Freund von Helmut Schmidt Der Schriftsteller Daniil Granin ist tot

Daniil Granin schilderte in seinen Werken eindrucksvoll den Alltag im Zweiten Weltkrieg. 2014 sprach er im Deutschen Bundestag über seine Kriegserfahrungen. Jetzt ist der russische Autor gestorben.

Daniil Granin im Jahr 2015
DPA

Daniil Granin im Jahr 2015


Daniil Granin ist gestorben. Der russische Schriftsteller starb im Alter von 98 Jahren in einem Krankenhaus in seiner Heimatstadt St. Peterburg. Das meldet die russische Nachrichtenagentur Interfax.

Granin, dessen literarische Karriere 1949 begann, gehörte zu den leise kritischen Stimmen in der Sowjetunion. In Erzählungen wie "Die eigene Meinung" kritisierte Granin, selbst Mitglied der KPdSU, nicht die Politik direkt, sondern das Beamtentum. Der ausgebildete Ingenieur schrieb über Wissenschaftler, das Alltagsleben und den Zweiten Weltkrieg, zudem war er für seine Reiseerzählungen bekannt. In der DDR wurde Granin früh gelesen (1983 bekam er den Heinrich-Heine-Preis), im Westen fanden seine Bücher erst in den Neunzigerjahren ein größeres Publikum.

Der 1919 in St. Petersburg geborene Schriftsteller meldete sich 1941 in seiner Heimatstadt freiwillig und wurde Panzeroffizier. Über seine Erfahrungen im Zweiten Weltkrieg sprach und schrieb Granin eindrücklich. 2011 veröffentlichte er den Roman "Mein Leutnant", in dem er beschreibt, wie er als junger Mann nur mit einem Moltowcocktail bewaffnet in den Kampf zog.

Das Buch erschien 2015 mit einem Vorwort von Helmut Schmidt auf Deutsch. Die beiden hatten sich 1941 als Feinde gegenübergestanden. Im Jahr 2014 lernten sie sich persönlich kennen und schlossen Freundschaft, als Granin anlässlich des Tages des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus im Deutschen Bundestag sprach. In seiner Rede schilderte er sehr genau die haarsträubenden Auswirkungen der Blockade von Leningrad, bei der bis 1944 über eine Million Menschen starben.

In einem SPIEGEL-Gespräch sagte Granin im Jahr 2015: "Ein Schriftsteller fängt an zu schreiben, weil er den Schmerz nicht mehr erträgt, den Schmerz der Erinnerung." Und: "Es gibt doch nichts Wertvolleres als ein Menschenleben, gar nichts. Das ist das Einzige, was wir geschenkt bekommen."

kae/dpa

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.