer begeisterte? Hier begleiten Autoren von SPIEGEL und SPIEGEL ONLINE die Bücherschau. Heute: Maren Keller.

Ein Kollege von mir unterteilt die Menschen in solche, mit denen man gut im Fahrstuhl stecken bleiben könnte (pragmatisch, tatkräftig, groß genug, um die Deckenluke zu erreichen) und solche, mit denen man gemeinsam in den Urlaub reisen würde (umgänglich, unterhaltsam). Ein Aufenthalt auf der Frankfurter Buchmesse - egal wie kurz oder lang - führt dazu, dass man umgehend eine dritte Kategorie einführt: Menschen, mit denen man auf einer Bühne sitzen möchte. Diese Menschen sollten im Optimalfall eine Mischung aus den Fahrstuhl-Menschen und den Urlaubs-Menschen sein. Pragmatisch genug, um trotz Technikproblemen und den lauten Geräuschen vom Nebenstand so zu tun, als führe man eine ganz normale Unterhaltung. Und unterhaltsam genug, dass dabei das Publikum nicht einschläft.

Solch ein Mensch ist erfreulicherweise die britische Bestsellerautorin Jojo Moyes, die gerade mit "Ein ganz neues Leben" die Fortsetzung ihres Erfolgsromans "Ein ganzes halbes Jahr" geschrieben hat und am Donnerstag am SPIEGEL-Stand war. Außerdem ist sie eine wirklich gute Liebesromanschreiberin, auch wenn sie selbst sagt, dass sie ja gar keine Liebesromane schreibe, sondern Romane, in denen es auch Liebesgeschichten gibt, und eine Feministin ist, die fordert, dass sich Frauen in der Öffentlichkeit nicht dauernd unter Wert verkaufen sollen.

Das war Ihre Messe, Frank Witzel

Ebenfalls solch ein Mensch ist übrigens Frank Witzel, der seit drei Tagen Buchpreisgewinner ist und sympathischerweise sagt, er wisse gar nicht genau, was er in diesen drei Tagen gemacht habe und werde das später anhand von Fotos und Interviews rekonstruieren. Um ihm die Arbeit zu erleichtern: Heute um 14 Uhr war er am SPIEGEL-Stand im Gespräch mit dem Literaturreporter Volker Weidermann und las aus einem Kapitel, das mit dem Satz beginnt: "Die Nazis sind an allem schuld."

Und zu diesen Menschen, mit denen man auf einer Bühne sitzen will, gehört auch der ukrainische Schriftsteller Serhij Zhadan, der über den Unterschied zwischen Literatur und Propaganda gesagt hat, Propaganda schaffe es nie, Menschen zu ziehen.

Außerdem trifft man auf der Buchmesse Menschen aus diesen Kategorien: Menschen, die gerne mit einem Visitenkarten tauschen möchten. Menschen, von denen man sich gern vorlesen lassen würde, egal was. Menschen, mit denen man gerne mal ein überteuertes Sandwich am Messe-Imbissstand essen würde. Menschen, die bemerkenswert große Mengen Kaffee trinken können. Menschen, die sich ungestresst durch schmale Gänge schieben können. Und jedejedejede Menge Menschen, von denen man gern wüsste, welches eigentlich ihr Lieblingsbuch ist:

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  • LITERATUR SPIEGEL - Oktober 2015

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