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Suhrkamp Verlag: Gericht billigt Umwandlung in Aktiengesellschaft

Suhrkamp-Bücher: Medienunternehmer Barlach verliert Mitspracherecht Zur Großansicht
DPA

Suhrkamp-Bücher: Medienunternehmer Barlach verliert Mitspracherecht

Ein weiterer Schritt zur Suhrkamp-Rettung: Ein Gericht hat die Umwandlung des Verlags in eine Aktiengesellschaft bestätigt. Damit soll der Machtkampf zwischen Verlagschefin und Miteigentümer beendet werden.

Berlin - Das Amtsgericht Berlin-Charlottenburg hat die Umwandlung des insolventen Suhrkamp Verlags in eine Aktiengesellschaft gebilligt. Das teilte der gerichtlich bestellte Sachwalter Rolf Rattunde der Nachrichtenagentur dpa mit. Im Oktober hatten die Gläubiger des Traditionsverlags den Sanierungsplan bereits angenommen.

Mit der neuen Gesellschaftsform soll der jahrelange Machtkampf zwischen Verlagschefin Ulla Unseld-Berkéwicz und dem Miteigentümer Hans Barlach beendet werden. Unseld-Berkéwicz, die über ihre Familienstiftung mit 61 Prozent am Verlag beteiligt ist, hatte angestrebt, das Unternehmen durch die Insolvenz von einer Kommandit- in eine Aktiengesellschaft umwandeln.

Barlach, der 39 Prozent der Anteile hält, verliert dadurch weitreichende Mitspracherechte. Er hat allerdings noch eine zweiwöchige Beschwerdefrist.

Erst Mitte November war ein anderer juristischer Showdown zwischen Unseld-Berkéwicz und Barlach abgewendet worden. Eine Kammer des Landgerichts Frankfurt am Main lehnte die wechselseitigen Klagen der Parteien auf Ausschluss aus der Verlagsgesellschaft ab. Nach Ansicht des Gerichts ist ein Ausschluss einzelner Gesellschafter nicht möglich, wenn beide Seiten schwere Pflichtverletzungen begangen haben. Dies sei in diesem Fall gegeben.

vks/dpa

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Suhrkamp: Umwandlung in Aktiengesellschaft geplant
Suhrkamp
Chronologie des Machtkampfs
Im Suhrkamp Verlag schwelt seit Jahren ein Kampf zwischen den Gesellschaftern. Verlegerin Ulla Unseld-Berkéwicz hält heute 61 Prozent der Anteile, der Unternehmer Hans Barlach den Rest. Inzwischen geht es um die Existenz des traditionsreichen Verlags, der 2010 von seinem langjährigen Stammsitz in Frankfurt am Main nach Berlin zog.
2014
24. Oktober: In einem endgültigen Beschluss vom 20. Oktober weist das Landgericht die Beschwerde schließlich zurück. Es gibt damit grünes Licht für das Sanierungskonzept von Unseld-Berkéwicz.

21. Juli: Der Bundesgerichtshof teilt mit, er habe die beiden Entscheidungen der Vorinstanz aufgehoben, das Landgericht müsse neu über die Zulässigkeit der Beschwerde befinden.

30. Januar: Barlach legt Beschwerde gegen das Sanierungskonzept ein, die im Februar und im April in zwei Entscheidungen vom Landgericht zurückgewiesen wird.

15. Januar: Das Amtsgericht Berlin-Charlottenburg billigt die Umwandlung des Verlags in eine Aktiengesellschaft. Die Kammer bestätigt damit die Zustimmung der Gläubiger zum Insolvenzplan.
2013
13. November: Unseld-Berkéwicz und Barlach scheitern mit dem Versuch, sich gegenseitig als Gesellschafter des Verlags auszuschließen. Das Landgericht Frankfurt weist zwei entsprechende Klagen zurück, stellt jedoch fest, dass beide Seiten erhebliche Treuepflichtverletzungen zum Nachteil des Verlags begangen hätten.

22. Oktober: Eine zweite Gläubigerversammlung entscheidet über den Insolvenzplan, der diese Umwandlung vorsieht.

12. Oktober: Barlach kündigt an, auf Schadenersatz zu klagen, sollte der Verlag wirklich in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden.

3. Oktober: Das Oberlandesgericht Frankfurt hebt die Entscheidung vorläufig auf, nach der Unseld-Berkéwicz nicht über den Insolvenzplan abstimmen darf.

1. Oktober: Eine erste Gläubigerversammlung votiert weitgehend einvernehmlich für die Fortsetzung des Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung.

26. September: Fast 200 renommierte Suhrkamp-Autoren drohen Barlach mit einem Ausstieg aus dem Verlag, sollte er «maßgeblichen Einfluss» auf das Haus behalten - u.a. Sibylle Lewitscharoff, Hans Magnus Enzensberger, Durs Grünbein und Uwe Tellkamp.

10. September: Das Landgericht Frankfurt verbietet der Verlegerin in einer einstweiligen Verfügung, bei der Gläubigerversammlung ihrem eigenen Insolvenzplan zuzustimmen.

