Frankfurter Buchmesse Schwarze Liste für antisemitische Bücher

Auf der Frankfurter Buchmesse kursierten im letzten Herbst antisemitische Bücher: Um ähnliche Vorfälle in Zukunft auszuschließen, hat das Simon-Wiesenthal-Zentrum den Veranstaltern der Messe jetzt eine schwarze Liste mit offen antijüdischen Titeln übermittelt.


Frankfurt/Main - Es waren unschöne Schlagzeilen, die am Ende der letzten Frankfurter Buchmesse durchsickerten. Die "Süddeutsche Zeitung" brachte die Geschichte zuerst: Iran präsentierte an seinen Ständen offen antisemitische Bücher. Unter dem Titel "Jewish Conspiracy" etwa wurde das Werk angepriesen, auf das Hitler seine antijüdische Propaganda stützte: Die "Protokolle der Weisen von Zion", eine Sammlung von gefälschten Geheimdokumenten über eine "jüdische Weltverschwörung".  

Buchmessechef Boos: "Es geht uns um den Dialog der Kulturen!"
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Buchmessechef Boos: "Es geht uns um den Dialog der Kulturen!"

Auch andere antisemitische Bücher kursierten auf der Messe: In der Abteilung für Übersetzung und Publikation der Islamischen Republik Iran stand Henry Fords "The International Jew" - ebenfalls ein Standardwerk der antisemitischen Literatur.

Die Leitung der Frankfurter Buchmesse hatte damals erst von den Vorfällen erfahren, als die Stände schon wieder abgebaut wurden. Die Konsequenzen haben die Veranstalter aber sofort gezogen. "Wir haben die Staatsanwaltschaft eingeschaltet, die ein Verfahren gegen unbekannt eingeleitet hat", sagte Jürgen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse heute zu SPIEGEL ONLINE.

Um die Messe vor weiteren Vorfällen dieser Art zu schützen, hat die jüdische Menschenrechtsorganisation, das Simon Wiesenthal Zentrum, nun eine "schwarze Liste" an die Frankfurter Buchmesse geschickt. Die sieben Titel, allesamt bei arabischen Verlagen erschienen, waren im Februar auf einer Messe im marokkanischen Casablanca präsentiert worden - darunter waren auch eine Neuauflage von Hitlers "Mein Kampf", Bücher, die den Juden die Verantwortung an den Anschlägen vom 11. September 2001 geben und Karten, von denen der Staat Israel getilgt ist. Die Frankfurter Buchmesse solle diese Verlage ausschließen, forderte Shimon Samuels, Direktor für Internationale Beziehungen des Simon-Wiesenthal-Zentrums.

"Bislang haben diese Verlage noch nie bei uns ausgestellt und sich auch für den Herbst noch nicht angemeldet", sagte Jürgen Boos zu SPIEGEL ONLINE. Dennoch wolle er auch über diese Bücher die Staatsanwaltschaft informieren. "Es ist nicht auszuschließen, dass die Verlage in Deutschland unter anderem Namen laufen." Es müsse nun geprüft werden, ob die entsprechenden Texte in Deutschland kursieren. "Wenn das so ist, werden sie in der Regel beschlagnahmt", so der Chef der Frankfurter Buchmesse.

Daran, Iran von der Buchmesse im Herbst auszuschließen, denkt Boos momentan nicht. "Es geht uns ja gerade um den Dialog der Kulturen", sagte er.

anr/dpa



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