Gefälschte Holocaust-Memoiren Erfolgsautorin gesteht Betrug

Die Autorin Misha Defonseca hatte behauptet, beschützt von einem Wolfsrudel den Holocaust überlebt zu haben. Nun gab sie zu, ihre Autobiografie sei eine Fälschung. Ihr Buch wurde gerade verfilmt.


Brüssel - Die Geschichte klingt spektakulär: Misha Defonseca, belgische Bestseller-Autorin, hatte in ihrem Buch "Survivre avec les Loups" ("Überleben unter Wölfen") geschrieben, sie sei als Achtjährige mit einem Wolfsrudel quer durch Europa gezogen. So sei sie der Gestapo entkommen und hätte den Holocaust überlebt. Ihre Autobiografie war in Belgien und Frankreich sehr erfolgreich und wurde gerade verfilmt. Heute räumte die in den USA lebende Autorin über ihren Anwalt ein, ihre Geschichte sei frei erfunden.

"Überleben mit den Wölfen" von Autorin Defonseca: Alles Lüge
AFP

"Überleben mit den Wölfen" von Autorin Defonseca: Alles Lüge

Sie sei weder Jüdin, teilte Defonseca in einer von der belgischen Zeitung "Le Soir" veröffentlichten Erklärung mit, noch sei sie als Kind auf der Suche nach ihren von der Gestapo deportierten Eltern zu Fuß von Belgien bis nach Polen gewandert. Dabei, so hatte sie in ihrem Buch behauptet, sei sie auf ein Wolfsrudel gestoßen, das sie geschützt und sozusagen adoptiert habe.

Ans Licht gekommen waren ihre Lügen durch die belgische Zeitung "Le Soir", die in Brüssel eine Cousine der Autorin ausfindig gemacht hatte. Die Cousine stellte Defonsecas gesamte Geschichte in Frage.

In ihrer Stellungnahme räumte Defonseca ebenfalls ein, sie heiße in Wahrheit Monique De Wael. Ihre Eltern seien tatsächlich von der Gestapo verhaftet worden, sie seien allerdings keine Juden gewesen, sondern seien beim belgischen Widerstand gewesen. Sie selbst sei als Vierjährige zu Verwandten gebracht worden. "Ich fühlte mich anders. Seither fühlte ich mich als Jüdin, und später bin ich mit mir selber ins Reine gekommen, weil mich die jüdische Gemeinschaft akzeptierte", sagte sie.

Als verwaistes Kind habe sie sich ein Leben fern von den Menschen gewünscht, erklärte die Schriftstellerin weiter. "Deshalb habe ich mich für Wölfe begeistert. (...) und ich habe alles miteinander vermischt. Es gibt Augenblicke, in denen es mir schwerfällt zu unterscheiden, was tatsächlich geschehen ist und was sich nur in meinem inneren Universum ereignet hat", erklärte Defonseca ihre gefälschte Biografie. Die Geschichte in ihrem Buch sei "nicht die wirkliche Realität, aber das war meine Realität, meine Methode zu überleben."

Die in Frankreich, Belgien und Deutschland gedrehte Lebensverfilmung läuft derzeit in den belgischen Kinos.

cc/ AP



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