Linker Schriftsteller und Politiker Gerhard Zwerenz ist tot

Die DDR verließ er 1957, doch sie blieb ein Thema für den Schriftsteller Gerhard Zwerenz. In den Neunzigern saß er dann für die PDS im Bundestag. Nun ist der Autor im Alter von 90 Jahren gestorben.

Gerhard Zwerenz (bei Talkshow-Auftritt 1994): Autor und (Kurzzeit-) Abgeordneter
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Gerhard Zwerenz (bei Talkshow-Auftritt 1994): Autor und (Kurzzeit-) Abgeordneter


Gerhard Zwerenz ist tot. Der Autor starb am Montagmorgen im Alter von 90 Jahren nach längerer Krankheit, wie seine Frau der Deutschen Presse-Agentur sagte.

Zwerenz gehörte in den Siebzigerjahren zu den bekanntesten Autoren der westdeutschen Linken. Zu seinem Werk zählten mehr als 100 Bücher - von Romanen über Krimis und Kinderbücher bis zu erotisch-pornografischen Texten.

Seine ersten Veröffentlichungen hatte der im sächsischen Gablenz geborene Zwerenz in der DDR-Presse (in der "Weltbühne" und im "Sonntag"), aber er schrieb auch für das Kabarett "Die Pfeffermühle" in Leipzig. Seine kritische Haltung zur staatlichen Politik führte zu 1957 zu seinem Ausschluss aus der SED, woraufhin Zwerenz bald in die Bundesrepublik übersiedelte.

Hier sorgte er 1959 mit "Die Liebe der toten Männer" für Aufsehen, einer romanhaften Gestaltung des DDR-Aufstands vom 17. Juni 1953. 1966 gelang ihm ein Bestseller mit "Casanova oder Der Kleine Herr in Krieg und Frieden". Auch als "handfester Pornograph" betätigte sich Zwerenz, Texte von ihm erschienen nicht nur in "Konkret", sondern auch im "Playboy".

Zwei seiner Werke sorgten für größeres gesellschaftliches Aufsehen: In seinem Buch "Die Erde ist unbewohnbar wie der Mond" entwarf er die Figur eines jüdischen Spekulanten, die ihm den Vorwurf des Antisemitismus' einbrachte. Das Buch war die Vorlage für Rainer Werner Fassbinders umstrittenes Stück "Der Müll, die Stadt und der Tod", das 1985 wegen Protesten abgesetzt wurde. 1988 löste Zwerenz' Essay "Soldaten sind Mörder" einen Skandal aus.

Für die SED-Nachfolgepartei PDS saß er von 1994 bis 1998 im Bundestag. Seine Zeit als Abgeordneter verarbeitete er in dem Buch "Krieg im Glashaus oder der Bundestag als Windmühle". Erst am 3. Juni hatte Zwerenz seinen 90. Geburtstag gefeiert.

feb/dpa



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