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"Game of Thrones"-Schöpfer George R.R. Martin: Platt ist Trumpf

Von Maren Keller

Mit seinem Fantasy-Epos "Das Lied von Eis und Feuer" lieferte George R.R. Martin die Vorlage zum Serienhit "Game of Thrones". Jetzt erscheint eine Ausgabe der Reihe "Wild Cards" in Deutschland - und offenbart eine platte Weltsicht.

Serie "Wild Cards": Keine Immunität für Helden Fotos
Parris

George Raymond Richard Martin wird grundsätzlich nur mit zwei Männern verglichen: mit dem Weihnachtsmann oder mit Tolkien. Das mit dem Weihnachtsmann liegt am weißen Bart, der längst zu einem Markenzeichen geworden ist, wie auch die Schiffermütze oder die Hosenträger, die Martin oft trägt. Und das mit Tolkien liegt eben an seinem Fantasy-Epos "Das Lied von Eis und Feuer", das längst zu einer Marke geworden ist.

Spätestens seitdem die spektakuläre HBO-Verfilmung "Game of Thrones" so lässig Rekorde aufgestellt hat wie Arya Stark mit dem Schwert tanzt, ist der Name Martin so eng mit Westeros verknüpft, dass es schwer vorstellbar ist, dass Martin je etwas anderes getan hat. Hat er aber natürlich doch.

In den Achtzigerjahren hat er sich mit einer Reihe befreundeter Science-Fiction- und Fantasy-Autoren eine Welt mit alternativer Geschichte gebaut, in der nach einem Alien-Angriff ein rätselhaftes Virus freigesetzt worden ist. Wer von ihm befallen wird, stirbt sehr wahrscheinlich. Wer überlebt, ist danach nicht mehr derselbe: Joker werden die Menschen genannt, die sich nur körperlich verändert haben. Asse werden die Menschen genannt, die plötzlich über neue Fähigkeiten verfügen wie unter Wasser zu atmen. Oder zu fliegen. Weil das Virus so unberechenbar ist wie Glücksspiel, wird es von den Menschen Wild-Cards-Virus genannt. Und so heißt auch die Serie.

Zwei Rollenspiele, mehrere Comics und 21 Bücher als Gemeinschaftswerke verschiedener Autoren sind bis heute in den USA erschienen, die in der "Wild Cards"-Welt spielen. Der letzte Schwung von ihnen ab 2008 bei einem neuen Herausgeber und mit einer Reihe neuer, junger Fantasy-Autoren wie Carrie Vaughn oder Daniel Abraham an Martins Seite. Das 18. Buch erscheint nun auch auf Deutsch unter dem Titel "Das Spiel der Spiele".

Kampf der Kuscheltiere

Klingt kompliziert. Tatsächlich kann man es aber auch lesen, ohne einen Satz aus den Comics, dem Rollenspiel oder den anderen Büchern zu kennen. Wie den Auftakt zu einer eigenen neuen Serie. Und so wird "Das Spiel der Spiele" auch vom deutschen Verlag positioniert. In diesem ersten Band könnten die Joker im nahen Osten dringend ein paar Helden gebrauchen, weil sie von der ägyptischen Regierung vertrieben und ermordet werden, nachdem ein Terrorist aus den Reihen der Joker beschuldigt wird, den in dieser Welt herrschenden Kalifen umgebracht zu haben. Währenddessen treten in einer US-Castingshow mehr als 20 Asse gegeneinander an. Inklusive geschickt lancierter Affären und Skandale und Rauswahl-Rituale und Zickereien. Denn nur einer kann selbstverständlich die Siegerprämie gewinnen. Und nur einer kann "America's Next Superhero" werden.

"Wild Cards" muss sich an der Frage messen lassen, ob die Serie mit "Das Lied von Eis und Feuer" mithalten kann. Und die Antwort darauf ist eigentlich ein Nein. Denn der Unterschied zwischen "Das Lied von Eis und Feuer" und "Wild Cards" ist ungefähr so groß wie der zwischen einer mittelalterlichen Burg und dem Dornröschen-Schloss im Disneyland. Vieles von dem, wofür "Das Lied von Eis und Feuer" geliebt wird, fehlt im "Wild Cards"-Universum. Es gibt keine Ungewissheit darüber, wer überleben mag, weil "Wild Cards" sich dafür viel zu stark an die Normen des Helden-Genres hält, die ihren Protagonisten nun einmal Immunität garantiert. Es gibt mit Ausnahme eines undurchsichtigen Agenten keine changierenden Charaktere, sondern nur böse Böse und gute Gute und viele Klischees. Der Deutsche heißt Klaus. Die Muslime sind schuld. Es gibt keine Andeutungen und Auslassungen. Es geht über weite Teile des Buchs nicht einmal um lebensbedrohliche Intrigen, sondern nur um den Gewinn einer Castingshow und den Wunsch, so etwas wie eine eigene Mission zu finden.

