Georg-Büchner-Preis Volker Braun wird ausgezeichnet

Der Berliner Lyriker, Erzähler und Dramatiker Volker Braun erhält in diesem Jahr den mit 60.000 Mark dotierten Georg-Büchner-Preis.


Volker Braun erhält in diesem Jahr den Georg-Büchner-Preis
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Volker Braun erhält in diesem Jahr den Georg-Büchner-Preis

Krakau - Die Jury der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung traf die Entscheidung bei ihrer Frühjahrstagung in Krakau.

Der aus Dresden stammende Volker Braun machte zu DDR-Zeiten mit kritischen Theaterstücken und Romanen immer wieder Missstände der sozialistischen Gesellschaft zum Thema, ohne aber deren ideologische Grundlagen in Frage zu stellen. An seiner Utopie einer idealen Welt im kommunistischen Sinne hielt er fest.

Die DDR-Führung nahm Brauns Kritik am real existierenden Sozialismus misstrauisch auf; seine Werke konnten oft erst mit jahrelanger Verzögerung erscheinen. Dennoch erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, im Jahre 1988 sogar den Nationalpreis erster Klasse der DDR. Die Solidaritätsadresse für den aus der DDR ausgebürgerten Liedermacher Wolf Biermann unterzeichnete auch Volker Braun; allerdings wollte er keine "Kluft zwischen uns (DDR-Schriftstellern) und unserer Partei konstruieren".

Zu den bekanntesten Werken des 60-Jährigen gehören die Dramen "Die Kipper", "Übergangsgesellschaft", "Transit Europa" und "Lenins Tod". Braun verfasste auch den "Hinze-Kunze-Roman" (1985) sowie mehrere Gedichtbände wie "Lustgarten Preußen" (1996) oder "Tumulus" (1999).

Nach der deutschen Wiedervereinigung veröffentlichte er 1995 den Roman "Der Wendehals", in dem ein Dialog zwischen einem "Ich" ("arbeitslos, wie alle Weltanschauer und Veränderer hier") und einem "Er", dem Wendehals, geführt wird. In dem 1992 in Frankfurt uraufgeführten Theaterstück "Iphigenie in Freiheit" heißt es kritisch: "Wir in der früheren DDR haben eine Vergangenheit. Die westliche Gesellschaft hat sich wie ein Lavastrom darüber gewälzt. Dabei sollten sich die unterschiedlichen Erfahrungen aneinander reiben."

Brauns eigene Vergangenheit ist sowohl von Erfahrungen aus der Arbeits- wie auch der Theaterwelt geprägt. Nach dem Abitur bekam er keinen Studienplatz und arbeitete zunächst in einer Druckerei, dann im Tiefbau des Kombinats "Schwarze Pumpe". 1959/60 wurde er als Maschinist für Tagebau-Großgeräte ausgebildet. Vier Jahre später nahm er ein Philosophiestudium in Leipzig auf. Im Jahr 1965 zog er nach Berlin. 1965/66 war Braun Dramaturg beim Berliner Ensemble und von 1972 an Mitarbeiter des Deutschen Theaters Berlin. Ende der siebziger Jahre kehrte Braun als Hausautor zum Berliner Ensemble zurück.

Mitte der sechziger Jahre begann Braun sein schriftstellerisches Schaffen mit Lyrik. Im Westen wurde er 1965 bekannt, als er an einem Treffen zum Thema Ost-West-Lyrik teilnahm. Seine Dramen wurden von westdeutschen Theatern Anfang der siebziger Jahre entdeckt und in teils umstrittenen Aufführungen auf die Bühne gebracht. Für das laufende Wintersemester hat Braun die Brüder-Grimm-Professur an der Gesamthochschule Kassel übernommen.



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