6. August: Das Amtsgericht Berlin-Charlottenburg eröffnet das Insolvenzverfahren. Auf Vorschlag von Unseld-Berkéwicz soll der Verlag von einer Kommandit- in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden. Barlach verlöre dadurch weitreichende Mitspracherechte.

27. Mai: Der Verlag beantragt eine Unternehmenssanierung nach dem neuen Insolvenzrecht. Das sogenannte Schutzschirmverfahren soll verhindern, dass Gewinne an die Anteilseigner ausgezahlt werden.

24. April: Verlagschefin Ulla Unseld-Berkéwicz kassiert eine weitere Niederlage: Das Landgericht Frankfurt am Main gibt einer Klage der Medienholding AG des Minderheitsgesellschafters Hans Barlach statt, strittig waren Informationsrechte und Gesellschafterbeschlüsse.

20. März: Das Landgericht Frankfurt am Main verurteilt die von der Suhrkamp-Chefin geführte Familienstiftung zur Zahlung von knapp 2,2 Millionen Euro an Barlach. Es geht um den Bilanzgewinn von 2010 und die Erlöse aus dem Verkauf des Frankfurter Verlagsgebäudes und des Verlagsarchivs.

13. Februar: Das Landgericht Frankfurt am Main vertagt das Verfahren. Es verweist auf die außergerichtlichen Vermittlungsbemühungen und bestimmt den 25. September als weiteren möglichen Verhandlungstermin.

8. Februar: Barlach beharrt als Voraussetzung für einen Kompromiss auf dem Rückzug der Geschäftsführung.

24. Januar: Die Suhrkamp-Chefin lehnt einen Rücktritt ab.

10. Januar: In einem Appell ergreifen mehr als 70 renommierte Autoren Partei für Verlegerin Unseld-Berkéwicz.

4. Januar: Mehr als 160 Wissenschaftsautoren des Suhrkamp Verlags fordern eine gütliche Lösung im Gesellschafterstreit.
2012
30. Dezember: Barlach verlangt für eine Mediation den Rückzug der Familienstiftung aus der Geschäftsführung.

17. Dezember: Es wird bekannt, dass der frühere Kulturstaatsminister Michael Naumann nach dem Wunsch der Familienstiftung im Streit vermitteln soll. Barlach lehnt ihn als Mediator aber ab. Suhrkamp zeigt sich trotzdem weiter gesprächsbereit.

15. Dezember: Renommierte Suhrkamp-Autoren wie Uwe Tellkamp stellen sich hinter Unseld-Berkéwicz und drohen mit einem Wechsel des Verlags, falls Barlach dort die Macht bekommt.

13. Dezember: Barlach verlangt eine neue Geschäftsführung.

10. Dezember: Ulla Unseld-Berkéwicz wird per Gerichtsbeschluss als Geschäftsführerin des Suhrkamp Verlags abberufen. Das Landgericht Berlin setzt damit einen entsprechenden Beschluss der Gesellschafterversammlung vom November 2011 rückwirkend in Kraft. Die Verlegerin soll wegen der Anmietung von Räumen im Privathaus auch 282.500 Euro Schadensersatz an den Verlag zahlen. Sie legt Berufung ein.

5. Dezember: Die zerstrittenen Gesellschafter verlangen vor einer Handelskammer des Landgerichts Frankfurt am Main, sich gegenseitig auszuschließen. Sollte es dazu nicht kommen, müsse der Verlag aufgelöst werden, verlangt Barlach.
2011
Barlach verklagt die Geschäftsführung unter anderem, weil sie Firmengelder veruntreut haben soll. Er wirft Unseld-Berkéwicz vor, mit Geld des Verlags in ihrem Privathaus im Berliner Stadtteil Nikolassee Räume für Lesungen und Autoren zu mieten, ohne ihn als Mitgesellschafter vorher zu fragen.
2009
Joachim Unseld verkauft seine Beteiligung am Verlag. Sein 20-Prozent-Anteil geht zu gleichen Teilen an die Familienstiftung und Barlachs Medienholding. 2010: Der Verlag verlegt seinen Sitz von Frankfurt am Main nach Berlin.
2006
Der Medienunternehmer Hans Barlach kauft den 29-Prozent-Anteil des Schweizers Andreas Reinhart gemeinsam mit dem Hamburger Investmentbanker Claus Grossner. Das Geschäft wird gegen den Willen der Verlagschefin ausgehandelt.
2002
Nach dem Tod von Suhrkamp-Leiter Siegfried Unseld gehen seine Anteile (51 Prozent) an eine Familienstiftung. Diese leitet seine Witwe Ulla Unseld-Berkéwicz. 20 Prozent des Verlags gehören Unselds Sohn Joachim, der Rest (29 Prozent) dem Schweizer Investor Andreas Reinhart. 2003: Unseld-Berkéwicz übernimmt die Geschäftsführung. Es gibt auf vielen Ebenen Streit um Kompetenzen.


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