Vielleicht sind das aber auch gar keine Fehler der Serie, sondern vielleicht ist die Frage falsch. Vielleicht ist die richtige Frage eher, ob sie sich überhaupt an "Das Lied von Eis und Feuer" messen lassen muss. Denn man kann "Wild Cards" auch einfach als großen, exzentrischen Spaß für Nerds lesen.

Wenn es stimmt - wie es oft heißt - dass "Das Lied von Eis und Feuer" Fantasy ist, für Leser, die eigentlich keine Fantasy mögen, dann ist "Wild Cards" nur für Leser, die Fantasy lieben. Für Leser, die sich darüber freuen, wenn ganz selbstverständlich und ohne weitere Erklärung auf den sprechenden Hut referiert wird. Für Leser, die auf einige der ungewöhnlichsten Superhelden der Popkultur gespannt sind: einen sechsarmigen Schlagzeugspieler mit Trommelfell auf der Brust, der aus Liebeskummer zum Aufreißer geworden ist! Ein kleines Mädchen, das gigantische Kampfversionen seiner Kuscheltiere zum Leben erwecken kann! Einen rührend ungelenken Blechmann, der alles Metall zum Verrosten bringt, das er berührt - sofern er es nicht vorher aus Versehen mit seinen dicken Fingern zerquetscht hat.

Wenn man es schafft, "Wild Cards" ohne die falsche Frage im Kopf zu lesen, dann wird man davon so gut unterhalten sein wie von einem Feuerwerk über dem Dornröschenschloss im Disneyland.

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insgesamt 14 Beiträge
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1. bezahlter Artikel?
spätaufsteher 27.08.2014
Weil der Verlag mit dem alten "[berühmter Name] präsentiert"-Trick eine allenfalls für Nerds interessante Buchreihe nun in Deutschland rausbringt, schreibt der SPON darüber einen Artikel?!? Hat der Verlag für den Artikel bezahlt oder hielt die SPON-Redaktion diese "Neuigkeit" von ganz alleine für berichtenswert?
2. Dämliche Clickbait-Überschrift
serenity2012 27.08.2014
Dass orientalische "Terroristen" jeder Couleur in der US-Popkultur den bösen Russen des kalten Krieges und den bösen deutschen Nazi abgelöst haben, ist nun wirklich kalter Kaffee. Eine etwas weniger reißerische blöde Überschrift wäre bei der Rezension von "Wild Cards" also angebracht gewesen.
3. Äpfel mit Korinthen verglichen
bildermensch 27.08.2014
Oh Mann, manchmal geht einem die Geschwätzigkeit mancher Redakteure ziemlich auf den Sender. Wild Cards mit GoT zu vergleichen ist der sowas von an den Haaren herbeigezogene Versuch einen Beitrag zu schreiben, der sich an Martins Namen und GoT anlehnt. GoT ist Mainstream (jetzt) und "Wild Cards" ist ein Hardcore Genre Projekt das von vielen Autoren basierend auf einer Konzeptidee gestaltet wird. Zudem ist es SF während GoT Fantasy ist. Unglaublich oberflächlicher und sowas von an den Haaren herbeigezogner Beitrag ... schäm dich SPON!
4. Irreführend
Blue1078 27.08.2014
Was haben diese beiden Buchreihen miteinander zu tun? Was hat ein ehemaliger Autor mit den aktuell erscheinenden Titeln zu tun? Nichts. Ist genauso wenn man Spiegel und Bild vergeleicht und den Artikel mit der Überschrift versieht: "Spiegel-Mitarbeiter offenbart Schlagzeilen-Geheimnis der Bild (von vor 20 Jahren)"
5. Klassentreffen...
tkosi 27.08.2014
..der Wild Cards Fans. Tut mir leid Jungs das euch jemand euer Buch/Spiel schlecht macht. Ich hätte da noch ein paar Fantasie-Buchtyps für euch: Terry Prachett...hat bestimmt nichts mit der Waffenlobby zu tun. und Dan Simmons (z.B. Flashback) ..der gar nicht für den rechten Flügel der Teaparty schreibt...nein nie. Also...man muß beim Lesen nicht unbedingt das Denken ausschalten ..ist doch kein Computerspiel oder Film.
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