Freispruch Houllebecq darf sagen, was er will

Der französische Autor Michel Houellebecq darf auch weiterhin den Islam als "dümmste Religion" bezeichnen, wenn er denn will. Ein Gericht in Paris sprach den Schriftsteller vom Vorwurf der rassistischen Beleidigung frei.


Autor Houellebecq: "Die dümmste Religion ist der Islam"
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Autor Houellebecq: "Die dümmste Religion ist der Islam"

Paris - Gleich vier muslimische Verbände Frankreichs hatten Houellebecq, Autor der provokanten Bestseller "Elementarteilchen" und "Plattform" verklagt. Rassistische Beleidigung und Beihilfe zur Anstiftung zum Rassenhass lauteten die Anklagepunkte, von denen der 44-Jährige nun am Dienstag frei gesprochen wurde.

Houellebecq wurde vor einem Jahr in einem Interview mit den Worten zitiert: "Die dümmste Religion ist doch der Islam." Er empfinde nur Hass dem Islam gegenüber, er sei "eine gefährliche Religion". Derart Unflätiges rief die muslimischen Institutionen auf den Plan. Der Rektor der Pariser Moschee, Daniel Boubakeur, sah in den Äußerungen eine Erniedrigung der Muslime und eine Beleidigung seiner Religion. Die Staatsanwaltschaft schloss sich Mitte September in der mündlichen Verhandlung jedoch der Auffassung Houellebecqs an, die Äußerungen richteten sich gegen den Islam, nicht gegen einzelne Gläubige.

Intellektuelle und Künstler sahen ob des Gerichtsverfahrens gegen den Autor prompt die Meinungsfreiheit gefährdet. In einer Petition für Houellebecq hieß es: "Eine Meinung über die Religion zu haben, eine der anderen vorzuziehen oder alle abzulehnen fällt unter das Recht auf freie Meinungsäußerung."

Die Unterstützer des in Irland lebenden Autors erklärten weiter, in dem Interview in der Zeitschrift "Lire" seien abschwächende Sätze Houellebecqs nicht widergegeben worden. Zudem habe sich das Gespräch um Romanfiguren gedreht. Der Anwalt des Autors, Emmanuel Pierrat, sagte, aus "Fragen seien Antworten" gemacht worden.

In der mündlichen Verhandlung warf Houellebecq dem "Lire"-Chefredakteur Pierre Assouline journalistische Fehler vor. Dieser hatte jedoch in seiner Zeitschrift betont, Houellebecq habe niemals den Inhalt des Interviews dementiert. "Alles, was in diesem Gespräch gesagt wurde, entspricht genau seinen Gefühlen, wenn nicht seinen Überzeugungen", so Assouline.



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