Literatur Lyriker Jan Wagner erhält Georg-Büchner-Preis

Die wichtigste literarische Auszeichnung Deutschlands, der Georg-Büchner-Preis 2017, geht an den Lyriker Jan Wagner - denn er zeige die Welt, "als sähe man sie zum ersten Mal".

Lyriker Jan Wagner
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Lyriker Jan Wagner


Der Lyriker Jan Wagner bekommt den Georg-Büchner-Preis 2017. Das teilte die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung am Dienstag in Darmstadt mit. Der mit 50.000 Euro dotierte Preis gilt als wichtigste literarische Auszeichnung in Deutschland und wird am 28. Oktober in Darmstadt verliehen.

Die Jury begründete ihre Entscheidung mit der "spielerischen Sprachfreude und meisterhaften Formbeherrschung, musikalischen Sinnlichkeit und intellektuellen Prägnanz".

Weiter heißt es in der Begründung: "Aus neugierigen, sensiblen Erkundungen des Kleinen und Einzelnen, mit einem Gespür für untergründige Zusammenhänge und mit einer unerschöpflichen Phantasie lassen sie Augenblicke entstehen, in denen sich die Welt zeigt, als sähe man sie zum ersten Mal."

Wie die Jury in ihrer Entscheidung für den 45 Jahre alten Wagner weiter ausführte, entstanden die Werke des in Berlin lebenden Dichters zwar im Dialog mit großen lyrischen Traditionen, sind aber doch ganz und gar gegenwärtig: "Seine Gedichte erschließen eine Wirklichkeit, zu der Naturphänomene ebenso gehören wie Kunstwerke, Sujets der Lebens- wie der Weltgeschichte, erste Fragen und letzte Dinge."

Jan Wagner wurde 1971 in Hamburg geboren und wuchs in Ahrensburg in Schleswig-Holstein auf. Er studierte Anglistik an der Universität Hamburg, am Trinity College in Dublin und an der Humboldt-Universität Berlin.

Sein Werk umfasst Gedichtbände, Essays und Kritiken, Anthologien und Übersetzungen zeitgenössischer englischsprachiger Lyrik. 2001 erschien mit "Probebohrungen im Himmel" sein lyrisches Debüt. Es folgten die von der Literaturkritik viel beachteten Gedichtbände "Guerickes Sperling" 2004, "Achtzehn Pasteten" 2007, "Australien" 2010 und "Die Eulenhasser in den Hallenhäusern" 2012. 2014 veröffentlichte er die "Regentonnenvariationen", für die er den Leipziger Buchpreis erhielt; zum ersten Mal ging dieser Preis an einen Lyriker. Im letzten Jahr erschien "Selbstporträt mit Bienenschwarm. Ausgewählte Gedichte 2001-2015".

In der SPIEGEL-Bestsellerkolumne schrieb Sebastian Hammelehle über Wagners "Regentonnenvariationen": "Wagner ist ein gebildeter, gut vernetzter Autor, der sich häufig auf andere Dichter bezieht - und den Leipziger Preis wahrscheinlich stellvertretend für eine ganze Generation bekommen hat."

Kritisch äußerte sich der damalige SPIEGEL-ONLINE-Kolumnist Georg Diez 2015 zu Wagner, als dieser den Preis der Leipziger Buchmesse erhielt: Er nannte die "Regentonnenvariationen" des Dichters "eine Poetologie der Überflüssigkeit, der Selbstabschaffung, ein Offenbarungseid vor der Gegenwart, zu der es, so scheint es, nichts zu sagen gibt. "

Im vergangenen Jahr erhielt der Schriftsteller Marcel Beyer den Büchner-Preis, 2015 ging die Auszeichnung an den Berliner Schriftsteller Rainald Goetz. Unter den bisherigen Preisträgern sind die renommiertesten Namen der deutschsprachigen Literatur zu finden: Ausgezeichnet wurden ebenfalls Gottfried Benn (1951), Erich Kästner (1957), Heinrich Böll (1967), Hermann Kesten (1974) und Friedrich Dürrenmatt (1986).

cpa/dpa



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