Gonzo-Journalismus: US-Autor Hunter S. Thompson tötet sich mit Kopfschuss

Der amerikanische Autor Hunter S. Thompson, einer der Kultschreiber der Hippie-Bewegung, ist tot. Nach Angaben seines Sohnes hat er sich in der Nacht zum Sonntag in seiner Wohnung im US-Bundesstaat Colorado in den Kopf geschossen.

Autor Thompson (1981): Bekennender Telefonmuffel
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Autor Thompson (1981): Bekennender Telefonmuffel

Los Angeles - Einem Polizeibericht zufolge nahm sich der Schriftsteller im Alter von 67 Jahren in seinem Wohnort Woody Creek bei Aspen im US-Staat Colorado das Leben. Thompson soll sich in der Nacht zum Sonntag (Ortszeit) in den Kopf geschossen haben. "Wir können bestätigen, dass Hunter Thompson am Abend tot aufgefunden wurde. Er starb an einer Verletzung, die er sich offenbar selbst zugefügt hatte", sagte Tricia Louthis, Sprecherin des Sheriff-Büros von Pitkin County.

Thompsons Sohn Juan veröffentlichte in der "Aspen Daily News" eine Erklärung im Namen der Familie des Schriftstellers: "Hunter hat seine Privatsphäre geschätzt und wir bitten seine Freunde und Bewunderer, seine Privatsphäre und die seiner Familie zu respektieren." Thompson war zu Lebzeiten unter anderem dafür bekannt, sich unerwünschte Besucher von Leib und Hof zu halten. Er selbst bezeichnete sein Anwesen in den Rocky Mountains als ein "Fortified Compound", als befestigtes Lager. Er war bekennender Telefonmuffel und soll zur Verteidigung seines Eremitentums gelegentlich von seinen Schusswaffen Gebrauch gemacht haben.

Thompson mit Schauspielern Depp und Del Toro (1998): Angst und Schrecken in Las Vegas
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Thompson mit Schauspielern Depp und Del Toro (1998): Angst und Schrecken in Las Vegas

Thompson wurde mit einer besonderen Form des fiktiven Journalismus bekannt, dem sogenannten Gonzo-Journalismus. Er und seine Anhänger gingen davon aus, dass die "echte Wahrheit" im Bereich zwischen Fakten und Fiktion zu finden sei.

In seinen Reportagen und Büchern wie "Hell's Angels" (1966), "Fear and Loathing in Las Vegas" (Angst und Schrecken in Las Vegas, 1972) verband der "King of Gonzo" grundlegende Kritik an der amerikanischen Gesellschaft mit drastischen Schilderungen seiner eigenen Drogentrips und Grenzerfahrungen. Der Autor, der stets mit Sonnenbrille und Zigarette auftrat, wurde damit in den sechziger und siebziger Jahren zu einem der Helden der amerikanischen Gegenkultur. Der US-Regisseur Terry Gilliam hat Thompsons literarischen Trip "Fear and Loathing in Las Vegas" 1998 mit den Stars Johnny Depp und Benicio Del Toro verfilmt.

Thompson bei einer Demonstration in Colorado (2004): Ewiger Rebell und Outlaw-Moralist
AP

Thompson bei einer Demonstration in Colorado (2004): Ewiger Rebell und Outlaw-Moralist

Als ewiger Rebell und Outlaw-Moralist kämpfte Thompson schon gegen Johnson und Nixon, gegen Reagan und den alten Bush. Aber gegen George W. drehte der supersubjektive Extremist des "New Journalism" noch einmal richtig auf. Thompson nannte den 43. Präsidenten der USA einen "bekloppten Kinderpräsidenten", einen "Narren" und einen "Versager", einen "Wasserkopf-Sohn aus Texas".

"Die Rumsfeld-Cheney-Achse hat sich selbst zerstört vor unseren Augen, zusammen mit dem einst stolzen Perle-Wolfowitz-Bund, der sich in Wachs verwandelt hat", schrieb er. "Die USA sind pleite, wir verlieren diesen dummen, betrügerischen Dreckskrieg im Irak, und jedes Land der Welt, von einer Hand voll korrupter Briten einmal abgesehen, verachtet uns. Wir sind Verlierer, und das ist die einzige Sünde in Amerika, die einem nicht vergeben wird."

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