Frankfurter Buchmesse Merkel ruft zum Dialog mit China auf

Angela Merkel macht sich für einen offenen Dialog mit China stark. Sie fordere alle auf deutscher Seite auf, neugierig auf die Volksrepublik zu sein und keine Vorurteile zu haben, sagte die Kanzlerin bei der Eröffnung der Frankfurter Buchmesse.

Angela Merkel bei der Buchmesse: Neugierig auf China
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Angela Merkel bei der Buchmesse: Neugierig auf China


Frankfurt am Main - Die Kanzlerin richtet den Fokus auf China: Angela Merkel (CDU) hat zur Eröffnung der Frankfurter Buchmesse zum offenen Dialog mit der Volksrepublik aufgerufen. Sie fordere alle auf deutscher Seite auf, neugierig zu sein und keine Vorurteile zu haben, sagte Merkel. Zugleich mahnte sie China als Gastland der diesjährigen Buchmesse, seine globale Verantwortung anzunehmen.

Das politische und wirtschaftliche Gewicht Chinas sei "bemerkenswert gewachsen", damit aber auch die "globale Verantwortung" des Landes, sagte Merkel. China trage Verantwortung in Fragen des Wachstums, des nachhaltigen Wirtschaftens, der wirtschaftlichen und politischen Freiheit und damit auch der Meinungsfreiheit. Im Vorfeld der Messe hatte es bereits zahlreiche Debatten um Zensur und Menschenrechtsverletzungen in China gegeben. Merkel sagte lediglich, sie sei sicher, dass es keine Tabus in den Diskussionen geben werde.

Die Bundeskanzlerin hob zudem grundsätzlich die Bedeutung von Büchern für die Freiheit hervor. Diese hätten ein "großes freiheitliches Potenzial". Das habe sie als Bürgerin der DDR selbst erlebt. Bücher gefährdeten Diktaturen. Sie hätten auch eine wichtige Rolle beim Fall der Mauer und dem Überwinden des Kalten Krieges gespielt.

Der stellvertretende chinesische Staatspräsident Xi Jinping sprach sich ebenfalls für einen Dialog zwischen den Nationen und Kulturen aus. Er plädiere für den Aufbau einer harmonischen Welt, dazu sei ein intensiver Kulturaustausch ein wichtiger Weg.

Im Vorfeld der Buchmesse war es zu einem Eklat gekommen, als Teile einer chinesischen Delegation ein von der Buchmesse und dem "Organisationskomitee Ehrengast China" veranstaltetes Symposium verließen, als zwei - vorübergehend ausgeladene - Regimekritiker dort ein Statement abgaben. Der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Gottfried Honnefelder, sagte bei der Eröffnungsfeier am Dienstag an die Adresse von Xi Jinping, er setze in ihn die Hoffnung, dass Autoren und Verleger die "notwendige Freiheit für ihr Tun und Sein" gewährt werde.

Die Buchmesse öffnet ihre Tore ab Mittwoch zunächst für drei Tage nur den Fachbesuchern und am Wochenende dann auch dem breiten Publikum. Auf der Messe werden in diesem Jahr mehr als 7000 Aussteller aus hundert Ländern erwartet, davon allein mehr als 3000 aus Deutschland. Im vergangenen Jahr kamen knapp 300.000 Besucher zur weltgrößten Buchschau.

als/AFP



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