Französischer Starautor: Houellebecq soll von Wikipedia kopiert haben

Wo hört das Zitat auf und fängt das Plagiat an? Mit dieser Frage muss sich der Verlag des französischen Bestsellerautors Michel Houellebecq beschäftigen. Dem Schriftsteller wird vorgeworfen, für sein neues Buch bei einer Online-Enzyklopädie abgeschrieben zu haben.

Schriftsteller Houellebecq: Verlag streitet Plagiat ab Zur Großansicht
AFP

Schriftsteller Houellebecq: Verlag streitet Plagiat ab

Paris - Kurz vor dem Erscheinen seines neuen Romans sieht sich der französische Bestsellerautor Michel Houellebecq mit Plagiatsvorwürfen konfrontiert. Er wird beschuldigt, für "La carte et le territoire", das am Mittwoch in Frankreich auf den Markt kommt, aus dem Internet abgeschrieben zu haben.

Passagen und Zitate sollen unter anderem von Wikipedia abgekupfert worden sein. Das Online-Magazin Slate.fr will dem Schriftsteller mindestens drei Passagen nachweisen können, die er der Online-Enzyklopädie entnommen haben soll, ohne die Quelle dafür zu nennen. Der Starautor weist die Anschuldigung als lächerlich zurück.

In einem am Montag auf der Internetseite der Wochenzeitung "Le Nouvel Observateur" veröffentlichten Interview sagte er: "Vielleicht ist das eine Technik der Beleidigung. Ein Wort wie Plagiat in den Mund zu nehmen, auch wenn es als Anklage lächerlich ist, wird immer irgendwelche Spuren hinterlassen."

Auch Houellebecqs französischer Verleger Flammarion äußerte sich empört über die Kritik. Der Autor verwende Notizen und offizielle Internetseiten als literarisches Rohmaterial, die er überarbeite und manchmal in seinen Romanen verwerte, erklärte das Verlagshaus der französischen Presse. "Wenn einige Stellen den Eindruck einer wortwörtlichen Übernahme erwecken, dann kann es sich nur um sehr kurze Zitate handeln. Das ist in keinerlei Weise ein Plagiat."

Das Buch wurde von französischen Kritikern im Vorfeld fast einstimmig gelobt. Es erzählt die Geschichte eines Malers, der Michel Houellebecq, einen "berühmten, ja weltberühmten Schriftsteller" bittet, einen Text für seinen Katalog zu schreiben.

Houellebecq gehört in Frankreich zu den bedeutendsten Schriftstellern der Gegenwart. Schon sein Debütroman "Ausweitung der Kampfzone" wurde in den Neunzigern zum gefeierten Bestseller. Mit dem später durch Bernd Eichinger verfilmten Zweitwerk " Elementarteilchen", das sich mit Themen wie Gentechnik und Pädophilie auseinandersetzt, versetzte Houellebecq das Land in Aufruhr.

can/dpa

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1. meine Güte..
zephyros 06.09.2010
..er hat es gewagt ein paar Sätzte von Wikipedia zu zitieren bzw. vergessen ein paar Fußnoten zu setzen, na und? Diese kleinkarierten Kritik-Fuzzis sollen erstmal selbst ein verkäufliches Buch schreiben..dann können sie von mir aus auch mal mitreden
2.
plastikjute 07.09.2010
Zitat von zephyros..er hat es gewagt ein paar Sätzte von Wikipedia zu zitieren bzw. vergessen ein paar Fußnoten zu setzen, na und? Diese kleinkarierten Kritik-Fuzzis sollen erstmal selbst ein verkäufliches Buch schreiben..dann können sie von mir aus auch mal mitreden
Haben Sie das Buch gelesen, um sich ein solches Urteil anmaßen zu können? Nach ihrer undifferenzierten Einlassung wohl kaum.
3. AbsÜrd!!!!
sklossek@gmail.com 07.09.2010
Ich habe Michel Mitte August in Spanien besucht und kann nur sagen, der Mann hat Besseres zu tun, als abzuschreiben. Zum Beispiel stundenlang mit mir zu schweigen, Clément, seinen Hund, auszuführen oder einfach ein bisschen desillusioniert zu sein. Aber das nur nebenbei. Es ist bekannt, dass die französische Presse ihm, sehr vorsichtig ausgedrückt, eher feindselig gegenübersteht. Man kann davon ausgehen, dass es gewisse Journalisten nur schwer verkraften, dass ihr Intellekt nicht an den eines Houellebecqs heranreicht. Deshalb muss ihm an den Karren gefahren, muss er klein gehalten werden, will man sich am Scheitern Anderer ergötzen. Zudem bricht Houellebecq viele Tabus und spricht mitunter Wahrheiten aus, die die Leute nicht so gerne hören. Also einfach mal locker werden und sich nicht mit Lächerlichkeiten abgeben. Global gesehen kann man einen ev. kopierten Satz aus Wikipedia getrost vernachlässigen. PS: Das ist kein Anti-Journalisten-Pamphlet, ich bin selber einer. Susann Klossek
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